Max Verstappen ist dieses Jahr die Königsfigur im Transfer-Schach der Formel 1. Der Red-Bull-Vertrag des vierfachen Weltmeisters, der noch bis 2028 geht, ist das Papier nicht wert, auf dem er geschrieben steht. Eine Ausstiegsklausel sorgt für eine Freigabe nach der aktuellen Saison. Wenn der Niederländer das Team verlassen will, steht ihm nichts mehr im Weg.
Im Vorjahr besagte die Klausel noch, dass Verstappen bleiben muss, wenn er zum Stichtag vor der Sommerpause mindestens auf Rang 3 im Klassement liegt. "Dieses Jahr hat sich die Klausel noch einmal verschärft", verriet Ex-Red-Bull-Sportchef Helmut Marko im Gespräch mit dem deutschen Ableger von Sky F1. Verstappen wollte sich offenbar für den Fall absichern, dass der neue Red-Bull-Motor nicht mit der Konkurrenz mithalten kann.
Das bedeutet, dass Red Bull seinen Piloten mindestens auf Position zwei im Fahrerklassement bringen müsste, um ihn sicher über das Saisonende hinaus zu halten. Dass diese Vorgabe nun rechnerisch nicht mehr möglich ist, lag am Ende nicht an der ersten eigenen Power Unit des Rennstalls, sondern an den Schwächen des restlichen Autos und der deutlichen Überlegenheit des Mercedes-Duos.

In Österreich zeigte Red Bull einen klaren Aufwärtstrend. Trotzdem kokettiert Verstappen mit einem Wechsel.
Gerüchteküche brodelt
Schon im Vorjahr hatte der Niederländer längere Zeit mit einem Wechsel kokettiert. Damals blieb ihm der Absprung verwehrt. Weil sein Team in der zweiten Saisonhälfte zurück in die Erfolgsspur fand und Verstappen am Ende sogar noch einmal in den WM-Kampf eingreifen konnte, hielten sich die Klagen des Piloten in Grenzen.
In diesem Jahr wird Verstappen wohl nichts mehr mit dem Titelkampf zu tun haben. Deshalb beginnt die Gerüchteküche schon wieder an zu brodeln, was einen möglichen Abschied angeht. Als erste mögliche Anlaufstelle wurde natürlich immer wieder Marktführer Mercedes genannt. Doch Teamchef Toto Wolff schob diesen Überlegungen in Spielberg einen Riegel vor.
"Unser Plan ist es, an der Fahrerpaarung nichts zu ändern. Für uns ist wichtig, dass wir jetzt eine Stabilität haben", erklärte der Österreicher am Rande seines Heimspiels und beendete damit alle Spekulationen zu einem möglichen Wechsel. Weil auch bei Ferrari kein Platz für Verstappen ist, bleibt als letzte Top-Team-Option nur noch McLaren übrig.

Verstappen soll um ein geheimes Treffen mit den McLaren-Verantwortlichen gebeten haben.
McLaren als letzte Option
Auch hier ist man eigentlich mit der aktuellen Fahrerpaarung zufrieden. Doch wie der britische Pay-TV-Sender Sky F1 nun berichtete, soll es vor dem Österreich-Grand-Prix zu einem geheimen Treffen zwischen dem Verstappen-Camp und der Führung des Weltmeisterteams gekommen sein. Nach Sky-Informationen soll der Rennfahrer um das Meeting gebeten haben. McLaren sei dem Wunsch nachgekommen.
Die Spekulationen über einen möglichen Wechsel werden durch diese Berichte natürlich noch einmal angefacht. Schon im Vorjahr waren kurz Gerüchte durchs Fahrerlager geschwappt, dass es zu einem Tausch Verstappen gegen Oscar Piastri kommen könnte, was aber schnell von beiden Teams dementiert wurde.
Die Frage lautet, warum Verstappen überhaupt zu McLaren will. Die Papaya-Truppe ist ähnlich schwach in die WM gestartet wie Red Bull. Allerdings konnte der Rennstall aus Woking in den vergangenen Jahren beweisen, dass man Mercedes bei der Weiterentwicklung überholen und mit dem identischen Antriebspaket schlagen kann.

McLaren startet 2027 mit einem eigenen Auto in der Top-Klasse von Le Mans. Das kann Red Bull Verstappen nicht bieten.
Erfüllt McLaren Verstappen den Le-Mans-Traum?
Für McLaren spricht noch ein weiterer Pluspunkt, den Red Bull nicht bieten kann. Ab der kommenden Saison geht der Traditionsrennstall mit einem eigenen Prototyp in der Top-Klasse in Le Mans an den Start. Verstappen hatte immer wieder betont, dass der 24h-Klassiker ganz oben auf seiner Liste steht. Dass der Pilot abseits des Formel-1-Frusts nach Ablenkung sucht, dürfte mittlerweile bekannt sein.
Für McLaren wäre ein Pilot vom Kaliber eines Max Verstappens natürlich ein Gewinn. Allerdings betonte die Teamleitung in der Vergangenheit stets, dass man mit der aktuellen Fahrerpaarung langfristig plant. Lando Norris und Oscar Piastri besitzen laufende Verträge. Würde man den vierfachen Weltmeister verpflichten wollen, müsste Rennstall-Boss Zak Brown tief in die Tasche greifen.
Wie akut die aktuelle Wechselgefahr ist, lässt sich nur schwer einschätzen. Es scheint, als wolle Verstappen zumindest alle Optionen ausloten. In der Woche vor dem Österreich-Grand-Prix war es auch schon zu einem Treffen des Piloten und seines Managers mit den Red-Bull-Verantwortlichen gekommen. Die Zeit der Entscheidung naht. Als dritte Variante steht auch immer noch ein kompletter Abschied aus der Formel 1 im Raum.
Den Abgang kann Red Bull nur vermeiden, wenn man seinem Superstar ein konkurrenzfähiges Autos zur Verfügung stellt. Hier scheint die Entwicklung mit dem großen Technik-Upgrade von Spielberg in die richtige Richtung zu gehen. Verstappen konnte mit Mercedes auf Augenhöhe um den Sieg kämpfen. Die andauernden Wechsel-Gerüchte dürften bei den Ingenieuren noch für etwas Zusatz-Motivation sorgen.












