Aramco oder auch Saudi Aramco gilt als der weltweit größte Erdölkonzern. Er ist vollständig im Besitz des saudischen Staats, kontrolliert nahezu alle Ölfelder Saudi-Arabiens und gilt als eines der profitabelsten Unternehmen der Welt.
Auch wenn Aramco mittlerweile stark in erneuerbare Energien investiert, hängt das Hauptgeschäft weiterhin am Öl. Da ist es kein Wunder, wenn die Saudis gerne den Verbrennungsmotor in Autos noch eine Weile am Laufen halten wollen. So ist Aramco beispielsweise mit zehn Prozent am Verbrennungsmotoren-Joint-Venture Horse von Geely und Renault beteiligt.
Jetzt hat Aramco aber unabhängig von Horse einen völlig neuen Hybridantrieb konstruiert. In Zusammenarbeit mit Pipo Moteurs, einem französischen Motorsportmotorenhersteller, ist Aramco Americas der Frage nachgegangen, wie ein Verbrennungsmotor aussehen könnte, der von Anfang an für den Hybridbetrieb ausgelegt wäre. Im Lastenheft standen dabei eine vereinfachte Fertigung und geringere Kosten, ohne Kompromisse bei Leistung oder Fahrverhalten. Herausgekommen ist dabei der Aramco DHE Motor, wobei DHE für Dedicated Hybrid Engine steht.
Neu gedachter Verbrenner
Der jetzt vorgestellte Prototyp setzt auf einen Dreizylinder mit 1,6 Liter Hubraum, der von einem elektrisch angetriebenen Lader unter Druck gesetzt wird. Um eine besonders kompakte Bauweise zu gewährleisten, sitzt die einzelne Nockenwelle halbhoch im Block und steuert die jeweils zwei Ventile pro Zylinder per Stößelstangen. Auf eine variable Ventilsteuerung wurde verzichtet. Um die Reibung zu minimieren, laufen Kurbelwelle, Nockenwelle und Pleuelstangen in Rollenlagern. Sämtliche Nebenaggregate laufen bedarfsgerecht und rein elektrisch. Entsprechend ist keine mechanische Anbindung an den Motorblock notwendig.
Für weniger Wärmeverlust und einen erhöhten thermischen Wirkungsgrad sind die Brennräume mit einer Bohrung von 82 mm und einem Hub von 101 mm unterquadratisch ausgelegt. Ein Ansaugdesign mit hoher Drall- und geringer Wirbelbildung durch Direkt- und Saugrohreinspritzung soll zudem eine schnellere, effizientere und vollständigere Verbrennung fördern. Noch nicht umgesetzt, aber bereits eingeplant sind eine von 13:1 bis 15:1 erhöhte Verdichtung und eine Vorkammerzündung. Später könnte noch ein Betrieb mit Wasserstoff für noch bessere Emissionswerte sorgen. Bereits jetzt soll der thermische Wirkungsgrad des Motors bei 41 bis 42 Prozent liegen.
Aktuell befinden sich erste Prototypen des Dreizylinder-Verbrenners in der intensiven Erprobung. Das gesamte Verbrennerkonzept ist so ausgelegt, dass die Zylinderzahl und damit der Hubraum modular aufgestockt werden können. Darstellbar sind so Zweizylinder mit 1,1 Liter Hubraum, Vierzylinder mit 2,1 Liter Hubraum und sogar ein V6 mit 3,2 Liter Hubraum – alle jeweils als reine Sauger oder mit Turboaufladung.
E-Maschinen an beiden Kurbelwellenenden
Zum Super-Hybrid wird der Dreizylinder aber erst in Kombination mit elektrischen Komponenten. Das DHE-Konzept sieht E-Maschinen an jedem Ende der Kurbelwelle vor. Der Verbrenner arbeitet so primär als Generatorantrieb. Auf der gleichen Welle wie der Generator sitzt zudem jeweils ein über Planetengetriebe angebundener Elektromotor, der über Wellen direkt die Räder antreibt. Das Fahrzeug kann also mit ein- oder ausgeschaltetem Verbrennungsmotor gefahren werden. Und dank der Planetengetriebe kann auch ein Differenzial entfallen.
Leistungsdaten für den neuen DHE-Antrieb nennt Aramco nicht, verspricht aber auf der Verbrennerseite Kraftstoffeinsparungen von bis zu 35 Prozent. Auf der Kostenseite soll das Hybridsystem bis zu 25 Prozent Einsparungen gegenüber herkömmlichen Konzepten bieten. Nachdem das DHE-Konzept mittlerweile patentrechtlich geschützt ist, beginnt Aramco jetzt damit, den Motor potenziellen Kunden anzubieten.












