Mark Piech Zero Guido ten Brink

E-Sportwagen Piëch Mark Zero (2022)

Blitz-Ladung dank Super-Akkus aus China

Auto Salon Genf 2019

Der Piëch Mark Zero trägt einen berühmten Markennamen. Den hat der Zweisitzer von Anton „Toni“ Piëch, einem Sohn von Ex-VW-Chef Ferdinand Piëch. Der Elektro-Sportwagen soll 500 Kilometer weit kommen und mit einer neuen Zelltechnik aus China der Konkurrenz davonfahren.

Sportwagen sollen möglichst leicht sein. Bei Elektrofahrzeugen ist dies durch das hohe Batteriegewicht nicht leicht zu realisieren. Anton Piëch und Rea Stark Rajcic wollten zeigen, dass es doch geht. Ihr Piëch Mark Zero soll weniger als 1.800 Kilogramm wiegen. Gleichzeitig erklärt Piëch, dass der rein elektrisch fahrende GT nach WLTP mit einer Ladung 500 Kilometer weit kommen soll. Nach der Vorstellung im März 2019 erklären die beiden Gründer und Co-CEOs im Mai auf einem Workshop in der Schweiz genauer, wie das gehen soll.

In 4:40 Minuten zu 80 % nachgeladen

Schlüssel dazu ist eine neue Akkutechnik vom chinesisch-deutschen Joint-Venture Desten Group, die Qingdao TGOOD Electric Co. Ltd. steuert die Ladeinfrastruktur bei. Die Batterie beherbergt Zellen eines neuen Typs, der deutlich höhere Stromflüsse beim Laden und Entladen zulässt, weil er dabei kaum Wärme erzeugt. Auf diese Weise soll der nicht näher bezeichnete Zelltyp besonders schnelles Wiederaufladen möglich machen und dennoch keine Wasser- sondern lediglich eine Luftkühlung benötigen, was wiederum Gewicht spart. In nur vier Minuten und 40 Sekunden sollen die Akkus wieder zu 80 Prozent gefüllt sein, wenn Sie an einer TGOOD-Säule geladen werden. An einer herkömmlichen Säule mit 350 kW und 400 Volt, wie sie der Hersteller in drei Jahren erwartet, soll die 80-Prozent-Ladung immerhin in 8 Minuten erledigt sein. Für 100 Prozent verspricht der Batteriehersteller 12 Minuten. Zum Vergleich: Porsche verspricht für den Taycan 80 Prozent in 15 Minuten. Mit 800-Volt-Technik, allerdings auch mit „nur“ 150 kW Leistung. Siemens entwickle, so der Hersteller, derzeit zudem Ladestationen mit 1000 Volt, max 500 Ampere und entsprechend 450 kW Leistung, wodurch sich die Ladezeiten weiter verkürzen ließen.

Die Entstehung des Piech Mark Zero Concept Cars
1:35 Min.

Die überdurchschnittlich guten Zahlen sorgten wenig überraschend bereits für viel Verwunderung und kritische Nachfragen, doch Andrew Whitworth, COO der Desten Group, bekräftigt: „Das Ganze funktioniert, sowohl der TÜV Süd als auch der renommierte Systemlieferant Hofer Powertrain, der für namhafte Automobilhersteller arbeitet, sowie die Universität Esslingen haben unsere Zellen geprüft und testiert.“ Weitere Einzelheiten zum Innenleben und zur Funktionsweise der Zellen gibt es aus patentrechtlichen Gründen aber vorerst nicht. Aber das Batterie- und Ladesystem soll künftig auch anderen Herstellern offen stehen.

Eine weitere Besonderheit des E-Sportlers mit Wurzeln in der Schweiz und Deutschland ist seine flexible, offene Fahrzeug-Architektur. Sie ermögliche nicht nur einen reinen Elektroantrieb, sondern soll auch mit Hybridantrieben und Brennstoffzellen klar kommen.

So stellt sich Piech die modulare Technik vor
2:43 Min.

Als Elektro-Sportwagen trägt der Mark Zero seine Batterie nicht wie derzeit bei den meisten Elektroautos üblich sandwich-artig im gesamten Fahrzeugboden. Vielmehr soll ihre Position im Mitteltunnel sowie auf der Hinterachse eine Achslastverteilung bringen, die einem sportlichen Fahrverhalten sehr förderlich ist. An der Vorderachse produziert ein Asynchronmotor 150 kW, an der Hinterachse sorgen zwei Synchronmotoren für je 150 kW. Als Radstand der Sportwagen-Plattform nennt das Start-up 2.620 Millimeter. In der Länge misst der Piëch Mark Zero 4.432 Millimeter, in der Breite 1.991 Millimeter und in der Höhe 1.250 Millimeter. Den Spurt von Null auf 100 km/h soll der Mark Zero in 3,3 Sekunden schaffen und eine Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h erreichen.

Drei Fahrzeugvarianten sind geplant

Trotz der familiären Verbindung zum VW-Patriarchen Ferdinand Piëch hat Anton Piëchs Start-up keine technischen oder finanziellen Verbindungen zum VW-Konzern. Man sei aber für die Zusammenarbeit mit anderen Autoherstellern offen – auch für die mit VW.

Insgesamt sind drei Fahrzeugvarianten auf Basis des Konzepts geplant, das im März 2019 in Genf debütierte: ein Zweisitzer (GT2), ein Viersitzer (GT4) und ein SUV (GTX). Weitere Varianten wie Cabrios oder auch Pick-ups sind denkbar, aber vorerst nicht in der Planung. Piëch-Co-CEO Rea Stark Rajcic betont: „Die Architektur des Fahrzeugs ist natürlich auch für autonomes Fahren ausgelegt, aber das heben wir uns für spätere Modelle auf.“ Die Produktion wird in Zusammenarbeit mit renommierten Partnern in Westeuropa erfolgen, die langjährige Erfahrung in der Auftragsfertigung besitzen.

Der Verkaufsstart des Zweisitzers ist aktuell für das Jahr 2022 eingeplant, da noch ein Großteil der Testarbeit aussteht. Interessierte Kunden können deshalb zwar noch nicht vorbestellen, aber bereits mit einem Preis zwischen 150.000 und 170.000 Euro rechnen. Der Launch soll weltweit erfolgen und mit der Hilfe von Retail-Partnern gestemmt werden.

Piech Mark Zero: Elektro-Sportwagen feiert in Genf seine Premiere

Mark Piech Zero
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Fazit

Ein Elektrosportwagen von einem Branchen-Neuling muss mit anfänglichem Misstrauen leben. Dass Ferdinand Piëch klar gemacht hat, dass er mit dem Projekt nichts zu tun hat, macht es sicher nicht besser. Dass ein chinesischer Batterie- und Ladespezialist mit an Bord ist, schon, auch wenn der für Europäer vielleicht schwer einzuordnen ist und mit Leistungszahlen um sich wirft, die vorsichtig ausgedrückt, sehr ambitioniert wirken.

Aber TGOOD betreibt in China angeblich bereits 210.000 „intelligente“ Ladestationen in 300 Städten und ist mit 42 Prozent Marktanteil nach eigenen Angaben die unangefochtene Nummer 1 in Chinas Wachstumssektor E-Mobilität. Für Piech-Kunden soll es eine maßgeschneiderte Wallbox geben, die sich auch noch als modularer Speicher nutzen lassen soll.

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