Mit den neuen Hybrid-Motoren mussten sich nicht nur die Fahrer umstellen, sondern auch die Fans. Vor allem in den ersten Rennen schoss die Zahl der Überholmanöver durch die Decke. Allerdings handelte es sich dabei oft um Angriffe, die nur dank cleverem Energie-Management erfolgreich abgeschlossen wurden und nicht um traditionelle Manöver in den Bremszonen.
Um besser erkennen zu können, welche Rolle die Elektro-Power in den Zweikämpfen spielt, wünschen sich viele Fans die Anzeige des aktuellen Ladestands der Batterien in den TV-Übertragungen. Diese Information wäre über die Telemetrie-Daten vorhanden, wird aber nur sehr selten ausgespielt. Wie es funktionieren kann, zeigt die Formel E. Hier wird der Zuschauer immer über die Energiereserven informiert.
Beim Grand Prix von Belgien verzichtete die Formel-1-Regie ganz darauf, die Füllstände der Batterien während der Fahrt einzublenden. In Ungarn gab es die Infos immerhin sporadisch, vor allem während der Trainings und des Qualifyings. Viele Fans vermuten, dass die Formel-1-Verantwortlichen den Fans in Spa lieber nicht zeigen wollten, wie oft die Piloten nur mit der Verbrenner-Power auskommen mussten.

In Belgien wurden gar keine Batterie-Werte eingeblendet. Will die Formel 1 hier etwas verheimlichen?
Immer weniger Daten
Auffällig ist auch, dass die Grafiken zu Saisonbeginn noch regelmäßiger eingeblendet wurden, als es zuletzt der Fall war. Viele sehen darin eine Schwachstelle in der TV-Aufbereitung. Der Ladezustand ("State of Charge") ist zentral, um nicht nur den Moment eines Überholmanövers zu verstehen, sondern auch das "Warum" davor und die Konsequenzen danach. Wer Energie übrig hat, kann angreifen. Wer leer ist, muss sich verteidigen oder den Platz aufgeben. Genau diese Dynamik entscheidet heute.
Wenn man sich andere Sportübertragungen anschaut, dann fällt auf, dass die Fans eher mit immer mehr Daten versorgt werden. Vor allem in den USA gehört die vollumfängliche Information über alle Details dazu. Dort erwartet das Publikum den Datenreichtum sogar. Umso unverständlicher ist es, dass ausgerechnet in der Formel 1 eine der wichtigsten Kennzahlen weggelassen wird.
Niemand fordert, dass permanent bei allen 20 Autos der Batteriestand eingeblendet wird. Aber sobald sich ein Zweikampf zuspitzt, wäre es zum besseren Verständnis wünschenswert. In einem technischen Sport wie der Formel 1 sollte es eigentlich möglich sein, solche Live-Daten, durch eine einfache grafische Darstellung verständlich rüberzubringen.

War das Überholmanöver von Verstappen gegen Hamilton hohe Fahrkunst? Oder nur der Batterie-Power zu verdanken? Leider werden wir es nie erfahren!
Kein Interesse an Technik-Details
Auf die Frage, warum man den Fans die Information vorenthält, gab Formel-1-Boss Stefano Domenicali eine interessante Antwort: "Die meisten interessiert das nicht", winkte der Italiener ab. Angeblich will man die Fans nicht mit Details überfrachten: "Niemand interessiert sich dafür, wie du dein Auto fährst", so Domenicali. Die Leute wollten vor allem sehen, ob überholt wird oder nicht – das sei für die große Mehrheit entscheidend.
Der Chef der Königsklasse räumt zwar ein, dass es eine Gruppe gebe, für die solche Informationen wichtig sind, aber das sei nicht die Masse. Er berichtet von einem Gespräch mit Hollywood-Produzent George Lucas in Ungarn, wo es um die Art ging, wie die Fans die Formel 1 heutzutage konsumieren. Fazit: Die neuen Zuschauer seien fasziniert von Action und verstünden oft nicht, was hinter den Kulissen technisch passiert. Daraus leitet Domenicali ab: Man müsse vereinfachen, nicht verkomplizieren.
Für die breite Masse, so Domenicali, sei es unwichtig, ob ein Fahrer mit der richtigen Gaspedalstellung, dem Bremsdruck oder dem Energiemanagement einen Angriff vorbereitet. Ein spektakuläres Überholmanöver funktioniert auch ohne Daten. Es gehe um die Qualität der Fahrer, nicht um die Parameter. Dass die Formel 1 damit Gefahr läuft, einen Teil der Fans zu verprellen, scheinen die Verantwortlichen in Kauf zu nehmen.












