Mercedes Sprinter Generationen 1955 bis 2019 Mercedes
Mercedes Sprinter Generationen 1955 bis 2019
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25 Jahre Mercedes-Benz Sprinter

Ein Kasten wird Kult

Der Mercedes Sprinter ist aus dem Straßenbild nicht mehr wegzudenken. Wir haben unter den Ahnen des Kult-Kastens nach seinem Erfolgsgeheimnis gesucht – und haben es gefunden.

Mitte der 1990er-Jahre sind die meisten von uns fragwürdig gekleidet, Modern Talking steht kurz vor dem Comeback und der erste Castor-Behälter erreicht Gorleben. Sie merken schon: Wilde und bewegte Zeiten, in denen etwas Stabilität und Verlässlichkeit mehr als willkommen ist. Dessen nimmt sich die Daimler AG an und bringt 1995 den ersten Sprinter an den Start. Ein Auto, das sich bei Lieferdiensten, Feuerwehr, Reiseunternehmen, Handwerksbetrieben, Campern und vielen anderen gleichermaßen beliebt macht. Doch warum eigentlich? Wo liegt das Erfolgsgeheimnis des Sprinters? Um dieser Frage auf den Grund zu gehen, werfen wir einen Blick auf die Ahnengalerie des Stuttgarters. Unten im Artikel finden Sie übrigens einen moderierten Rundgang durch die heiligen Sprinter-Hallen als Video.

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Die Erfolgsgeschichte des Sprinter beginnt im Jahr 1955 mit der Baureihe L 319 - dem ersten Transporter von Mercedes auf eigens dafür konzipierter Plattform.

Schnell-Laster auf Starrachsen

Im Jahr 1955 stellt Mercedes den L 319 auf der IAA als "Schnell-Laster" vor. Ein Nutzfahrzeug unterhalb der 7,5-Tonnen-Klasse, aber kein aufgeblasener Pkw, sondern eine eigens konzipierte Transporter-Plattform kommt hier zum Einsatz. Die Konstruktion ist denkbar simpel und nicht zuletzt deshalb besonders variabel. Der L 319 fährt als Frontlenker vor – der Motor sitzt also unterhalb des erhöhten Fahrerhauses und benötigt daher keinen Vorbau. Die selbsttragende Karosserie sitzt vorne wie hinten auf Starrachsen und Blattfedern, als erstes Mercedes-Modell erhält der Kleinlaster zudem Bremskraftverstärker und Sicherheitslenksäule. Weil industrielle Crashtests damals gerade in Mode kommen, wird der L 319 gleich mit gecrasht, und siehe da: Die Idee der Ingenieure, den Fahrer hinter der Vorderachse zu platzieren, erweist sich ebenfalls als Sicherheits-Plus.

Obwohl sich der L 319 nicht als Pkw verstanden wissen will, nutzt er doch die Motorisierungen der damaligen Pkw-Generation 180 D. Mit dem ersten Serien-Diesel ausgerüstet, bringt es der Sprinter-Ahn auf 43 PS. Bei einem zulässigen Gesamtgewicht von 4,2 Tonnen. Rasant sieht anders aus, trotzdem ist der Motor etwas Besonderes. Der Viertakt-Vorkammer-Diesel steckt nämlich nicht nur in Mercedes-Modellen, sondern auch in Feuerwehrpumpen, Booten, Gabelstaplern, Stromaggregaten, Traktoren und spanischen 80er-Jahre-Taxis auf Basis des Fiat 124.

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1967 läuft die Baureihe L 319 aus und wird durch den L 309 ersetzt. Dieses Modell trägt entsprechend seiner Produktionsstätte den Beinamen "Düsseldorfer".

Der "Düsseldorfer"

Im Jahr 1967 wird der L 319 vom L 309 abgelöst, dem sogenannten "Düsseldorfer" oder "T2". Den Beinamen trägt er, klar, weil er in der Rheinmetropole gefertigt wird. Sicherheit spielt freilich auch in der neuen Generation eine Rolle, doch dazu gesellen sich diverse Komfort- Aspekte. Schließlich hat man erkannt, dass so ein Transporter durchaus auch mal längere Strecken zurücklegt und der Fahrer anschließend nicht wie gerädert aussteigen sollte.

Dafür spendiert man dem Transporter eine große Portion Cockpit-Ergonomie mit gut ablesbaren Instrumenten im direkten Sichtfeld, leicht erreichbaren Bedienelementen und großen Glasflächen für eine bestmögliche Übersichtlichkeit. Die jetzt verbaute Servolenkung dürfte ebenfalls geholfen haben. Mehr Ladevolumen gibt es obendrauf; im Kastenwagen für den Warentransport, in der Omnibus-Variante für die Passagiere. Als "Kombi" wird der Mercedes-Transporter allerdings noch nicht angeboten, doch das soll sich bald ändern.

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Der T1, oder auch "Bremer", wurde ab 1977 angeboten und ist vielen deshalb noch besonders präsent, weil jede Menge davon als Post-Auto unterwegs waren.

Der bis heute noch vielen präsente "T1" oder "Bremer" – Sie können sich denken, woher der Name kommt – markiert 1977 den nächsten Schritt in der Mercedes Transporter-Historie. Ab jetzt wird das Nutzfahrzeug erstmals auch als Kombi angeboten. Vorne trägt er Scheibenbremsen, später gibt es ihn auch mit ABS, Klimaanlage und beheizten Außenspiegeln. Besonders deshalb, weil das Auto mit der kultig kurzen Schnauze auch bei der Post im Einsatz ist, sieht man ihn quasi ständig auf der Straße. Mit offizieller Lizenz wird der T1 in einer erneuerten Form sogar heute noch gebaut, und zwar von Force India als "Shaktiman" für den indischen Markt. Aber eigentlich geht es in dieser Geschichte doch um den Sprinter, der in diesem Jahr sein 25-jähriges Bestehen feiert, oder? Genau. Der kommt jetzt.

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Es kann nur einen geben: Den Sprinter

Ab jetzt ein Sprinter

1995 ist es soweit. Bei Mercedes entsteht offiziell eine Transporter-Sparte, nachdem die Vorgänger der Lkw-Abteilung unterstellt waren. Der intern "T1N" – N wie Neu – genannte Sprinter erhält rundherum Scheibenbremsen, ABS ab Werk und einen Airbag, bei Bedarf sogar für den Beifahrer. Die Geräuschdämmung im Innenraum bewegt sich im Sprinter fast auf Pkw-Niveau und spätestens nachdem sich die erste Generation mit allen Modellpflegen rund 1,3 Millionen Mal verkauft hatte, war klar: Hier hat man einen Nerv beim Nutzer getroffen. Bei gleichzeitiger Effizienzsteigerung auf Produktionsseite geht es nun Schlag auf Schlag. Das Design wird innen wie außen aufgefrischt, der Commonrail-Diesel sorgt für potenteren Vortrieb bei reduziertem Verbrauch und mit dem zweiten Facelift gibt es schließlich auch ESP.

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Ab 1995 trägt der Transporter nun den Namen Sprinter und definiert damit eine ganze Fahrzeugklasse.

Moderne Assistenzsysteme halten schließlich in der zweiten Sprinter-Generation "NCV 3" ab 2006 Einzug. Anhängererkennung, Fernlicht- und Seitenwind-Assistenten sind ebenso wie ein Parktronic-System im Angebot. Das ESP agiert lastabhängig, erkennt Umfang und Position der Ladung im Heck und wählt entsprechend das passende Kennfeld. Weitere Aufbauhöhen und Radstände kommen dazu. Wie seine Ahnen zuvor bleibt der Sprinter ein regelrechter Formwandler und kann sowohl VIP-Shuttle als auch Kipplaster sein. Außerdem, und das ist bei Mercedes ja ein empfindliches Kapitel, ist es mit dieser Sprinter-Generation erstmals möglich, einen kompletten Elchtest zu fahren – mit Anhänger. Da gab es kleinere Autos der Stuttgarter, die hier weniger erfolgreich waren.

Seit 2018 rollt der Sprinter in dritter Generation namens VS30 vom Band des Leitwerks in Düsseldorf. Er wird aber auch in den USA, Argentinien, China und Russland gebaut. Der Ladeboden der geschlossenen Versionen ist 80 Millimeter niedriger. Erstmals gibt es den Sprinter, zumindest in seinen kleineren Versionen, auch mit Frontantrieb. Neben Assistenten kommt dem Zeitgeist entsprechend auch die Vernetzung hinzu und das aus Pkw-Modellen bekannte Infotainment-System MBUX wird auch im Sprinter angeboten. Was den Antrieb betrifft, gibt es den nächsten Sprung. Seit 2019 surrt der Sprinter auch rein elektrisch durch die Gegend. Mit einer Ladung bis zu 150 Kilometer weit. Damit ist das kultige Nutzfahrzeug von Mercedes auch heute das, was es seit 1955 schon immer war: Mindestens direkt am Puls der Zeit, manchmal auch einen Schlag voraus.

Rundgang durch die Heiligen Hallen
18:43 Min.

Fazit

Was ist denn aber nun das Erfolgsgeheimnis? Ein einzelnes gibt es nicht, vielmehr eine Kombination aus mehreren Aspekten. Auf Komfortebene die stetige Annäherung an Pkw-Niveau, das Bestreben, in Sicherheitsaspekten neue Maßstäbe zu setzen, sowie zielgruppenrelevante Anpassungen wie lastabhängiges ESP machen den Sprinter zu einem Nutzfahrzeug im besten Wortsinn.

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