Rover 45 1.6 Charme, Typ RT (2000) K.H. Augustin
Rover 45 1.6 Charme, Typ RT (2000)
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Rover 45 1.6 Charme, Typ RT (2000) 18 Bilder

Rover 45 1.6i Charme (2000)

Das 100-Euro-Auto

Wetten, dass niemand diesen Youngtimer auf dem Zettel hat? Alf Cremers kauft für 100 Euro einen Rover 45 mit zwei Monaten Rest-TÜV. Rost? Kaum? Beulen, Kratzer, Gammel? Fehlanzeige.

Was bekommt man für 100 Euro? Zwei Billigreifen mit Montage, einen Ölwechsel für einen Sechszylinder, einen Satz gebrauchte Stahlfelgen oder ein Becker-Radio für einen Mercedes W124. Aber ein ganzes Auto? Auch das gibt es, etwa einen roten Ford Fiesta von 1989, ausgeblichen und mit klapperndem Kent-Motor, sichtlich vom Rost gezeichnet, verbeult und ohne Radkappen, bunte Billig-Schonbezüge übertünchen einen verwohnten Innenraum: "100 Euro Festpreis, Bremsen auch fest, bitte mit Hänger abholen."

Ein Auto mit TÜV für 100 Euro

Rover 45 1.6 Charme, Typ RT (2000)
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Zwei Reifensätze gehören zum Schnäppchen-Rover.

Aber ein komplettes, fahrbereites Auto von einer Premium-Marke mit glänzendem Lack, Leichtmetallrädern ohne sichtbaren Rost auf den vielen Fotos im Internet und mit zwei Monaten Rest-TÜV für 100 Euro? Ein superbes Blaupunkt Coburg CD-Radio prangt in der Mittelkonsole, kein trostlos gähnender Schacht will, wie so oft, erst gefüllt werden. Also, kurz anrufen, ob er noch da ist, und dann alles stehen und liegen lassen, für diesen einsamen Superlativ. Wenn dieser Rover 45, Modell Charme in Platinum Silver mit 148.713 km auf dem Tacho und vier Vorbesitzern, so fährt, wie er aussieht, wird dies mein günstigster unvernünftiger Kauf, seit ich diese Narretei begehe.

Rover 45: Civic-Derivat mit Stummelheck

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Technisch gesehen ist der Rover 45 ein Honda Civic.

Auf der Fahrt in meinem braven Alltags-Mercedes 300E Richtung Bodensee nach Tettnang versuche ich eine Erklärung zu finden, warum der schöne Wagen mit dem ausdrucksvollen Rover-75-Gesicht quasi verschenkt werden soll: Okay, Rover, traditionsreiche, aber untergegangene Marke seit 2005, das Modell 45 zwar ganz hübsch, wie ich finde, aber ein Honda-Civic-Derivat mit leicht spießiger Stummelheck-Note und von eher limitierter Strahlkraft. Genau genommen basiert der 45 auf dem Honda Domani, so heißt der Civic mit Rucksack in Japan. TÜV hat der Dumping-Rover nur noch zwei Monate, da droht vielleicht arges Ungemach. Leider sehen viel zu wenige im Rover 45 den entzückenden, erhaltenswerten Youngtimer. Für die meisten wäre er wohl ein Risikokauf mit eingebautem Ersatzteilnotstand. Obwohl die Versorgung über XPart Caterpillar Logistics gesichert ist und große Mengen von Gebrauchtteilen im Internet kursieren, gibt es sicher viele Vorbehalte.

Mich kümmern sie nicht, ich will ihn haben, Tettnang wird in Kürze erreicht. Der Rover 45 ist nicht gerade das Gesicht in der Menge, aber mein Scannerblick zoomt ihn mir schon beim Vorbeifahren aus dem Gebrauchtwagenrudel am Zaun vom Autohandel Mattar. Der Inhaber, ein junger, sehr freundlicher Mann so um die dreißig, beschwört geradezu die unbedingte Fahrtauglichkeit des Rover:"Lenkung, Bremsen, Motor, alles einwandfrei, da ist nirgendwo ein Problem! Sie können ohne Sorgen bis nach Stuttgart fahren." Dabei freut er sich über meine aufrichtige Begeisterung für den schmucken kompakten Wagen.

Nirgends Rost. Fast nirgends

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Gute Substanz: Die Radläufe rostfrei, die Räder aus Leichtmetall.

Sie schaukelt sich beim Probe sitzen und Betrachten des tadellosen Innenraums mit dem extrafeinen Rover-Ambiente hoch und hält auch noch nach einer prüfenden Umrundung des charmanten 45 mit dem treuen Augenaufschlag an. Auf den ersten Blick nirgendwo Rost, aber auch an gar keiner Karosseriekante, an keinem Scheibengummi, selbst die vier Radläufe sind ohne Befund. Als Mängel registriere ich lediglich unterschiedliche Räder vorne und hinten, deren Pendants als zweiter, gemischter Satz Alus im Kofferraum liegen, ein paar Kratzer im Lack, einen harmlosen Riss im hinteren Stoßfänger und eine herabhängende Schwellerzierleiste auf der rechten Seite. Sie gibt ein bräunlich-silbern schillerndes Rostbiotop frei. Auch im hinteren rechten Radhaus nistet die braune Pest um einen dieser Gummistöpsel, da ist etwas aufgequollen. Während ich die Motorhaube aufstemme, sehr wohlwollend den breiten Zylinderkopf des rassigen Rover-K16-Triebwerks "16 Valve-Twin Cam" registriere und die Flüssigkeitsstände checke, ruft der bekennende BMW-Fan und Z4-Fahrer Mattar nach seinem Mechaniker. Er weist ihn an, die Zierleiste provisorisch festzuschrauben und intakte Kennzeichenhalter anzubringen.

Letzter Ölwechsel bei 126.713 km

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Öl- und Zahnriemenwechsel sind dokumentiert und nicht zu lange her.

Der Ölstand stimmt, der letzte Ölwechsel war, so bescheinigt es der Liqui-Moly-Zettel, bei 126.713 km, einen neuen Zahnriemen gab es laut Aufkleber 2014 bei 95.056 km. Mein Hauptaugenmerk gilt jedoch dem Ausgleichsbehälter. Wie ist die Farbe des Kühlmittels? Das frische Blassrosa ist unverdächtig, wie ist der Stand bei kaltem Motor? Zwei Zentimeter unter Maximum, das ist verdächtig, aber nicht beängstigend. Schließlich weiß ich um die Befindlichkeiten des Rover-K-Series-Motors. Die Zylinderkopfdichtung ist ein Schwachpunkt des Triebwerks, meist wurde sie bei meinem Kilometerstand schon gewechselt, aber es gibt keinen Nachweis, weil die elegante braune Rover-Servicemappe mit Wartungsheft und Betriebsanleitung leider nicht mit an Bord ist. Für 100 Euro kann man nicht alles bekommen, immerhin hat der 45 Charme Klimaanlage, vier elektrische Fensterheber und ein gescheites Radio. Der Motor springt sofort an und läuft ohne Hydrostößelklappern mit normaler Drehzahl, Gasstöße werden ohne Ruckeln umgesetzt. Irgendwie scheint sich der Wagen zu freuen, dass er wieder Autobahnasphalt unter die Räder bekommt, statt zum Verwerter zu rollen.

Zwei 50-Euro-Scheine für Papiere und Auto

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Tausch-Geschäft: Zwei Scheine für Brief und Schlüssel.

Schnell sind die Formalitäten erledigt, ich tausche zwei 50-Euro-Banknoten gegen die Wagenpapiere, einen zweiten Satz Schlüssel und eine Quittung. Mattar begründet den Spottpreis mit der schwierigen Marktlage des Exoten und wünscht mir gute Fahrt. An der Tankstelle nebenan fülle ich erst einmal Aral Ultimate 102 "mit der Anti-Schmutz-Formel" randvoll ein, um meinem vielventiligen Hochleistungsmotor etwas Besonderes zu gönnen. Dann ergänze ich das Kühlwasser noch mit einem bisschen Frostschutz, kaufe den obligatorischen Wunderbaum, diesmal "Piña Colada" und noch ein Maskottchen: Ein schrilles Schaf namens "Dolly" für die Mittelarmlehne hinten, um das arg dunkel-gediegene Velours, das im 45-Prospekt "Arbour Ash Grey" heißt, etwas fröhlicher zu gestalten. Macht zusammen 101,78 Euro, was den Wert des Rover schon mal verdoppelt.

Fünf Kilometer weiter biege ich ins "Sanft & Sauber-Waschparadies" ein. Ich dusche meinen Rover volles Programm ab, veranstalte eine kleine Schaumparty, damit er alle Spuren verliert, die der abtauende schmutzige Schnee auf Lack und Glas hinterlassen hat. Aber damit nicht genug, ich ziehe die alten Vignetten von der Frontscheibe, sauge die üppigen Polster, platziere die Alu-Räder ordentlich im Kofferraum und entdecke dabei, dass selbst das Bordwerkzeug komplett ist. Notrad, Wagenheber und Verbandstasche sind ebenfalls an Bord. Dieses Ordnungsritual ist meine Art, die Spuren der Vergangenheit abzuschütteln, mich auf mein neues altes Auto einzulassen und zu sagen: "Du gehörst jetzt mir und du wirst es nicht bereuen."

So fährt der 100-Euro-Rover

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Der frisch gekaufte Rover bekommt erst mal eine Wäsche.

Ich fahre nach Richtung Friedrichshafen und von dort aus über die B31 nach Lindau. Den Rover bringe ich dabei ordentlich auf Touren, die ausgeprägte Drehfreude des Doppelnockers stimuliert mich, wenngleich immer noch das heilsame Limit von 4000/min gilt. Altes Motoröl, lange Standzeit und das Alter des Zahnriemens mahnen zu schonendem Umgang. Auch wenn ich das Kühlwasserthermometer bisweilen etwas angestrengt fixiere, habe ich Spaß mit meinem Rover. Noch ist alles im grünen Bereich, die Nadel pendelt sich knapp unter dem Mittelfeld ein. Mein K-Series-Motor scheint gesund zu sein. Der Alu-Motor in mehrteiliger Sandwichbauweise klingt beim Hochdrehen kernig, sein Ton wird dann metallisch hell, wie es bei vielen Vierventilern üblich ist. Die Schaltung des quirligen Fronttrieblers könnte exakter sein, die Gassen sind recht lang, und ihre Definition verdient den Ausdruck elastisch. Vielleicht kann man am Gestänge später mal nacharbeiten. Polternde Geräusche vom Fahrwerk oder schwammige Richtungswechsel gibt es keine, Traggelenke und Querlenkerbuchsen scheinen in Ordnung zu sein. Überhaupt ist das Fahrwerk des Rover 45 aufwendig konstruiert. Vorne gibt es Federbeine an doppelten Querlenkern, nicht wie üblich an einfachen à la McPherson.

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Hinten versucht, anders als bei seinem Hatchback-Bruder 25, eine Mehrlenkerachse mit Querlenker-Doppelpack und Längslenkern den besten Kompromiss zwischen Fahrkomfort und Straßenlage zu finden. Dieser Spagat gelingt dem Rover gut, er federt sanft und untersteuert in schnell gefahrenen Kurven nur mäßig. Aber es bleibt natürlich ein Fronttriebler mit Quermotor, Kurven sind nicht gerade seine Leidenschaft. Trotz der direkten Servolenkung, die eine gute Rückmeldung vermittelt, fährt sich der Rover etwas eckig. Der Wendekreis ist für so ein kompaktes Auto riesig, ein etwa gleich großer BMW Dreier E36 fühlt sich viel agiler an.

Neu war der Rover 45 teuer

Aber ist das wichtig? Entscheidend sind doch Freude und Emotion. Richtig teuer war der Rover 45 Charme einst neu, im Jahre 2000 hat er 32.500 Mark gekostet. Es gelingt ihm, sich meilenweit vom frugalen Honda Civic zu emanzipieren. Ich glaube, dies liegt im Gespür der Rover-Mannschaft für elegantes Styling und in ihrem Gefühl für edle Materialien. Kein Detail an ihm wirkt lieblos, man schaue nur auf die Räder, "Fission" heißen die, und sie sind bildschön. Es ist auch eine Freude, die gediegen gestalteten Prospekte über den Rover 45 zu betrachten. Ich besitze sie alle.

Kaufberatung: Worauf Sie beim Rover 45 und 400 achten müssen

Rost an tragenden Partien kommt beim teilverzinkten Rover 45 und 400, alias Baureihe RT, selbst nach über 20 Jahren nur selten vor. Betroffen sind die Schweller unter den Kunststoffzierleisten und die hinteren Radhäuser um die schwarzen Gummiteller, welche die Ablauflöcher für die Tauchbadgrundierung verschließen.

Rost als Schönheitsfehler tritt an den Seitenteilen über den hinteren Stoßfängern und an den benachbarten Radläufen auf. Selten erwischt es den Rahmen des Nummernschildfachs an der Heckklappe. Die Schmutzfänger vorne sind Rostzüchter und sollten entfernt werden.

Das K-Series-Triebwerk gilt als robust und langlebig. Doch sollte man das Kühlsystem genau prüfen. Überhitzung nimmt der Alu-Motor schnell übel. Seine Zylinderkopfdichtung ist unterdimensioniert, die maßgenaue Passung der nassen Laufbuchsen wird gefährdet. Im Falle eines Defekts die verstärkte Multilayer-Dichtung, Teile-Nr. LVB500190, einbauen und zur sicheren Fixierung der Buchsen das Reinforced-Oil-Rail, Nr. LCN160, montieren.

Fazit

Mein Rover ist ein sympathisches Wohlfühl-Auto: "Auch ein Billig-Youngtimer vom Jahrmarkt vermittelt großen Fahrspaß", das ist die Botschaft meines 100-Euro-Autos. Leider fehlt mir das lederne Bordbuch samt vornehmem papiernen Inhalt. Vielleicht hat es der letzte der vier Vorbesitzer als Erinnerung an seinen treuen Rover 45 behalten. Ich könnte ihn nur allzu gut verstehen.

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