Formel 1: Wird Toto Wolff dieses Motoren-Geständnis noch bereuen?

Toto Wolff rutscht Geständnis heraus
„Wir haben den stärksten Motor“

GP Belgien 2026
ArtikeldatumVeröffentlicht am 19.07.2026
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Toto Wolff - Mercedes - Formel 1 2026
Foto: Mercedes

Bei Mercedes wusste man in Spa mal wieder nicht, ob man sich ärgern oder freuen sollte. Kimi Antonelli gewann den Belgien-Grand-Prix in souveräner Weise. Mit seinem sechsten Saisonsieg im zehnten Rennen baute der Italiener seine Führung in der WM-Wertung auf 45 Punkte aus. Auf dem Weg zum Titel scheint der Teenager aktuell nichts aufzuhalten.

Die Stimmung im Silber-Lager wurde jedoch durch den Ausfall von George Russell getrübt. Der Brite wurde schon in der ersten Runde von Lewis Hamilton ins Kies bugsiert. Den Piloten regte hinterher aber weniger der Crash selbst auf, sondern die Entstehungsgeschichte.

"Als ich aus der ersten Kurve herausbeschleunigen wollte, hatte ich plötzlich keine Elektro-Power. Und auf der Geraden den Berg hinauf, war meine Batterie komplett leer. Ich war langsamer als ein Formel-2-Auto. Ich war komplett verwundbar und wurde von drei Autos überholt", schimpfte Russell.

Teamchef Toto Wolff hatte Verständnis für den Frust seines Piloten und entschuldigte sich: "Wir hatten direkt am Start ein Software-Problem mit allen Mercedes-Motoren. Da konnten wir die Energie nicht richtig abrufen. Das war total neu für uns. Einige hat es schlimmer getroffen, andere weniger. Das müssen wir in den Griff bekommen. George wurde dadurch eingebremst. Das geht zu 100 Prozent auf uns."

George Russell - Mercedes - GP Belgien 2026
xpb

Russell-Probleme schon vor dem Rennen

Dass Unfall-Gegner Hamilton eine Fünf-Sekunden-Strafe kassierte, könnte die Stimmung bei Russell auch nicht aufhellen. Im Gegenteil: Obwohl er der Leidtragende war, empfand der Mercedes-Pilot das Urteil als relativ hart: "Es war wohl eher ein normaler Rennunfall. Vielleicht hätte ich eine etwas weitere Linie fahren können, er vielleicht etwas stärker bremsen können. Ich hätte mich aber gar nicht erst in dieser Position befinden dürfen."

Russell hatte schon das ganze Wochenende über Probleme mit der Energie-Abgabe geschimpft. Die Ingenieure suchten verzweifelt nach den Gremlins in der Power-Unit, die den Engländer auf den Geraden ein paar Zehntel kostete. Nach dem Qualifying äußerte Wolff noch die Vermutung, dass es mit der Laufleistung des Motors zusammenhängen könnte. Vor dem Rennen deutete der Teamchef dann an, dass man den Grund gefunden und gefixt habe.

Dann trat im Rennen aber das erwähnte neue Problem mit der Energie-Abgabe in der Startrunde auf. Am Sky-Mikrofon rutschte Wolff ein Satz dazu heraus, den er vielleicht noch bereuen wird: "Wir geben als Team unser Bestes. Wir haben die stärkste Power Unit und ein Top-Auto, mit dem man gewinnen kann. Jeder gibt alles, um die Fehler zu minimieren. Aber sie passieren einfach, weil hier Menschen arbeiten."

George Russell - Mercedes - GP Belgien 2026
Mercedes

Wolff-Spruch setzt FIA unter Druck

Dass Mercedes nach eigener Einschätzung den stärksten Motor im Feld hat, wird man bei Red Bull mit Interesse hören. Das Team aus Milton Keynes versucht die FIA schon seit Wochen davon zu überzeugen, dass der Mercedes-Motor mehr Power liefert als der eigene. "Ich finde, Toto hat recht", grinste Teamchef Laurent Mekies, als er auf die Aussage angesprochen wurde. "Und deswegen hatten sie auch einen ordentlichen Vorteil auf den Geraden, was wir schon über mehrere Wochenenden hinweg gesehen haben."

Der Weltverband hatte bei seiner ersten Analyse Red Bull als stärksten Motor identifiziert, was dazu führte, dass das Verstappen-Team im Gegensatz zu Mercedes keinen ADUO-Joker für Antriebs-Upgrades erhielt. Es ist nicht zu erwarten, dass die Wolff-Aussagen jetzt etwas an dieser Einschätzung ändern. Allerdings dürfte die FIA damit noch mehr unter Druck geraten. Vielleicht kommt ja beim nächsten Mess-Zyklus ein anderes Ergebnis heraus.

Bei der Leistung ist Mercedes vorne dabei, dafür hapert es noch bei der Zuverlässigkeit: "Wir haben Kimi in Silverstone im Stich gelassen, als George auf dem Podium stand. Wir hatten in Montreal einen Ausfall und noch einen in Barcelona. Das ist die Geschichte unserer Saison. Es ist ein technischer Sport. Wir haben ein starkes Produkt entwickelt, bei dem wir jetzt an der Standfestigkeit arbeiten müssen. Wir haben dadurch schon viele Punkte verloren. Eigentlich sollten wir einen viel größeren Vorsprung haben", ärgerte sich Wolff.

Neben den Verbesserungen an der Hardware muss der Österreicher auch das verlorene Vertrauen von George Russell wieder kitten. Auf den großen Rückstand in der WM-Wertung angesprochen, schüttelte der Pilot nur mit dem Kopf: "Ich weiß, nicht was ich dazu sagen soll. Dafür habe ich keine Worte." Die Frage, was ihm gerade durch den Kopf gehe, beantwortete der Pilot resigniert: "Dass ich mich offenbar an solche Enttäuschungen gewöhnen muss."

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