James Vowles - Williams - F1 - 2022 Williams
Williams - Teamfoto - Abu Dhabi 2022
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Williams-Teamchef: Vowles ersetzt Capito

Mercedes Taktik-Guru wird Williams-Teamchef James Vowles ersetzt Jost Capito

Williams hat einen neuen Teamchef gefunden. James Vowles verlässt seinen Posten als Mercedes-Strategiechef, um den glücklosen Jost Capito an der Spitze des Traditionsteams zu ersetzen. Kann Vowles den ruhmreichen Rennstall aus Grove auf die Erfolgsspur zurückführen?

Das Teamchef-Karussell in der Formel 1 dreht sich weiter. Einen Monat nach Bekanntgabe des Abgangs von Jost Capito hat Williams einen neuen Teamchef gefunden. Die Wahl des Traditionsrennstalls fiel auf James Vowles, der im Fahrerlager als einer der fähigsten Ingenieure überhaupt angesehen wird. Der 43-Jährige ist den Formel-1-Fans ein bekannter Name. Vowles war jahrelang der schlaue Kopf hinter den meist erfolgreichen Mercedes-Strategien.

Der Taktik-Guru wird sich ab dem 20. Februar – kurz vor Beginn der Testfahrten in Bahrain – einer neuen Herausforderung stellen. Nach mehr als 20 Jahren in der Fabrik im britischen Brackley zieht es ihn weiter nach Grove. "Ich kann es kaum erwarten, meine neue Aufgabe bei Williams zu beginnen", zitiert der Rennstall Vowles. "Es ist eine Ehre, ein Team mit solch einer ruhmreichen Rennvergangenheit zu leiten. Ich freue mich auf die Herausforderung."

Williams zählt zu den Ikonen der Formel 1 – zu den größten Namen überhaupt. "Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich in den frühen 1990er Jahren durch einen Fangzaun in Silverstone Williams bei Testfahrten beobachtete", erinnert sich der neue Rennleiter. Nach Verhandlungen über ein paar Wochen waren sich die Williams-Führung um Eigentümer Dorilton Capital und Vowles einig, dass man zueinander passe. Dann weihte der neue Williams-Teamchef Toto Wolff in seine Pläne ein.

James Vowles - Mercedes - GP Abu Dhabi 2022
Wilhelm
Vowles war bei Mercedes mehr als nur der Chefstratege. Er kümmerte sich als rechte Hand von Toto Wolff auch um Management-Aufgaben.

Vowles verlässt Mercedes

Mercedes verliert mit Vowles ein wichtiges Teammitglied. Wolff legte ihm aber keine Steine in den Weg. "Du kannst niemanden aufhalten, der aufsteigen kann. Wenn ein Vogel fliegen will, musst du ihn ziehen lassen." Deshalb belegt Mercedes Vowles auch nicht mit einer Arbeitssperre, wie es sonst oft in der Formel 1 der Fall ist. "James war ein hochgeschätztes Mitglied in unserem Team. Er hat eine wichtige Rolle bei unseren Erfolgen beigetragen", lobte der Mercedes-Teamchef zum Abschied. "Ich weiß, wie gewissenhaft er arbeitet, wie fähig und talentiert er ist. Ich hatte große Freude daran, ihn in seiner Entwicklung zu begleiten. Ich habe keine Zweifel, dass er alles mitbringt, um ein fantastischer Teamchef zu werden."

Dass sich Vowles beruflich verändert, war bereits in der vergangenen Saison abzusehen. Nur wusste da noch keiner, dass er nicht innerhalb von Mercedes in eine andere Rolle schlüpft, sondern gleich das Team wechselt. "Den Gedanken, ein Team zu leiten, trage ich bereits seit Jahren mit mir herum." Mit dem Rückzug von Capito eröffnete sich die Chance bei Williams.

Vowles tauchte Mitte der Saison nicht mehr am Kommandostand auf, sondern verfolgte die Rennen plötzlich in der Mercedes-Garage. Ein Nachfolger als Strategie-Direktor wurde intern bereits aufgebaut. Die Mercedes-Taktik-Abteilung ist mit neun Köpfen bestens besetzt, um den Abgang aufzufangen, glaubt Wolff. "Unsere Stärke bei Mercedes ist es, die Last auf mehreren Schultern zu verteilen. Wir sind eine dynamische Organisation, die rechtzeitig die Nachfolge regelt." Und weiter: "James hat die Fähigkeiten unseres Strategieteams in Brackley weiter ausgebaut, und wir haben eine fantastische Gruppe talentierter Strategen, die ihre hervorragende Arbeit auch in den kommenden Jahren fortsetzen werden."

Williams - Teamfoto - Abu Dhabi 2022
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Williams landete 2022 auf dem letzten Platz der Teamwertung. In der Winterpause wurden der Teamchef und Pilot Nicholas Latifi ausgewechselt.

Vowles vor großer Aufgabe

Vowles ist seit 21 Jahren in der Formel 1 tätig. Dabei war er immer in Brackley beheimatet. Seine Karriere begann bei BAR, das erst zu Honda, dann zu BrawnGP und später zu Mercedes wurde. Vowles feierte in seiner Laufbahn neun Konstrukteurs-Titel und über 120 Rennsiege. Mit dem Wechsel zu Williams geht er den nächsten Schritt auf der Karriereleiter, der bei Mercedes nicht möglich gewesen wäre. "Dafür hätte ich zur Seite treten müssen. Dazu bin ich noch nicht bereit, weil ich fühle, dass ich dem Team in meiner Position noch viel geben kann", sagt Wolff.

Der 43-jährige Vowles soll Williams entstauben und zu einem besseren Team formen. 2022 beendete der Rennstall die Saison auf dem letzten Platz. Es heißt, das Team hinge noch immer in der Vergangenheit fest. Es gäbe interne Grabenkämpfe. Die Glanzzeiten hat Williams lange hinter sich. Den letzten Sieg gab es 2012. Den letzten WM-Titel 1997. Vowles stellt sich einer großen Aufgabe. "Williams schenkt mir das Vertrauen. Ich werde das zurückzahlen. Dieses Team hat riesiges Potenzial. In wenigen Wochen beginnt unsere gemeinsame Reise", sagt er.

"Williams hat in den letzten Jahren viele Rückschläge erlebt. Die vielen Nackenschläge prägen sicher eine Organisation. Gerade in der Zeit, bevor Dorilton übernahm, fehlten dem Team die finanziellen Mittel. Dorilton ist bereit, zu investieren. Wir werden sicher die Technikabteilung stärken müssen. Das wichtigste Element, um Erfolg zu haben, sind die Menschen und die Kultur. Einer allein reißt es nicht raus. Wir müssen einander anfeuern, Mut machen und uns respektieren. Nur als Einheit kann Williams nach vorne gelangen", glaubt Vowles.

Alexander Albon - Williams - GP Mexiko 2022
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Williams braucht frischen Wind. James Vowles soll dafür sorgen.

Zusammenarbeit mit Williams

Er wird sich in seiner neuen Rolle beweisen müssen. Die Voraussetzungen sind bestens. Es ist für Vowles kein Sprung ins kalte Wasser. "Er hat mir bei Mercedes schon viele Aufgaben abgenommen, die ein Teamchef zu tun hat. Fahrerverträge, die Arbeit mit Reservefahrern, politische Aufgaben", erklärt Wolff. Vowles kennt den Sport in- und auswendig. Er ist bestens vernetzt in der Szene. "Es ist natürlich ein Sprung, aber kein großer. Ich wurde gut bei Mercedes darauf vorbereitet. Natürlich muss ich mich aber in einer neuen Umgebung zurechtfinden. Das geht jedem so, wenn er das Unternehmen wechselt."

Vowles sei keiner mit einem großen Ego. Er sei rational in seinen Handlungen – schildert Wolff. Die Besitzer des Teams von Dorilton Capital zeigen sich hocherfreut über den Coup. "Wir glauben, dass die Ernennung von James unser Engagement unterstreicht, um sicherzustellen, dass wir eine energische, erfahrene und starke Führung haben, wenn wir in die nächste Phase der Umgestaltung von Williams Racing eintreten", sagt der Vorsitzende Matthew Savage.

Es könnte sein, dass die Zusammenarbeit zwischen Mercedes und Williams durch den Wechsel noch weiter vertieft wird. "Einen Sparringspartner dort zu haben, hilft uns und ihnen. Aber es ist auch ein guter Schritt, von dem die Formel 1 profitiert", sagt Wolff. Williams bezieht Motoren und Getriebe von den Silberpfeilen. "Wir sind sicher kein B-Team. Williams wird auch kein Mini-Mercedes", beschwört der kommende Teamchef. "Ich werde auf meinen eigenen beiden Füßen stehen."

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