Mike Whiddett gilt in der Drift-Szene als einer der kreativsten Köpfe, weil er immer wieder radikale Einzelstücke auf die Räder stellt und weil er auch sportlich abliefert. Unter anderem gewann er schon die prestigeträchtige Formula Drift Japan Championship. Jetzt nimmt sich der Neuseeländer ein March-87P-Chassis vor, das ursprünglich für die Formel 3000 entwickelt und später in der Formel 1 eingesetzt wurde. Das Ziel ist ein weltweit einzigartiger Driftwagen mit Wankelmotor in einem Grand-Prix-Rennwagen.
Eigentlich sind Formel-1-Autos so konstruiert, damit sie am Ende wie auf Schienen fahren. Rutschende Räder oder gar Drifts sind eigentlich nicht vorgesehen. Für mehr Stabilität pressen große Flügel die Monoposto-Rennwagen auf den Asphalt. Doch jetzt geht es darum, die Carbon-Fuhre irgendwie zum Querfahren zu bewegen. Auf den ersten Blick eine eher verrückte Idee.
"Das ist ehrlich gesagt ziemlich beängstigend. Toni und ich bauen hier mit Abstand das verrückteste Projekt, das wir je begonnen haben", sagte Whiddett bei der Vorstellung seiner Pläne. An seiner Seite: Mad-Mike-Motorsport-Managerin und Partnerin Toni Cook.

Der Cosworth-V8 kommt raus. Er wird durch einen Wankel-Motor ersetzt werden.
Kult-Rennwagen wird komplett zerlegt
Schraubort ist Whiddetts MADLAB-Werkstatt in Hampton Downs (Neuseeland). Dort sind Fertigung und Entwicklung bereits angelaufen. Unterstützt wird er von einem festen Team, darunter Motorenbauer Alec Bell sowie Ingenieur Brendon Thomas.
Inspiration zieht Whiddett aus der Motorsport-Ära der 1980er- und 1990er-Jahre. Genau dieses "furchtlose" Technik-Zeitalter sei ein Hauptgrund gewesen, ausgerechnet dieses Chassis auszuwählen. Begleitet wird das Projekt in einer Doku-Reihe mit sechs Folgen, die auf YouTube abrufbar sind.
Schon in Episode 1 wird klar: Das Projekt ist kein Plug-and-Play. Whiddett muss das Heck neu konstruieren, um den Wankelmotor zu integrieren – eine Konfiguration, die es in einem Formel-1-Chassis so noch nicht gegeben hat. Weitere Baustellen sind das H-Schaltgetriebe und das extrem kompakte Cockpit.
Historisch spannend: Der March 87P startete 1986 als Formel-3000-Konstruktion und wurde später zum Formel-1-Einsatz für die Saison 1987 weiterentwickelt – damals unter dem Leyton-House-Banner. Angetrieben von einem Ford Cosworth DFZ V8 und pilotiert von Ivan Capelli, fuhr der hellblaue Rennwagen mit Platz sechs beim Monaco-GP sein bestes Ergebnis in der Königsklasse ein. Die auffällige Lackierung und das kompakte Carbon-Monocoque verlieh dem Renner Kultstatus.

Die Frage lautet: Kann man mit einem Formel-1-Auto überhaupt querfahren?
F1-Drift-Renner namens "FORMIDABUL"
Whiddetts Karriere ist geprägt von ungewöhnlichen Umbauten. Nach dem Wechsel vom Motocross in die Drift-Szene machte er sich bereits mit dem 515 PS starken Mazda RX-7 "MADBUL" einen Namen. Mit dem Wankel-RX-8 "BADBUL" gewann er 2009 in dessen Debütjahr die neuseeländische Drift-Meisterschaft.
Es folgten unter anderem der 1.200-PS-Mazda MX-5 "RADBUL" und ein zum Driftcar umgebauter Lamborghini Huracán "NIMBUL" fürs Goodwood Festival of Speed 2019. Sein jüngster großer Wurf: der "MADMAC" – ein McLaren P1 als Drift-Hypercar mit Wankel-Swap. Das neue F1-Drift-Projekt soll unter dem Namen "FORMIDABUL" für noch mehr Aufsehen sorgen.
Whiddett verbindet den Umbau auch mit einer Botschaft: "Worauf ich mich am meisten freue, ist die Inspiration, die hoffentlich auf jeden abfärbt, der das sieht. Ich bin bei meiner alleinerziehenden Mutter mit sehr wenig Geld aufgewachsen. Ich habe ständig alte RC-Cars gebaut, kaputtgemacht und gelernt, sie zu modifizieren. Und ich habe nie etwas zwischen mich und meine Träume kommen lassen. Wenn ich das kann, kannst du das auch."
Die sechsteilige Serie soll den kompletten Weg zeigen – vom Zerlegen über Motoraufbau, Motormanagement, Kühlung, Fertigung und Lenkungsentwicklung bis hin zu Chassis-Entwicklung, Shakedown-Tests und der finalen Enthüllung. Hier geht’s zur ersten Episode.












