Seit 2020 hat die Königsklasse einen großen Bogen um das Heimatland des Automobils gemacht. Damals sprang der Nürburgring kurzfristig ein, damit die Königsklasse in der Corona-Pandemie wenigstens ein Rumpfprogramm auf die Beine stellen konnte. Nach dem Eifel-Grand-Prix kühlte die Beziehung zwischen Deutschland und der Formel 1 aber für viele Jahre wieder ab.
Erst am Dienstag (14.4.) gab die schnellste Rennserie der Welt mal wieder ein Lebenszeichen ab. Pirelli hatte einen privaten Test auf dem Nürburgring organisiert. Durch den Iran-Krieg waren die Rennwochenenden in Bahrain und Jeddah ausgefallen. Damit musste der Reifenlieferant auch auf wichtige Testdaten verzichten. Also wurde kurzfristig umdisponiert.
Gefahren wurde auf der traditionellen Grand-Prix-Kurs-Variante des Nürburgrings. Auch wenn die Formel 1 nur noch selten zu Gast in der Eifel ist, haben sich die Verantwortlichen weiterhin die höchste Sicherheitseinstufung der FIA bewahrt. Theoretisch könnten hier also ohne große Umbauten auch wieder Rennwochenenden der Königsklasse stattfinden.

Wie immer kamen beim Reifentest unmarkierte Pirellis zum Einsatz.
Zuschauer auf den Tribünen
Im Vergleich zu einem normalen Grand-Prix-Event bot der Pirelli-Test jedoch nur ein Schmalspur-Programm. Wie üblich hatten die Reifenexperten aus Mailand nur zwei Teams mit jeweils einem Auto eingeladen. Mit McLaren und Mercedes kamen immerhin die beiden besten Rennställe des Vorjahres in die Eifel. Beide rückten immerhin mit ihren Stammfahrern an, um die Proberunden zu drehen.
Ein paar Zuschauer hatten sich auch in der Eifel verirrt. Sie hatten Glück. Normalerweise finden Reifentests hinter verschlossenen Türen statt. Ohne, dass es vorher groß angekündigt wurde, durften die Fans am Dienstag für drei Euro auch von den Tribünen aus zuschauen. Für so schmales Geld bekommt man eher selten aktuelle Formel-1-Rennwagen zu sehen.
In der Früh mussten die Zaungäste aber erst einmal Geduld beweisen. In der Nacht hatten Regenfälle für eine feuchte Piste gesorgt. Nach dem Startschuss zeigte sich dann aber schnell die Sonne, wodurch der Asphalt nach und nach abtrocknete. Regenreifen hatte Pirelli übrigens schon in der vergangenen Woche mit Ferrari auf der künstlich bewässerten Strecke in Fiorano getestet.

Der McLaren wurde kurz vor der Mittagspause von einem Technik-Defekt niedergestreckt.
Russell und Piastri testen neue Slicks
Am Nürburgring stand die Erprobung neuer Slick-Varianten für 2027 im Fokus der Ingenieure. Dort, wo die Sonne den Asphalt erwärmte, zeigten die Sensoren immerhin Maximaltemperaturen von 37 Grad an. Die Lufttemperatur ging nicht über die 15-Grad-Marke hinaus. Das hätte in der Eifel Mitte April aber auch noch deutlich schlimmer kommen können.
Oscar Piastri und George Russell begannen ihr Programm mit einer Reihe von 8-Runden-Stints, wobei verschiedene Karkassen-Konstruktionen in Kombination mit einer C3-Mischung zum Einsatz kamen. Die Prototypen-Versionen, die von den Piloten das beste Feedback bekamen, wurden dann am Nachmittag auch auf längeren Runs ausprobiert.
Dummerweise wurde McLaren vorzeitig von einem technischen Problem ausgebremst. Es führte dazu, dass Piastri nach der Mittagspause gar nicht mehr auf der Piste auftauchte. Insgesamt drehte der Papaya-Renner nur 65 Runden. Die schnellste davon wurde mit 1:35,096 gestoppt.

George Russell beim Briefing mit den Pirelli-Ingenieuren. Getestet wurden neue Unter-Konstruktionen für 2027.
Rundenzeiten nicht vergleichbar
Russells Silberpfeil lief den ganzen Tag über zuverlässig. Für den Briten kamen 127 Runden zusammen, was mehr als zwei Grand-Prix-Renndistanzen (60 Runden) entsprach. Für den aktuellen WM-Zweiten wurde am Ende eine Bestzeit von 1.33,899 Minuten notiert. Zum Vergleich: Die Pole-Position-Runde von Valtteri Bottas beim Eifel-Grand-Prix 2020 lag bei 1.25,269 Minuten.
Am Mittwoch (15.4.) geht der Nürburgring-Test in die zweite Runde. Auf den Einsatzplänen stehen dann Weltmeister Lando Norris und WM-Spitzenreiter Kimi Antonelli. Für die Piloten bieten die Probefahrten eine gute Gelegenheit, die immer noch sehr neuen Rennwagen der 2026er-Generation kennenzulernen. Und auch die Ingenieure nutzen die Kilometer, um Kinderkrankheiten auszumerzen.












