So knapp war es noch nie in diesem Jahr und doch war das Ergebnis am Ende dasselbe. Mercedes gewann in Miami (3.5.) auch den vierten Grand Prix der aktuellen Formel-1-Saison. Andrea Kimi Antonelli feierte den dritten Erfolg in Serie und baute die WM-Führung aus. Doch so viel Gegenwehr hatten nur die wenigsten im Vorfeld erwartet.
McLaren war in Florida mindestens auf Augenhöhe mit den Silberpfeilen unterwegs. Den Sprint-Erfolg schnappte sich Weltmeister Lando Norris, im Rennen war seine Pace mit der von Sieger Antonelli vergleichbar. Norris führte den WM-Lauf bis zum ersten Stopp an, ehe die Mercedes-Strategen Antonelli per Undercut vorbeilotsen konnten.
Im Ziel betrug der Abstand 3,2 Sekunden. Während Antonelli jubeln durfte, musste sich Teamkollege George Russell sogar hinter dem zweiten McLaren von Oscar Piastri einsortieren. Satte 43 Sekunden fehlten dem als WM-Favoriten in die Saison gestarteten Engländer. Russell hatte bereits beim GP von Japan (29.3.) Probleme. In Suzuka reichte es ebenfalls nur zum vierten Rang. Auf der schnellen Achterbahn zeigte Mercedes, zumindest in Person von Antonelli, dass die Pace stimmt.
Neue Teile für den W17
Das Rennen in Miami deshalb als neuen Maßstab für das Kräfteverhältnis zu nehmen, greift zu kurz. McLaren hatte ein umfassendes Paket für den MCL40 im Gepäck. Das Weltmeister-Team hatte dem neuen Entwurf für die ersten Monate noch eine Diät verordnet, da der Wagen das neue Mindestgewicht von 770 Kilogramm überschritt. Vom technischen Konzept waren die Verantwortlichen immer überzeugt.
Der Trend bestätigt diesen Eindruck. Das lag allerdings auch am Layout der Strecke. Langsame Ecken schmecken dem McLaren besonders. Die Kombination machte das Traditionsteam in Miami mindestens zur zweiten Kraft. Für den kommenden Grand Prix in Kanada (24.5.) legt Woking nochmal nach. Erst 60 Prozent des geplanten Pakets hatte man in Miami ans Auto geschraubt. Der Rest kommt in Montreal – darunter auch ein neuer Frontflügel. Das Layout des Circuit Gilles Villeneuve mit den langsamen Kurven kommt dem Weltmeister-Team erneut entgegen.
Mercedes will den Abstand trotzdem wieder vergrößern. Helfen soll dabei ein umfassendes Upgrade-Paket. Schon in den USA wurde bekannt, dass die Silberpfeile für Montreal technisch nachlegen wollen. Laut den italienischen Kollegen von "Motorsport.com" wird für die Stop-and-Go-Strecke vor allem an der Aerodynamik Hand angelegt.
Dazu zählt unter anderem ein neuer Frontflügel. Details sollen sich zudem an der Vorderradaufhängung verändern, die den Luftstrom nach hinten optimiert. Auch der Unterboden soll von diesem Aero-Paket betroffen sein. Wie der McLaren nähert sich der W17 in Montreal ebenfalls dem Mindestgewicht. Hier haben die Mercedes-Techniker noch Potenzial zur Verbesserung entdeckt.

Dank der Upgrades will Mercedes in Montreal wieder den Abstand zu McLaren vergrößern.
Software als Erfolgsgarant?
Die sichtbaren Teile sind aber nicht das Spannendste für Kanada. Das interessanteste Upgrade befindet sich im Inneren des Mercedes. Die Ingenieure haben etwas für die Elektronik parat. Die Starts zählten zu einer der größten Schwachstellen der Silberpfeile. Mit einer angepassten Software soll das Turbo-Loch auf den ersten Metern zuverlässiger gestopft werden, damit die Launch-Sequenz nicht wie bisher zur Zitterpartie wird.
Die Software hat im ersten Jahr des neuen Technik-Reglements eine immense Bedeutung. Das komplizierte Energiemanagement hatte Mercedes zu Saisonbeginn am besten unter Kontrolle. Motoren-Kunde McLaren beschwerte sich öffentlich, dass dem Team zunächst Daten des Herstellers gefehlt hatten. Den Software-Rückstand konnte der Rennstall aus Woking jedoch bis zum Miami-GP egalisieren. In Kanada will das Imperium die alte Hackordnung wiederherstellen.












