Formel 1: Longrun-Vergleich - Wer kann den Ferrari-Sieg noch verhindern?

Longrun-Analyse in Budapest
Wer kann den Ferrari-Sieg verhindern?

ArtikeldatumVeröffentlicht am 25.07.2026
Als Favorit speichern
Lewis Hamilton - Ferrari - GP Ungarn 2026
Foto: xpb

Schon in Monaco hatten alle Experten im Fahrerlager mit einem großen Ferrari-Durchmarsch gerechnet. Am Ende konnte Kimi Antonelli den ersten Hamilton-Erfolg im roten Overall aber noch einmal um eine Woche hinausschieben. Budapest ist die Strecke, die von den Kurvenradien und dem Vollgasanteil am ehesten mit Monaco vergleichbar ist. Und auch hier ist Ferrari wieder der erste Sieganwärter.

Der SF-26 produziert von Haus aus schon mehr Abtrieb als die Konkurrenzmodelle. Dank des Rotationsflügel mit dem Verstellmechanismus in den Endplatten können die Ingenieure eine zusätzliche Winglet-Staffel auf dem Hauptblatt montieren. In Monaco hatte man diese Zusatzelemente auch bei der Konkurrenz gesehen – aber nur, weil der Straight-Line-Modus im Fürstentum komplett außer Betrieb gesetzt wurde.

Ferrari profitiert auf der verwinkelten Strecke in Budapest auch von seinem kleinen Turbo. Kurze Geraden werden hier immer wieder von engen Kurven unterbrochen. Das bessere Ansprechverhalten des Motors wird zum echten Performance-Vorteil. Die geringere Top-End-Power fällt mangels langer Geraden dagegen nicht so ins Gewicht. Dazu kommt die rote Göttin traditionell gut über die Randsteine. Wenn sich die Scuderia-Ingenieure eine Strecke malen dürften, würde sich wohl aussehen wie der Hungaroring.

Charles Leclerc - Ferrari - GP Ungarn 2026
xpb

Hamilton und Leclerc dominieren

Am Trainingsfreitag (24.7.) ließen Lewis Hamilton und Charles Leclerc dann auch gleich mal die Muskeln spielen. Obwohl die Motoren noch nicht mit maximaler Leistung liefen, setzte sich das britisch-monegassische Duo mit deutlichem Vorsprung an die Spitze des Tageswertung. Hamilton brannte eine 1:18.729 Min. in den Asphalt. Leclerc blieb nur anderthalb Zehntel dahinter.

Zum ersten Verfolger, Lando Norris, klaffte bereits eine Lücke von einer halben Sekunde. Max Verstappen im schnellsten Red Bull fehlten fast sieben Zehntel. George Russell belegte mit seinem Silberpfeil Rang 5. Der Rückstand des Briten betrug bereits satte 0,933 Sekunden. Die Ferrari-Fans sollten sich von den großen Abständen aber nicht blenden lassen. Die Konkurrenz hatte mit verschiedenen Problemen zu kämpfen, die noch aussortiert werden müssen.

So kämpfte Russell im ersten Training mit blockierenden Vorderrädern. Ein heftiger Verbremser vor Kurve 1 führte dazu, dass der Engländer gar keinen verwertbaren Run auf Soft-Reifen hinlegen konnte. Offenbar übertrieben es die Ingenieure dann in der Pause mit ihren Korrekturen. In der zweiten Session klagte Antonelli, dass bei ihm ständig die Hinterräder beim Anbremsen stehenblieben.

Max Verstappen - Red Bull - GP Ungarn 2026
Red Bull

Mercedes und Red Bull im Setup-Dschungel

Der WM-Spitzenreiter hatte die erste Session von der Ersatzbank aus zugeschaut. Für ihn durfte Junior-Pilot Frederik Vesti ran. Mit der verschobenen Bremsbalance fand Antonelli bei seinen ersten Proberunden keinen Rhythmus. Wie Russell im FP1 kam auf dem Soft-Run keine vorzeigbare Rundenzeit zustande. Die beste Medium-Runde brachte Antonelli nur auf P13.

Dafür zeigte der Italiener dann im Longrun mit dem Soft-Reifen seine wahre Stärke. Über die Distanz war Antonelli (1.24,220 Min.) fast genauso schnell wie Leclerc (1.24,186 Min.), der seinen Dauerlauf ebenfalls auf der weichen Reifenmischung absolvierte. Russell (1.24,656 Min.) war knapp der Schnellste der Medium-Fraktion.

Auch bei Red Bull war am Freitag noch der Wurm drin. Verstappen klagte schon auf den ersten Runs am Mittag, dass sein Auto mit der Vorderachse über die Randsteine und die Bodenwellen hoppele. Außerdem brachte das Getriebe beim Runterschalten mal wieder Unruhe ins Auto, was bei den ständigen Bremsmanövern in Budapest zu frustrierten Funksprüchen führte. Dazu war auch die Sitzposition nicht ganz nach dem Geschmack des Niederländers.

In der zweiten Session beklagte sich der Vierfach-Champion dann über ein zu steifes Heck. Das sorgte für reduzierten mechanischen Grip in den Kurven und Traktionsprobleme. Red Bull ist aber bekannt dafür, solche Setup-Themen über Nacht in den Griff zu bekommen. Schon auf dem Longrun mit Medium-Reifen deutete Verstappen an, dass er nicht so weit zurückliegt, wie es die Tabelle suggerierte. Hier fuhr er auf einem ähnlichen Niveau wie die Ferrari.

Lando Norris - McLaren - GP Ungarn 2026
McLaren

Falsche Strecke für McLaren

Und wie groß sind die Chancen, dass McLaren noch etwas am Ferrari-Thron rütteln kann? Norris war laut Zeitentabelle immerhin am nächsten dran. Doch beim Weltmeister ist das Steigerungspotenzial eher überschaubar. Der Papaya-Renner weist gegenüber der Konkurrenz noch ein substanzielles Abtriebsdefizit auf, das laut Teamchef Andrea Stella erst nach der Sommerpause beseitigt werden kann.

Mit frischen weichen Reifen, die in den Kurven Grip liefern, lässt sich das im Qualifying noch einigermaßen kompensieren. Über die Distanz macht sich der fehlende Abtrieb dann aber irgendwann in einem erhöhten Reifenverschleiß bemerkbar. In Budapest sind wie immer die drei weichsten Pirelli-Mischungen am Start. Wenn die Temperaturen am Sonntag tatsächlich Richtung 30-Grad-Marke klettern, könnte das problematisch für McLaren werden.

Norris konnte bei moderaten Bedingungen im Training noch einigermaßen mit der Konkurrenz mithalten. Oscar Piastri war bei seinem Run auf dem Medium-Reifen meilenweit entfernt von den anderen Top-Autos. Der Australier, der wie Antonelli das erste Training verpasst hatte, schimpfte später über den böigen Wind, der einen guten Rhythmus verhinderte.

Fazit