Formel 1: Mercedes löst Rätsel auf: Darum kam Russell ohne Befehl zum Boxenstopp

Mercedes löst Rätsel um Monaco-Strafe
Darum kam Russell ohne Befehl an die Box

ArtikeldatumVeröffentlicht am 09.06.2026
Als Favorit speichern
George Russell - Mercedes - GP Monaco 2026
Foto: Wilhelm

Eigentlich sollte man meinen, dass in der langen Formel-1-Geschichte jedes Szenario schon einmal durchgespielt wurde. Doch beim Monaco-Grand-Prix trat ein Fall auf, den selbst die cleversten Ingenieure nicht vorhersehen konnten. Er führte dazu, dass George Russell eine Durchfahrtstrafe kassierte, die ihn schließlich aus den Punkterängen warf.

Was war passiert? Schon beim ersten Boxenstopp hatte der Brite eine Fünf-Sekunden-Strafe kassiert, weil er in der Boxengasse zu schnell unterwegs war. Auch hier ist der Grund kurios: Die FIA misst die Geschwindigkeit der Autos über Induktionsschleifen im Asphalt. Weil die Boxengasse in Monaco nicht in einer geraden Linie verläuft, können die Werte verfälscht werden, wenn die Piloten die Kurven etwas enger nehmen.

Mercedes hatte das Problem schon vor dem Rennen auf dem Zettel: "Wir haben den Pit-Limiter absichtlich etwas niedriger eingestellt als normal und den Fahrern gesagt, dass sie eine weitere Linie fahren und die Kurven nicht schneiden sollen", erklärte Chefingenieur Andrew Shovlin. "Wir verstehen deshalb nicht ganz, warum es trotzdem zu einem Tempoverstoß kam, der eine Strafe nach sich zog."

Safety-Car - GP Monaco 2026
xpb

Komplizierte Situation mit Safety-Car

Damit war der verkorkste Nachmittag für Russell aber noch nicht verkorkst genug. Als der WM-Dritte später zum zweiten Boxenstopp vorbeikam, hätten seine Mechaniker eigentlich fünf Sekunden mit dem Service warten müssen, um die Tempo-Strafe ordnungsgemäß abzusitzen. Einige Schrauber legten aber direkt los, was dann zu der erwähnten Durchfahrtstrafe führte.

Nach dem Rennen stellte sich die Frage, wie Mercedes während der Safety-Car-Phase so ein auf den ersten Blick einfacher Fehler unterlaufen konnte. Auch hier hatte Shovlin die Antwort parat: "Das war eine komplizierte Situation, weil Kimi gerade George überrundet hatte. Als dann das Safety-Car rauskam, sah unser Plan vor, Kimi zum Reifenwechsel reinzurufen."

Für Russell hatte man einen anderen Plan: "Wir hatten gerade berechnet, dass George mit einem Boxenstopp, seiner zusätzlichen Strafe und einer kurzen Wartezeit hinter Kimis Auto hinter Hadjar zurückfallen würde. Deshalb haben wir ihm gesagt, dass er draußen bleiben soll."

George Russell - Mercedes - GP Monaco 2026
Wilhelm

Russell ohne Anweisung plötzlich an der Box

Doch dann passierte etwas, mit dem niemand rechnete. "Als wir Kimi die Nachricht gaben, zum Reifenwechsel zu kommen, poppte plötzlich die Nachricht auf, dass das Safety-Car das Feld durch die Boxengasse führt. Kimi wurde dann wie geplant abgefertigt. Leider haben wir George nicht explizit gesagt, dass er in der Fast Lane bleiben und nicht anhalten soll."

Doch der Pilot hatte einen anderen Plan. Er bog ohne konkrete Anweisung ebenfalls zu den Mechanikern ab, die vor der Garage warteten. Hier stellte sich die Frage, warum hier schon die frischen Reifen für Russell bereitstanden, wenn der gar nicht reingerufen wurde? "Das ist ein übliches Vorgehen", erklärt Shovlin. "Wenn das Safety-Car draußen ist, können sich die Pläne ja schnell ändern, je nachdem was die andern machen."

Leider sorgte das für die endgültige Verwirrung bei seinem Piloten: "Wir hatten ihm zwar vorher gesagt, dass er draußenbleiben soll. Aber als er seine Reifen sah, konnten wir ihm nicht mehr rechtzeitig die Nachricht schicken, in der Fast Lane zu bleiben. Er dachte, die Reifen sind für ihn, und kam an die Box. Und weil die Mechaniker ihn nicht erwarteten, waren sie nicht darauf vorbereitet, die Strafe abzusitzen."

Laut Shovlin will Mercedes aus der Situation lernen, um beim nächsten Mal besser vorbereitet zu sein. Für Russell bringt das jetzt nicht mehr viel. Durch den Sieg von Antonelli und die eigene Nullnummer vergrößerte sich sein Rückstand in der Fahrerwertung auf satte 68 Punkte.

Fazit