Ein Porsche 911 Carrera 2 war 1990 ein schnelles Auto, doch heute erreicht ein VW Golf 8 GTI ganz ähnliche Fahrleistungen. Ein agiles und sehr fahraktives Auto ist ein 964 immer noch, und vor allem ist er sehr kompakt. Warum also die Basis nicht für etwas Tuning nutzen? Das ist der Ansatz diverser Anbieter von Restomods auf 911-Basis: Den Look von damals mit der Technik von heute verbessern.
Prinzip R, eine Firma mit Sitz in Esslingen, restauriert und optimiert Porsche 911 diverser Generationen, baut Backdates und Restomods. "Leicht und schnell und zugleich alltagstauglich" sollen die Autos sein, die Martin Anders und Marco Hinderer für Kunden bauen. Das R im Firmennamen steht für den 911 R, eine Rennversion von 1967, die besonders leicht und schnell war.
Umbauten auf 911-Basis
Als Basis nimmt das Duo Spenderfahrzeuge der Kunden; nach deren Wünschen entstehen in Handarbeit Einzelstücke. Umbauten müssen sinnvoll sei, stellt Hinderer klar: "Wir bauen keine Show-Autos. Jede Änderung muss eine Funktion haben, sonst lassen wir sie weg. Den Werksturbolook formen wir von Hand in Stahl, mit Original-Blech – aufwendiger als Kunststoff, aber der ehrlichere Weg."
Sechszylinder-Boxer mit 360 PS aus 4,0 Liter Hubraum
Die Grundlage für den Motor ist der M64, also der von Hans Mezger maßgeblich entwickelte, luftgekühlte Sechszylinder-Boxer. Eine neue Kurbelwelle mit verlängertem Hub und eine größere Bohrung erweitern den Hubraum von 3,6 auf 4,0 Liter. Die Leistung steigt von serienmäßigen 250 auf 360 PS. Auf einigen Exportmärkten sind bis zu 400 PS möglich. Die Gänge eins bis vier sind kürzer übersetzt, das verstärkt zusätzlich den Eindruck gestiegener Leistung. Für mehr Traktion in engen Kurven baut Prinzip R eine Differenzialsperre von Drexler ein. Das Fahrwerk kommt von KW.
Wie ist das mit dem H-Kennzeichen?
Prinzip R garantiert die Abnahme als Oldtimer nicht für jeden Umbau. Was möglich ist, wird im Einzelfall mit der Prüforganisation geklärt. Der § 23 StVZO definiert, dass ein Oldtimer mindestens 30 Jahre alt, in gutem Zustand und zeitgenössisch sein muss. "Das H-Kennzeichen lässt zeitgenössische Modifikationen zu", erklärt Markus Tappert vom TÜV Hanse. Was zum Zeitpunkt der Erstzulassung und in den zehn Jahren danach üblich war, kann auch heute an einem Oldtimer als original gelten. Dieser Zeitraum reicht beim 964 bis 2004. Nicht nur Porsche, auch diverse Zubehörhersteller haben schon in den 90er-Jahren zahlreiche Modifikationen für den 911 angeboten. Ob eine Modifikation historisch korrekt ist, muss der Kunde bei der H-Abnahme nachweisen. Als Nachweis gelten zum Beispiel Teilegutachten, Prospekte oder Presseberichte. Eine Straßenzulassung muss das Teil natürlich ebenfalls haben.












