Deutsche Offroad-Ikonen im Klassiker-Vergleich: Mercedes G-Klasse vs. VW Iltis

Mercedes G-Klasse vs. VW Iltis
Mercedes G-Klasse und VW Iltis im Klassiker-Vergleich

ArtikeldatumVeröffentlicht am 27.07.2026
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Geländewagenvergleich auto motor und sport 08/1980
Foto: Hans Peter Seufert

Die Mercedes-Benz G-Klasse wurde ursprünglich auf Wunsch des damaligen Daimler-Aktionärs Iran entwickelt, um ein robustes Fahrzeug für militärische Zwecke zu schaffen. In Kooperation mit dem österreichischen Hersteller Steyr-Daimler-Puch entstand ein Geländewagen, der seit seinem Debüt 1979 durch seine Vielseitigkeit und Robustheit überzeugte. Die erste Generation (W460) war sowohl für den zivilen als auch den militärischen Einsatz konzipiert.

Wie VW bewarb sich die damalige GFG (Geländefahrzeug-Gesellschaft), ein Joint Venture zwischen der Daimler-Benz AG und der Steyr-Daimler-Puch AG, Anfang der 1970er Jahre um den Auftrag, einen Nachfolger für den DKW Munga zu entwickeln. Der Iltis (Typ 183) machte das Rennen, der Mercedes G kam bei der Bundeswehr erst zwei Jahrzehnte später zum Zug. Mit einem Fünfganggetriebe aus dem Audi-Baukasten, dem Motor des damaligen Passat und einer Steigfähigkeit von bis zu 77 Prozent setzte der VW eigene technische Akzente.

Technische Unterschiede im Detail

Die klassische G-Klasse des Baumusters 460 besticht durch ihre modulare Bauweise: Varianten mit kurzem oder langem Radstand sowie unterschiedliche Motorisierungen – vom sparsamen Diesel bis hin zum kraftvollen Sechszylinder – boten eine breite Auswahl. Besonders hervorzuheben ist das synchronisierte Verteilergetriebe, das die Bedienung im Gelände erleichtert. Zudem verfügt die G-Klasse über sperrbare Differentiale an beiden Achsen, was ihre Offroad-Performance deutlich steigert.

Der VW Iltis hingegen setzt auf Einfachheit: Ein unsynchronisierter Lastgang statt eines Verteilergetriebes mit Geländeuntersetzung sorgte für hohe Drehmomente bei niedrigen Geschwindigkeiten. Mit einem Gewicht von rund 1.300 Kilogramm ist er deutlich leichter als die G-Klasse, was ihm in bestimmten Situationen Vorteile verschafft. Die Militärversionen wurden mit einer Hinterachssperre ausgerüstet, für den zivilen Markt und Sonderversionen war eine vordere Sperre erhältlich.

Fahrkomfort und Alltagstauglichkeit

Im Vergleich zeigt sich schnell: Die G-Klasse bietet mehr Komfort. Ihre Federung gleicht Unebenheiten besser aus, während der Innenraum durch (unter damaligen Bedingungen) höherwertige Materialien punktet. Der Iltis hingegen bleibt seiner militärischen Herkunft treu: harte Federung, der hohe Einstieg und ein spartanisches Cockpit machen ihn weniger alltagstauglich.

Besonders auffällig ist der Unterschied in der Geräuschkulisse: Während die G-Klasse durch vergleichsweise gute Dämmung überzeugt, dringen beim Iltis deutliche Motor- und Getriebegeräusche ins Innere – ein Tribut an seine einfache Konstruktion.

Offroad-Performance: Wo beide glänzen

Im Gelände spielen beide Fahrzeuge ihre Stärken aus. Die G-Klasse beeindruckt durch ihre Fähigkeit, selbst schwierigste Passagen zu meistern – dank ihrer sperrbaren Differenziale bleibt sie auch bei starker Verschränkung mobil. Der Iltis wiederum punktet mit seiner Leichtigkeit und Wendigkeit; er meistert steile Anstiege ebenso souverän wie sandige Passagen aber eben mit Schwung.

Ein Highlight des Iltis ist seine Teilnahme an der Rallye Paris-Dakar 1980, wo er eindrucksvoll (Gesamtrang 1, 2, 4 und 9) seine Robustheit unter Beweis stellte. Auf einen ähnlichen Erfolg darf sich Mercedes berufen, 1983 gewann Jacky Ickx auf einem Mercedes 280 GE die Gesamtwertung der Dakar-Rallye.

Marktpositionierung damals und heute

Während die G-Klasse über Jahrzehnte hinweg kontinuierlich weiterentwickelt wurde und heute als Luxus-SUV gilt, blieb der Iltis ein Nischenprodukt mit begrenzter Stückzahl. Seine zivile Variante konnte sich aufgrund des hohen Preises nie wirklich durchsetzen.

Heute steht die G-Klasse als Symbol für Exklusivität und technische Perfektion – ein Statussymbol mit beeindruckender Historie, das sich allerdings technisch weit vom Ursprungsmodell entfernt hat. Der Iltis hingegen wird nach wie vor von Sammlern geschätzt; sein Einfluss auf spätere Allradmodelle wie den Audi quattro bleibt jedoch unbestritten.

Fazit