Voltempo will 15,6-Meter-Lkw ohne Fahrerhaus bauen: Autonom, elektrisch - aber zu lang

Voltempo will 15,6-Meter-Lkw ohne Fahrerhaus bauen
Autonom, elektrisch - aber zu lang

ArtikeldatumVeröffentlicht am 20.08.2026
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Autonomer E-Lkw ohne Fahrerhaus von Voltempo.
Foto: Voltempo

Voltempo entwickelt in Großbritannien einen anscheinen kabellos nachladbaren Elektro-Lkw, der die Kabine fast ganz streicht und die gewonnene Länge in Ladefläche verwandelt. Firmenchef Michael Boxwell nennt das Konzept "smart trailer": ein starres Fahrzeug, das sich wie ein Auflieger anfühlen soll, nur eben ohne klassische Zugmaschine davor. Autocar beziffert die Länge auf 15,6 Meter – also ungefähr Reisebus-Format. Voltempo rechnet damit, dass dies rund 15 Prozent mehr Lade-Volumen und zudem fünf bis sieben Tonnen mehr Nutzlast ermöglicht, weil der Aufbau im Vergleich zu einer Kombination aus Zugmaschine und Anhänger Gewicht spart.

Gesetz erlaubt aktuell 12,00 Meter

In der EU ist die maximal zulässige Länge für starre Lkw in Anhang I, Punkt 1.1 der Richtlinie 96/53/EG geregelt: erlaubt sind maximal 12,00 Meter Länge. Deutschland übernimmt die Vorgabe wortgleich in § 32 Abs. 1 Nr. 1 StVZO: "Kraftfahrzeuge (ausgenommen Personenkraftwagen und Kraftomnibusse)" dürfen nur 12,00 Meter messen. Voltempos 15,6 Meter sind also 3,6 Meter zu viel.

Warum Busse länger sein dürfen – Lkw aber nicht

Reise- und Linienbusse genießen eigene Längenregeln, weil sie für den Personenverkehr gedacht sind und die Gesetzgebung dafür andere Maßstäbe anlegt. Speditionen erreichen mehr Länge über Sattelzug oder Gliederzug: Zugmaschine plus Auflieger oder Lkw plus Anhänger. Voltempo sagt zwar sinngemäß: Wir machen den Trailer selbstfahrend und sparen die Zugmaschine. Allerdings wäre der Betrieb in Europa und Großbritannien nur mit Ausnahmegenehmigungen möglich – diese erteilen die Behörden zum Beispiel Spezialkranfahrzeugen, die zwischen 14 und etwas mehr als 20 Meter lang sein können.

VoltempoDas 2019 vom Erfinder Michael Boxwell gegründete britische Start-up Voltempo mit Sitz in Birmingham hat sich als Pionier für die Elektrifizierung des schweren Güterkraftverkehrs etabliert. Unter der operativen Leitung von CEO Simon Smith entwickelte das rund 50-köpfige Expertenteam zunächst den "HyperCharger", ein Megawatt-Ladesystem (MCS), das schwere E-Lkw mit bis zu 1.000 kW in kurzer Zeit aufladen soll. Als führender Kopf des staatlich geförderten "eFREIGHT 2030"-Konsortiums treibt das Unternehmen zudem den Aufbau des größten reinen Schwerlast-Lkw-Ladenetzwerks in Großbritannien voran.

Prototyp 2027, Auslieferung 2028

Berkeley Coachworks soll die Karosserie bauen, ein nichtgenannter großer Hersteller soll den elektrischen Antrieb liefern. Voltempo peilt September 2027 für die Fertigstellung eines ersten Prototyps an und plant Tests später im Jahr auf einer Teststrecke für autonome Fahrzeuge in Südwales. Boxwell rechnet mit einer Serienproduktion ab Ende 2027 und mit ersten Auslieferungen Mitte 2028. Zum Anfang sollen die Lkw auf festen, lokal genehmigten Routen fahren, die als sogenannte autonome Korridore dienen.

Autonomer E-Lkw ohne Fahrerhaus von Voltempo.
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