ADAC misst Ausdünstungen in Autos: Starker Geruch - automatisch viele Schadstoffe?

ADAC misst Ausdünstungen in Autos
Starker Geruch - automatisch viele Schadstoffe?

ArtikeldatumVeröffentlicht am 14.05.2026
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Neuwagen können intensive Gerüche verströmen.
Foto: KI-generiert / Gregor Hebermehl

Viele verbinden den Neuwagenduft mit "frisch". Andere stört der chemische Geruch – und sie fragen sich: Atme ich da gerade etwas Ungesundes ein? Genau das hat der ADAC untersucht: Er maß in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer-Institut für Bauphysik (IBP) die Innenraumluft von vier Neuwagen unter kontrollierten Bedingungen.

Darum geht’s: Geruch kommt von Ausdünstungen

Kleber, Kunststoffe, Sitzschäume, Textilien und Lacke geben flüchtige Stoffe an die Luft ab. Fachleute fassen viele dieser Verbindungen als VOC (volatile organic compounds) zusammen; den Gesamtwert nennt man TVOC (Total Volatile Organic Compounds – Gesamtgehalt flüchtiger organischer Verbindungen). Solche Stoffe können Gerüche auslösen und bei hohen Konzentrationen Beschwerden wie Kopfschmerzen oder Schleimhautreizungen begünstigen.

Warum der Test jetzt wichtig wird

Ab 6. August 2027 gilt für neu zugelassene Fahrzeuge ein Formaldehyd-Grenzwert von 0,062 mg/m³ (Messung bei 23 °C im Umgebungsmodus nach DIN ISO 12219‑1). Heute orientieren sich viele Einordnungen an Richtwerten des Ausschusses für Innenraumrichtwerte (AIR); für Formaldehyd nennt der ADAC einen Richtwert (RW I) von 0,10 mg/m³. Formaldehyd riechen viele schon bei niedrigen Konzentrationen, und es gilt als krebserzeugend. Bis 1981 kam Formaldehyd nahezu ungebremst in Möbeln und Spanplatten zum Einsatz – von dort gast es bis heute aus. Erst seit 1986 griff eine Regulierung, die den Einsatz von solchen Spanplatten und Möbeln verbot.

Diese vier Neuwagen hat der ADAC gemessen

Der ADAC wählte vier Neufahrzeuge aus, teils mit auffälligem Innenraumgeruch:

So lief die Messung ab: drei typische Alltagssituationen

Der ADAC stellte die Fahrzeuge in eine Prüfkammer und simulierte drei Zustände:

  1. Umgebungsmodus (23 °C)
  2. Parkmodus (Hitze/Sonne, starke Aufheizung über Infrarot)
  3. Anfahrmodus mit aktiver Lüftung/Klimatisierung

Er nahm die Luftproben an einer festgelegten Position im Innenraum und orientierte sich methodisch am Standard DIN ISO 12219‑1.

Geruch ist nicht gleich Schadstoff: die sensorische Bewertung

Der ADAC ließ Prüfer den Geruch nach VDA 270 mit Schulnoten bewerten (1 = nicht wahrnehmbar, 6 = unerträglich). Im Ergebnis unterschieden sich die vier Fahrzeuge sensorisch nur begrenzt.

Auffällig: Beim VW Golf eTSI verschlechterte sich der Geruch im Parkmodus deutlich (Note 4,0 statt 3,0 bei 23 °C). Die Nachmessung nach 200 Tagen brachte beim Geruch keine Entwarnung, obwohl die Konzentration der untersuchten Stoffe laut ADAC mit dem Fahrzeugalter sank. Das zeigt für die Praxis: Ein "starker Geruch" muss nicht bedeuten, dass Messwerte gleichzeitig hoch bleiben – und umgekehrt.

Was der ADAC gefunden hat: Hitze treibt Werte, Lüften senkt sie

Formaldehyd

Bei 23 °C unterschritten alle getesteten Fahrzeuge den künftigen Grenzwert von 0,062 mg/m³ und auch den genannten AIR-Richtwert RW I (0,10 mg/m³). Im Parkmodus stiegen die Werte: Der ADAC berichtet dort Überschreitungen des RW I beim VW Golf eTSI, Dacia Spring und BYD Seal 6 DM‑i Touring.Sobald die Lüftung/Klima aktiv läuft (Anfahrmodus), drücken die Fahrzeuge die Formaldehyd-Konzentrationen laut ADAC deutlich nach unten.

Dacia Spring
Adrien Cortesi

Benzol und Aromaten (unter anderem Toluol, Ethylbenzol, Xylole, Styrol)

Beim Benzol meldet der ADAC einen Punkt, den Käufer ernst nehmen sollten: Der VW Golf eTSI überschritt im Umgebungsmodus einen Leitwert (4,5 µg/m³). Mit aktiver Klimatisierung sanken die Werte laut ADAC deutlich.Bei den Xylolen nennt der ADAC einen Ausreißer: Der BYD Seal 6 DM‑i Touring lag über dem Vorsorgerichtwert (RW I) von 0,10 mg/m³.

TVOC (Summe vieler VOC)

Im Neuwagen kann man laut ADAC häufig über 150 Substanzen messen; der TVOC-Wert bündelt das. Der ADAC ordnet TVOC unter anderem über einen Referenzwert (0,95 mg/m³) ein: Im Umgebungsmodus lagen alle geprüften Neuwagen darüber.Besonders auffällig: Beim BYD Seal 6 DM‑i Touring blieb TVOC trotz Lüften vergleichsweise hoch; beim VW Golf eTSI und BYD traten je nach Modus teils stark erhöhte Werte auf (ADAC: teils bis etwa Faktor fünf).

Was das für dich bedeutet: so verhältst du dich im Alltag

  • Vor dem Losfahren zwei Minuten Stoßlüften: Türen auf, Durchzug.
  • Während der Fahrt Frischluft statt Umluft: Du senkst die Innenraum-Konzentrationen und reduzierst Gerüche oft schnell.
  • Nach Sonne/Hitze zuerst lüften, dann einsteigen: Hitze schiebt die Ausgasung nach oben; gerade Schwangere, Babys und Kleinkinder schützt du so am besten.
  • Geruchsquellen weglassen: Kanister, neue Gummimatten, Kofferraumwannen oder große Plastiktüten können Gerüche zusätzlich verstärken.
  • Beim Kauf drauf achten: Mach die Probefahrt nicht nur "einmal um den Block", sondern nimm dir Zeit – Geruch fällt oft erst nach ein paar Minuten richtig auf.

Wann du reklamieren solltest: Geruch kann ein Mangel sein

Der ADAC trennt klar zwischen Gesundheitsgefahr (Schadstoffe) und Belästigung (Geruch). Ein leichter Neuwagengeruch gilt als normal. Wenn der Geruch nach Wochen immer noch stark stört und die Nutzung beeinträchtigt, solltest du ihn schriftlich beim Händler reklamieren. Der Verkäufer darf zuerst nachbessern; scheitert das, können je nach Fall Minderung oder sogar Rücktritt möglich werden.

Fazit