Lewis Hamilton hatte sich seinen 20. Grand Prix von Belgien sicher etwas anders vorgestellt. Dabei begann das Rennen von Startplatz 5 eigentlich relativ verheißungsvoll. Der Rekordsieger kam gut von der Linie weg und schien auf den ersten Metern direkt eine Position zu gewinnen. Doch dann kam es am Ende der langen Gerade zum Duell mit George Russell.
Sein alter Mercedes-Teamkollege griff auf der Außenbahn an. Am Scheitelpunkt kam es zur Kollision. Russell rutschte ins Kiesbett. Hamilton konnte weiterfahren, allerdings war bei dem Kontakt das Bargeboard auf der linken Seiten abgerissen. Ohne das Flügelelement ging viel Abtrieb verloren.
Obwohl die meisten Experten von einem normalen Rennunfall im Startgetümmel ausgingen, sprachen die FIA-Kommissare eine Strafe für den Ferrari-Piloten aus. Fünf Sekunden musste Hamilton bei seinem ersten Stopp länger warten, bevor seine Mechaniker mit dem Service beginnen durften.

Nach der Kollision mit Russell fehlte bei Hamilton das Bargeboard.
Mechaniker in der Schusslinie
Doch dann schienen die Renngötter dem Briten einen Joker in die Hände zu spielen. Ferrari holte seine Autos in einer virtuellen Safety-Car-Phase in Runde 21 in die Box. Im Vergleich zu einem Stopp unter normalem Renntempo sparte das 9 Sekunden ein.
Hamilton bat den Kommandostand darum, dass beim Service auch direkt noch der Frontflügel nachjustiert werden sollte. Ein steilerer Flügel hätte den Abtriebsverlust durch den Kollisionsschaden ausgeglichen. Doch dann lief beim Ablauf des Boxenstopps irgendwas schief.
Ein Crew-Mitglied stand mit dem passenden Verstellgerät vor dem Auto parat. Nach Ablauf der fünf-sekündigen Wartezeit begannen alle anderen Kollegen mit dem Reifenwechsel. Nur der Frontflügel-Mann zögerte einen Moment zu lang. Erst als die neuen Räder aufgeschnallt waren, machte er eine kurze Bewegung in Richtung Flügel.

Der zweite Platz von Leclerc zeigte, dass auch für Hamilton ein Podiumsplatz drin war.
Hamilton verpasst Podium knapp
Doch da bekam Hamilton schon das grüne Licht-Signal zur Abfahrt. Der Ferrari erwischte den Mechaniker mit dem rechten Vorderrad und riss ihn damit zu Boden. Hamilton blieb kurz stehen, setzte seine Fahrt dann aber fort. "Wie geht es ihm? Ist er okay?", fragte der Engländer besorgt. Doch vom Kommandostand gab es direkt Entwarnung. Der Ferrari-Mann hatte die dramatische Situation zum Glück ohne Verletzung überstanden.
Nach dem Rennen sprach Hamilton über den Schreckmoment: "Ich habe nur auf das grüne Licht geachtet. Ich habe nicht in die Richtung geschaut. Als ich es bemerkt habe, hielt ich direkt an. Ich habe mich direkt an eine Szene erinnert gefühlt, als Kimi (Räikkönen) mal bei einer Kollision das Bein eines Mechanikers gebrochen hatte. Aber zum Glück ist er okay."
Hamilton merkte danach allerdings schnell, dass die gewünschte Frontflügel-Verstellung nicht vorgenommen wurde. "Das Auto will einfach nicht einlenken", schimpfte der Routinier über Funk. Trotzdem schaffte es der Scuderia-Pilot noch, sich an Oscar Piastri im McLaren vorbei auf Rang vier zu kämpfen. Ohne die Probleme und die Strafe hätte jedoch locker ein Podium herausspringen können. Im Ziel fehlten nur 5,7 Sekunden auf den dritten Platz.
Hamilton nahm das Ergebnis auf die eigene Kappe: "Ich denke immer noch an meinen Crash im dritten Training gestern. Bei der Reparatur wurde bei der Aufhängung etwas übersehen. Deshalb hat die Balance im Qualifying nicht gepasst. Da habe zwei, drei Zehntel verloren. Durch den schlechten Startplatz kam es dann zum Zwischenfall in der ersten Runde. Das war wie ein Domino-Effekt. Die Pace war sehr gut heute. Ohne den Schaden am Auto hätte ich vielleicht sogar um den Sieg kämpfen können."












