Auf dem vietnamesischen Fahrzeugmarkt klaffte lange eine Lücke zwischen dem allgegenwärtigen Motorrad und dem vergleichsweise teuren Pkw. Genau in diesen Zwischenraum stößt nun Konkurrenz aus China: Allen voran der Wuling Hongguang Mini EV, der seit 2023 auch in Vietnam montiert wird, hat dort einen völlig neuen Markt für elektrische Kleinstwagen geschaffen. Die vietnamesische Marke VinFast reagiert mit einer eigenen Produktoffensive: Nach dem Mini-SUV VF 3 folgt jetzt der noch kleinere und günstigere VF 2.
Für den Kampfpreis von 188 Millionen VND, umgerechnet rund 6.800 Euro, erhält der Kunde ein rein für den Stadtverkehr konzipiertes Micro-Car. Der Viersitzer wird von einem Heckmotor mit 30 kW (41 PS) und maximal 65 Nm Drehmoment angetrieben, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 80 km/h. Ein Akku mit 18,3 kWh nutzbarer Kapazität soll eine Reichweite von bis zu 210 Kilometern nach der wenig praxisnahen NEFZ-Norm ermöglichen.
An einem DC-Schnelllader lässt er sich mit bis zu 24 kW in rund 34 Minuten von 10 auf 70 Prozent laden. Die Ausstattung ist zweckmäßig: Hinter dem Lenkrad sitzt ein 7-Zoll-Display, das Fahrzeug steht auf 13-Zoll-Leichtmetallrädern, es hat LED-Scheinwerfer und eine Klimaanlage. Für die Unterhaltung sorgen das gute alte Radio und zwei Lautsprecher. Beim Thema Sicherheit spart der Hersteller. Neben ABS und einer Traktionskontrolle ist lediglich ein einziger Airbag für den Fahrer an Bord.
Warum der VF 2 kein Kei-Car ist
Obwohl der VF 2 mit seiner Leistung in die japanische Kei-Car-Klasse passen würde, scheitert er an den strengen Abmessungsvorgaben. Mit einer Länge von 3,09 Metern und einer Höhe von 1,66 Metern bliebe er zwar im Rahmen, doch seine Breite von knapp 1,50 Metern überschreitet die in Japan erlaubten 1,48 Meter knapp. Damit ist die formale Einordnung als Kei-Car nicht korrekt. Ziel war es auch nicht, ein Kei-Car zu bauen, sondern einen Konkurrenten zum chinesischen Wuling Hongguang Mini EV.
Das macht ein Kei-Car aus
Kei-Car (jap. für leichtes Automobil) ist eine japanische Fahrzeugkategorie, die durch strenge Vorgaben definiert ist, deren Einhaltung aber erhebliche Vorteile mit sich bringt.
Länge: max. 3,40 m
Breite: max. 1,48 m
Höhe: max. 2,00 m
Hubraum: max. 660 cm³ (für Verbrenner)
Leistung: max. 47 kW (64 PS)
Die Erfüllung dieser Richtwerte wird staatlich durch geringere Steuern, Maut- und Parkgebühren gefördert. In vielen ländlichen Gemeinden entfällt für Kei-Cars zudem die Pflicht, einen eigenen Parkplatz nachweisen zu müssen. Dies, kombiniert mit den praktischen Vorteilen auf engen Straßen und den niedrigen Unterhaltskosten, macht die Klasse extrem populär: Im Jahr 2020 waren rund 40 Prozent aller in Japan neu zugelassenen Autos Kei-Cars.
Sicherheitskonzept nicht für Europa gemacht
Die Konzeption der Sicherheitssysteme ist konsequent auf den Zielmarkt ausgerichtet. Während VinFast den VF 2 offiziell als sichere Alternative zum Motorrad positioniert, ist das Fahrzeug nicht nach europäischen Maßstäben entwickelt. Insbesondere die passive Sicherheit dürfte bei einem Crashtest nach der strengen Euro-NCAP-Norm kaum eine hohe Wertung erzielen. Eine Markteinführung in Europa erscheint mit dieser Auslegung als ausgeschlossen.
Im Video stellen wir Ihnen den großen Bruder VF 3 vor.












