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Mercedes-AMG GT Black Series (2020)

Rennversion mit Straßenzulassung ab 335.240 Euro

Mercedes-AMG bringt im Herbst den Über-GT. Dessen exklusive Zutaten: Ein neu konstruierter Biturbo-V8, 730 PS, Technik aus dem GT3-Renner und Gänsehaut-Sound. Ab sofort kann der Sportler ab 335.240 Euro geordert werden.

Auch als kompletter automobiler Kostverächter der Sorte "Hauptsache, es fährt" dürfte es schwer fallen, nicht eine gewisse Faszination für den AMG GT zu empfinden. Der Gran Turismo aus Affalterbach sorgt seit 2014 für verdrehte Hälse beim Publikum und für viel Gummiverlust auf den Straßen dieser Welt. Jetzt setzt AMG dem Ganzen die Krone auf und bringt den GT ab Herbst als "Black Series"-Modell – mit brutaler Leistung und Adaptionen vom GT3-Rennwagen.

Der AMG GT wird damit der sechste Kandidat, dem die "Black Series"-Weihen zuteil werden. Begonnen hatte die Reise 2006 mit dem SLK Black Series (5,5-Liter-V8, 400 PS); den bisherigen Gipfel der limitierten schwarzen Serie markierte im Jahr 2013 der SLS Black Series mit 631 PS aus dem 6,2-Liter-Sauger-V8. Der neue AMG GT Black Series setzt da noch ein 100-PS-Päckchen drauf.

Neu konstruierter Power-V8

Die wichtigste Neuerung des Mercedes-AMG GT Black Series ist ein verstecktes Bauteil: die Kurbelwelle. Im GT Black Series wird erstmals bei einem AMG-V8 eine Flat-Plane-Kurbelwelle verbaut.

Hier muss etwas weiter ausgeholt werden: Bei V8-Motoren gibt es für die Kurbelwelle zwei unterschiedliche Konstruktionsweisen, Cross-Plane und Flat-Plane. Der Unterschied zwischen "Kreuz" und "Flach" ist die Anordnung der Hubzapfen, auf denen die Pleuel sitzen. Bei der Cross-Plane-Welle sind die Hubzapfen mit einem Versatz von 90 Grad ausgeführt, bei der Flat-Plane-Bauweise liegen sich die Hubzapfen im 180-Grad-Verhältnis gegenüber. Das hat verschiedene Auswirkungen auf den Motorlauf, die sich verkürzt dargestellt vor allem auf die Laufkultur und die Drehfreude auswirken. Cross-Plane-V8 benötigen wegen der auftretenden Massekräfte große Ausgleichsgewichte auf den Kurbelwangen. Dadurch sind diese Motoren zwar vibrationsärmer, jedoch nicht so drehfreudig wie ein Flat-Plane-V8. Durch dessen 180-Grad-Kröpfung der Kurbelwelle gleichen sich die Massenkräfte aus, wodurch auf große Gegengewichte verzichtet werden kann.

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Gleicher Hubraum, andere Technik: der neue M178 BS-V8.

Nachteile dieser Konstruktion: Die Vibration ist höher und durch die Bauweise sind dem Hubraum Grenzen gesetzt – Big-Block-Maschinen wie die großen amerikanischen V8 lassen sich nicht sinnvoll realisieren. Dafür sind die Flat-Plane-V8 erheblich drehfreudiger und grundsätzlich mit höherer Nenndrehzahl zu betreiben, was speziell im Sporteinsatz ein wichtiges Kriterium ist. Ein gerne mitgenommener konstruktiver Nebeneffekt: Flat-Plane-Kurbelwellen sind nicht so raumgreifend und erlauben damit auch eine kompaktere Motorenbauweise.

Die Komfort-Nachteile durch die höheren Vibrationen nehmen die Konstrukteure solcher Flat-Plane-V8 ganz bewusst in Kauf, denn eingesetzt werden solche Motoren wie jetzt auch beim AMG GT Black Series nahezu ausschließlich in Extremsportlern und Wettbewerbsfahrzeugen, bei denen der gemütliche Langstreckenkomfort im Lastenheft ganz weit hinten steht.

Schärfere Lader im AMG GT Black Series

Ein konstruktives Minus der Flat-Plane-V8 ist deren zumindest prinzipiell geringeres Drehmoment bei niedrigen Drehzahlen als bei Cross-Plane-Motoren mit vergleichbarem Hubraum; auch hierfür sind die Ausgleichsgewichte auf der Kurbelwelle verantwortlich. Ein Punkt jedoch, den AMG beim GT Black Series auf ganz klassische Weise umschifft: per Aufladung. Die beiden Twinscroll-Lader bekommen im Vergleich zum AMG GT R größere Verdichterräder, was die maximale Förderleistung von 900 auf 1.100 kg Luft/Stunde erhöht. Das bärige Drehmoment von 800 Newtonmetern hält der Vierliter-Biturbo von 2.000 bis 6.000 U/min bereit. Die Höchstleistung liegt zwischen 6.700 und 6.900 Umdrehungen an, bei 7.200 Umdrehungen legt der Drehzahlbegrenzer sein Veto ein. Und weil bedingt durch die Flat-Plane-Kurbelwelle die Zündreihenfolge anders als bei Standard-V8 liegt (1-8-2-7-4-5-3-6), entwickelt der V8 statt des üblichen "Bollerns" besonders bei hohen Drehzahlen einen ganz eigenen Tremolo-Sound mit Habacht-Garantie für die Armbehaarung.

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Verstellbare Kuchentheke: Der obere Flap wird elektronisch angesteuert.

Diese Ingenieursleistung verpackt AMG in ein Gehäuse, das nicht sehr weit vom Rundstrecken-Renner GT3 entfernt ist. Besonders markant sind Riesenkühler und Karbon-Haube mit Luftauslässen (die sorgen neben besserer Durchflutung der Ladeluftkühler auch für eine bessere Aerodynamik) und der verstellbare Front-Diffusor. Die Bremskühlung in den Radhäusern wird über den Zentralkühlergrill geleitet, die zusätzlichen Lufteinlässe des Serien-GT sind daher nicht mehr nötig.

Ganz dick kommt es am Heck mit dem aufgesetzten Rennsport-Spoiler. Die beiden Flügelelemente sind je nach Einsatzzweck mechanisch verstellbar. Zusätzlich wird der Flap im oberen Flügel elektronisch gesteuert und je nach Fahrsituation verstellt, um mehr Abtrieb oder geringeren Luftwiderstand zu erzeugen. In bestimmten Fahrsituationen (scharfes Einlenken, starkes Bremsen) fährt der Flap automatisch aus; er lässt sich aber auch vom Cockpit aus steuern.

Jede Menge Karbon im AMG GT Black Series

Die Karosseriebau-Maßnahmen betreffen weiterhin das in der Mitte abgesenkte Dach aus Kohlefaser (wie im GT R Pro) und eine Verglasung mit leichtem Dünnglas. Der gewickelte Getriebeträger aus Karbonfasern ist beim GT Black Series ebenfalls eine Komponente für den Leichtbau. Zusätzliche Karbon-Schubfelder im Vorbau, im Unterboden und im Heck versteifen – zusammen mit dem Leichtbau-Integralträger und dem Karbon-Tunnel-Kreuz – die gesamte Rohbau-Struktur aus Aluminium und bringen dadurch noch mehr Stabilität in die Karosserie.

Das Gewindefahrwerk mit einstellbarer Federvorspannung entspricht im Wesentlichem dem bisherigen Topmodell GT R. Die aus geschmiedetem Aluminium gefertigten Dreieckslenker, Achsschenkel und Radträger reduzieren die ungefederten Massen. An der Hinterachse sind spielfreie Motorsport-Gelenklager für die Querlenker montiert, wodurch auch im Performance-Einsatz keine Beeinträchtigung von Spur und Sturz erfolgt.

Technische Daten AMG GT Black Series

  Mercedes-AMG GT Black Series
Motor 4,0-Liter-V8 Biturbo
Hubraum 3.982 cm3
Leistung 537 kW (730 PS) bei 6.700-6.900/min
Max. Drehmoment 800 Nm bei 2.000-6.000/min
Antrieb Heckantrieb 
Getriebe AMG SPEEDSHIFT DCT 7G 
Kraftstoffverbrauch kombiniert 12,8 l/100 km
CO2-Emissionen kombiniert 292 g/km
Effizienzklasse G
Beschleunigung 0-100 km/h  3,2 s
Höchstgeschwindigkeit 325 km/h

Das Gewindefahrwerk ist mit der adaptiven Verstelldämpfung AMG Ride Control mit elektronischer Regelung kombiniert. Das System wird elektronisch geregelt und passt die Dämpfung automatisch an jeweils jedem Rad der aktuellen Fahrsituation, der Geschwindigkeit und dem Fahrbahnzustand an. Zusätzlich kann der Fahrer vom Cockpit aus über die entsprechenden Einstellungen die Dämpfer-Charakteristik in den Stufen "Comfort", "Sport" und "Sport Plus" vorwählen.

Einstellen lässt sich auch die Traktionskontrolle, und zwar in neun Stufen. Wird für den Rennstreckeneinsatz das ESP deaktiviert, kann man sich dennoch von der AMG Traction Control die 730 PS im Zaum halten lassen. Mit dem bereits aus dem GT R bekannten Drehregler kann vorgewählt werden, wie viel Radschlupf an der Hinterachse erlaubt ist. Das System arbeitet ausschließlich über die Antriebssteuerung und nicht über Bremseingriffe. So kann beim Beschleunigen konstant mit dem vorgewählten Radschlupf durchgeladen werden. Die Traktionskontrolle reguliert dabei sowohl die Motorleistung als auch die elektronische Differenzialsperre.

Der AMG GT Black Series im Video

Der Hardcore-AMG GT Black Series im Video
3:08 Min.

Obwohl im Grunde ein Gerät für die Rundstrecke, darf dennoch ein Blick auf die Innenraum-Ausstattung des AMG GT Black Series nicht fehlen, wo ein gewisser Alltags-Komfort nach wie vor den Abstand zu reinrassigen Rennwagen hält. Merkmale des limitierten Sondermodells sind orangefarbene Kontrastziernähte in der Nappelader-Ausstattung, Karbon-Zierelemente und Karbon-Schalensitze.

AMG GT Black Series – der Preis

Wer den AMG GT Black Series tatsächlich auf der Rennstrecke einsetzen und nicht nur als Spekulationsobjekt in der Garage verstecken möchte, kann außerdem noch das AMG Track Package bestellen. Es umfasst einen Überrollkäfig, Vierpunktgurte und einen Feuerlöscher. Der Überrollkäfig ist aus Titanrohr gefertigt und wird im Fahrzeug verschraubt. Er bringt neben dem Sicherheits-Aspekt eine nochmals erhöhte Chassis-Steifigkeit.

Wie viele AMG GT Black Series letztendlich als limitierte Auflage gefertigt werden, hat Mercedes noch nicht verraten. Der Preis für den AMG liegt bei 335.240 Euro. für den SLS AMG Black Series wurden 2013 noch rund 250.000 Euro aufgerufen.

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Fazit

Näher an der Rennstrecke als der AMG GT Black Series war bislang noch kein "ziviler" AMG. Das Sondermodell macht schon optisch klar, was abgeht. Die brachiale Leistung, mit der er das bisherige Topmodell GT R um sage und schreibe 145 PS übertrifft, lassen auf eine neue Rekordzeit auf dem Nürburgring hoffen. Was für ein Brett...

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