BMW 507 (1958) RM Sotheby's
BMW 507 (1958)
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Warum der BMW 507 teurer ist als ein 300 SL Roadster

Knapp zwei Millionen Euro: BMW 507 versteigert

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Der BMW 507 ist der teuerste BMW, sein Wert entspricht zwei Mercedes 300 SL Roadster. Warum ist das so? Dafür gibt es gute Gründe.

Exakt 1.996.250 Euro kostete der BMW 507 aus dem Baujahr 1958, der von RM Sothebys im Rahmen der Retromobile in Paris versteigert wurde. Der offene Sportwagen aus den 50er-Jahren ist der teuerste BMW und einer der seltensten. RM Sotheby’s bietet bei seiner Auktion anlässlich der Retromobile ein Exemplar aus dem Baujahr 1958 an. Als Neuwagen war die Baureihe wirtschaftlich ein Reinfall, aber als klassisches Auto krönt ein 507 heute jede Auktion.

Ein Grund: Die Stückzahl

BMW 507 (1958)
RM Sotheby's
Graf Goertz zeichnete die Linie des BMW 507.

Der von Albrecht Graf Goertz gezeichnete 507 ist nicht nur der teuerste klassische Serien-BMW, sondern überflügelt mit Preisen um 2 Millionen Euro auch den Wert eines Mercedes-Benz 300 SL Roadster (W 198 II). Das liegt nicht zuletzt an der minimalistischen Stückzahl von nur 252 Serienexemplaren, die von November 1956 bis März 1959 gefertigt wurden. Die elegante Aluminiumkarosserie wurde noch in Handarbeit gebaut. Schätzungen zufolge dauerte die Fertigung eines Autos zwischen 10 und 20 Tagen.

Trotz des Zuschnitts auf den US-Geschmack floppte der offene BMW in den Vereinigten Staaten. Lediglich 34 Exemplare konnten dort insgesamt verkauft werden. Zu dieser kleinen Gruppe gehört das in Paris angebotene Auto aus der zweiten Serie mit der Chassisnummer 70134. Es wurde über die New Yorker Firma von Max Hoffman ausgeliefert.

Erstbesitzer soll ein Hollywood-Produzent gewesen sein. Nach einer Reihe von weiteren Besitzern kaufte der BMW-Sammler William Young aus Colorado den weißen 507 und behielt ihn bis 2013. Über einen Händler gelangte der Wagen dann schließlich im März 2014 in die Auktion von Gooding auf Amelia Island. Dort wurde dieser 507 damals für 1.815.000 US-Dollar (damals umgerechnet 1,3 Millionen Euro) verkauft.

Teuerster 507 für 4,5 Mio. versteigert

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Bonhams
Den Auktionsrekord für einen BMW 507 erzielte 2018 das Auto von John Surtees.

Der Auktionsrekord für einen BMW 507 liegt übrigens bei 4.502.795 Euro. Die Bestmarke hält das Auto aus dem Erstbesitz von Motorrad- und Formel-1-Weltmeister John Surtees (1934-2017). Diesen Wagen aus dem Baujahr 1957 mit der Chassisnummer 70067 (Kennzeichen 22 GKN) besaß Surtees bis zu seinem Lebensende. Es war ein Geschenk von Graf Domenico Agusta. Der Chef von MV Agusta bedankte sich damit für den ersten WM-Titel, den Surtees 1956 für die italienische Firma gewonnen hatte. Der Brite feierte alle sieben Weltmeisterschaften mit Maschinen von MV Agusta.

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Den Surtees-507 verkaufte das Auktionshaus Bonhams 2018 im Rahmen des Goodwood Festival of Speed. Wenige Monate später, am 18. Januar 2019, fand der bislang letzte, bei einer Versteigerung angebotene 507 einen neuen Besitzer. Bei RM Sotheby’s in Arizona erhielt ein Bieter bei 2.175.000 US-Dollar den Zuschlag für ein Exemplar aus dem Baujahr 1958. Dieses Auktionshaus offeriert jetzt auch den 507 in Paris. Das Ergebnis wird mit Spannung erwartet: Wird zumindest die unterste Grenze des Estimate von 1,75 Millionen Euro erreicht? 2019 erreichten bei zwei verschiedenen Pariser Auktionen im Rahmen der Retromobile beide Autos nicht das Mindestgebot und wurden nicht verkauft.

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Zweiter Grund: exklusiver Neupreis

BMW 507 (1958)
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Offene Autos machten in den USA damals rund ein Fünftel des Marktes aus.

Die Höhe des Verkaufspreises bestimmte das Schicksal der Baureihe von Beginn an, also seit Mitte der 50er-Jahre. Zwar hatte sich US-Importeur Maxi Hoffman in München für den Bau des offenen Sportwagens stark gemacht. Bei der Händlervorstellung im Waldorf-Astoria-Hotel in New York soll er vom Ergebnis so begeistert gewesen sein, dass er 5.000 Exemplare bestellen wollte. Doch der von ihm gebotene Einkaufspreis von umgerechnet 12.000 Mark war für BMW viel zu niedrig: „Mit dem von Hoffman diktierten Preis hätte man noch nicht einmal die Selbstkosten gedeckt“, schrieb Hans-Peter Rosellen (i.e. Hanns-Peter Baron Thyssen-Bornemissza) in seinem Buch „Das weiß-blaue Wunder“. Der US-Großhändler trat von seinem Angebot zurück und in München musste die erwartete Stückzahl drastisch reduziert werden. Als Verkaufspreis in den USA verlangte BMW schließlich 8988 US-Dollar. Angesichts der günstigeren US-Konkurrenz mit dem Ford Thunderbird (3.500 US-Dollar) oder der Chevrolet Corvette (rund 4000 US-Dollar) hatte der deutsche Sportwagen somit von vornherein keine Chance.

Zwischen dem Hersteller und Hoffman herrschte zeitweilig sogar Funkstille. „Der Wiener BMW-Importeur und BMW-700-Mitschöpfer Wolfgang Denzel behauptete 1959 sogar, BMW hätte Hoffman die Vertretung entzogen“, schreibt Eberhard Kittler in seinem Buch über die BMW-Baureihen 503 und 507. „Bis zu 50 Einzelimporteure bezogen nun BMW-Wagen aus München!“ Doch warum hatte Maxi Hoffman zunächst ein Interesse an dem offenen Sportwagen der Bayern, wo er doch mit dem Mercedes 300 SL Flügeltürer bereits einen großen Verkaufserfolg erzielte?

Der auf europäische Wagen spezialisierte Autohändler kannte die Vorliebe der US-Amerikaner für offene Autos, die damals rund ein Fünftel des Pkw-Marktes ausmachten. Auch von Mercedes hatte er sich einen offenen Sportwagen gewünscht. Doch gebaut wurde ab 1954 bekanntlich zunächst ein geschlossenes Coupé. Vermutlich wandte sich der rührige Importeur deshalb an BMW. Doch die Form des Prototyps für einen offenen Zweisitzer von Ernst Loof (Veritas) auf BMW-Basis gefiel ihm nicht. So knüpfte der Importeur selbst den Kontakt zu Albrecht Graf Goertz, der schließlich die schlanke, dynamische Form schuf.

In Deutschland so teuer wie ein Haus

BMW 507 (1958)
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Der Neupreis des 507 entsprach in Deutschland dem Gegenwert eines Einfamilienhauses.

Nach der ersten Präsentation für US-Händler im Juli 1955 in New York folgte zwei Monate später die öffentliche Vorstellung des 507 auf der IAA in Frankfurt: AUTO MOTOR UND SPORT nannte den 507 „zweifellos das Prunkstück der ganzen Ausstellung“. Und weiter: „Ein Gedicht für sich ist der 507 Touring-Sportwagen, mit dem BMW zweifellos ein großer Wurf gelungen ist.“ Viele Medien feierten den neuen BMW. Trotzdem fand der 507 viel zu wenig Käufer, wie die Stückzahl belegt. Zwar lag sein Preis in Deutschland mit 29.500 Mark unter dem des 300 SL. Doch auch ein 507 war so teuer wie ein Einfamilienhaus.

Dabei war der 507 gemessen am Mercedes 300 SL technisch unspektakulär: Der Aluminium-V8 mit Vergasern leistete laut Werksangabe 150 PS. Mercedes glänzte dagegen mit einem 215 PS starken, innovativen Einspritzmotor mit besserem Drehmoment. Zwar war der BMW 90 Kilogramm leichter, hatte aber das schlechtere Leistungsgewicht. Im Fahrleistungsvergleich der MOTOR REVUE Anfang 1958 verlor der 507 deutlich. Er hatte zum Beispiel im Duell über einen Kilometer mit stehendem Start das Nachsehen und brauchte für den Sprint aus dem Stand auf 100 km/h 3,3 Sekunden länger als der 300 SL Roadster (11,1 : 8,8 Sek.). Mit der im Testwagen eingesetzten Übersetzung verfehlte er die 200-km/h-Schallmauer (196,5 km/h).

Auch Mercdes gefiel der BMW 507

BMW 507 Mercedes 300 SL
Studio Seekamp
Im Vergleich zum Mercedes 300 SL ist der BMW 507 eher komfortabel ausgelegt.

Dazu passend ist das Fahrwerk des 507 im Vergleich zum Sportwagen aus Stuttgart eher auf Komfort ausgelegt. „Der BMW ist ein kultivierter Cruiser“, beschreibt 507-Besitzer Heiko Seekamp den Charakter des Sportwagens in der Ausgabe 2/2020 von MOTOR KLASSIK. Doch zur Wahrheit gehört auch, dass BMW gerade beim Mitbewerber Mercedes bei der Präsentation des offenen V8-Sportlers auf der IAA für Aufsehen sorgten: „Einige Mercedes-Herren sieht man hier öfter als in der Mercedes-Halle“, berichtete AUTO MOTOR UND SPORT 1955.

Doch wer weiß: Hätte US-Importeur Hoffman damals in den 50er-Jahren seine 5.000 Exemplare zum gewünschten Einkaufspreis bekommen, wäre der 507 vielleicht schon längst in Vergessenheit geraten. Aber als rarer Klassiker steht er weiter im Rampenlicht

Fazit

Ein BMW 507 ist echtes Garagengold. Heute spricht für den offenen Zweisitzer vor allem sein zeitloses Design – und die Aussicht auf eine gute Wertanlage dank der niedrigen Stückzahl. Das Ergebnis der Auktion in Paris zeigt, dass Interessenten auch weiterhin rund zwei Millionen Euro investieren müssen, um einen der seltenen 507 zu bekommen.

BMW 507
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