Mercedes W13 - Bahrain-Test  -  2022 xpb
Mercedes W13 - Bahrain-Test  -  2022
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Mercedes-Trick: Streit um Mini-Seitenkästen

Mercedes zeigt Technik-Trick in Bahrain Zoff um Mini-Seitenkästen

Der runderneuerte Mercedes W13 war der Star des ersten Testtages in Bahrain. Das Auto wurde an den Seitenkästen und am Unterboden massiv verändert. Und schon gibt es Zoff um den Silberpfeil: Red Bull hält den Trick mit der flügelförmigen Crashstruktur am Seitenkasten für illegal.

Mercedes hat seinen neuen W13 zwei Mal neu erfunden. Die Version in Barcelona war der Entwicklungsstand vom frühen Januar. Dann gingen die Verkleidungsteile in Produktion. Sonst wäre der Konstrukteurs-Weltmeister bei den Testfahrten in Barcelona ohne Auto dagestanden. Die Aerodynamiker arbeiteten natürlich unter Volldampf weiter. So entstand die Spezifikation, die jetzt in Bahrain ausgepackt wurde.

Es ist ein Auto fast ohne Seitenkästen. Noch extremer als der Williams. Aus nahezu rechteckigen Kühleinlässen auf Cockpithöhe wurden zwei schmale vertikale Schlitze links und rechts vom Chassis. Die Seitenverkleidung ist nicht mehr oben breit und unten schmal, sondern genau das Gegenteil. Oben liegt sie eng am Cockpit an und läuft nach unten breit aus.

Darüber thront wie in der Vergangenheit ein großer horizontaler Flügel. Durch diesen Trick konnten die Kühleinlässe zurückversetzt werden. Der Frontflügel wurde dem Konzept angepasst. Die Flaps verlaufen weniger geschwungen Richtung Endplatten.

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Die Crashstruktur liegt in einem horizontalen Flügel, auf dem der Seitenspiegel sitzt. Diesen Flügel hält Mercedes für legal, weil er als Teil der Spiegelhalterung deklariert wurde.

Spiegelhalterung in Flügelform

Am meisten wurde aber über die Seitenkästen diskutiert. Mercedes integriert die obere Crashstruktur in das Flügel-Element, das horizontal vom Chassis absteht. Offiziell gilt der Flügel als Halterung für den Rückspiegel. Doch diese kreative Auslegung des Reglements erregt bereits die Gemüter.

Red Bull-Chef Christian Horner droht Widerstand an: "Das sind keine Spiegelhalterungen, sondern zwei Flügel. Dazu haben sie noch vertikale Leitbleche oben drauf gebaut. Die haben nichts mit der Spiegelhalterung zu tun."

Besagte Finnen zeigen zum Teil nach außen. Das wird von der Konkurrenz als Outwash-Element interpretiert. "Aus unserer Sicht ist Mercedes da einen Schritt zu weit gegangen. Das entspricht nicht dem Geist des Reglements. Für uns sind diese Flügel illegal", wettert Horner.Die Red Bull-Presseabteilung bekam danach kalte Füße und erklärte die Zitate ihres Teamchefs für "nicht offiziell". Mercedes sieht der Kritik gelassen entgegen. Das Auto wurde so von der FIA zugelassen. Die FIA-Prüfer hatten die CAD-Daten schon vor Wochen auf dem Tisch.

Das neue Seitenkasten-Konzept hat noch einen Vorteil. Es schafft viel freie Fläche auf der Bodenplatte und gibt damit mehr Freiheiten für die vorderen Diffusortunnel. "Der Bereich ist zwar streng reglementiert, doch genau da haben wir großes Entwicklungspotenzial gefunden", erzählt uns ein Ingenieur. Der Einlass in den Boden wurde entsprechend modifiziert.

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Mercedes schafft viel Platz auf dem Unterboden. Die äußere Kante ist mit Metall verstärkt.

Mercedes als Gegenentwurf zu Ferrari

Die Kühlelemente sind an zwei Orten verstaut. Die einen eng anliegend am Cockpit, die anderen huckepack neben der Airbox. Eine Alpine-Idee vom letzten Jahr. Den höheren Schwerpunkt nimmt Mercedes in Kauf. Aerodynamik ist wichtiger. Die heiße Luft der Seitenkastenkühler entweicht durch Kiemen direkt dahinter an der Oberseite der Verkleidung. Für die Airbox-Kühler gibt es eine zweite Reihe Kiemen weiter hinten in der Motorabdeckung.

Der runderneuerte W13 sieht zwar aus wie ein völlig neues Auto, ist es aber nicht. Eher eine Evolution. "Wir haben nur eine neue Verkleidung gebaut. Die Innereien darunter sind gleich geblieben. In Barcelona hatten wir einfach mehr Luft zwischen der Verkleidung und den Komponenten darunter", erklärt Teamchef Toto Wolff. Chefingenieur Andrew Shovlin bestätigt: "Mechanisch ist das Auto wie in Barcelona. Nur die Außenhaut hat sich geändert."

Deshalb halten sich auch die Kosten in Grenzen. Mercedes muss nicht mit Rücksicht auf den Budgetdeckel auf weitere Upgrades später in der Saison verzichten. "Die Produktionskosten beschränken sich auf Verkleidungsteile. Das Bodywork wird während der Saison öfter aus Gründen der Abnutzung ausgetauscht", wehrt Wolff ab.

Mit seinen auf Minimalmaß geschrumpften Seitenkästen ist die neue Spezifikation des W13 das glatte Gegenteil des Ferrari, der auf breite Seitenkästen baut. Mercedes sucht Abtrieb durch viel freien Platz auf dem Boden.

Ferrari versteckt die vielen Beulen und Wellen im Boden unter der Verkleidung. "Das sind zwei Welten. Gegen unser Auto sieht der Ferrari riesig aus. Aber er ist auf jeden Fall schnell. Das konnte man schon bei den Testfahrten in Barcelona sehen", erzählt uns ein Ingenieur.

In der Galerie zeigen wir Ihnen den Mercedes-Trick im Detail.

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