BMW i3, Renault Zoe Intense, Frontansicht Hans-Dieter Seufert
BMW i3, Frontansicht
Kia Soul EV, Frontansicht
Mitsubishi i-Miev
Nissan e-NV200 10 Bilder

E-Auto-Förderung lässt Gebrauchtwagen-Preise purzeln

Gebrauchte Elektroautos Neuwagen-Förderung lässt Preise purzeln

Eine DAT-Auswertung zeigt: Bei gebrauchten Elektroautos hat der befürchtete Preisrutsch bereits eingesetzt. Schuld ist die verlängerte Förderung für elektrisch angetriebene Neuwagen.

Die Hersteller und Verkäufer elektrisch angetriebener Neuwagen dürften sich nach dem letzten Autogipfel die Hände gerieben haben: Die ursprünglich bis Ende 2021 geplante, erhöhte Kaufprämie wurde um vier Jahre verlängert. Doch das neuerliche Konjunkturpaket hat auch lange Gesichter hervorgerufen. Und zwar bei den Verkäufern gebrauchter Elektroautos (BEV), zu denen neben Händlern auch Leasing-Anbieter gehören.

03/2021, DAT-Auswertung Gebrauchtwagenmarkt Elektroautos
Deutsche Automobil Treuhand GmbH

Nun zeigt sich: deren Befürchtungen bewahrheiten sich. Wie eine aktuelle Auswertung der Deutschen Automobil Treuhand (DAT) belegt, hat der Preisrutsch elektrisch angetriebener Gebrauchtwagen bereits eingesetzt. Seit Sommer 2020 sind die Werte für gebrauchte BEV deutlich gefallen: Im Schnitt ist ein solches Modell nach Analyse der Transaktionspreise, die vom Handel an die DAT übermittelt werden, nach drei Jahren noch 50,7 Prozent seines Neupreises wert. Benziner und Diesel halten sich in dieser Statistik stabil auf Werten von 55,8 beziehungsweise 53,1 Prozent.

Niedriges Preisniveau werde "Dauerzustand"

"Der Gebrauchtwagenmarkt für batterieelektrische Pkw hat es schwer", sagt Martin Weiss, Leiter DAT-Fahrzeugwerte. Ein Hauptgrund dafür: Die hohen Förderungssummen, die zum Jahresende 2020 auf noch um viele Jahre verlängert wurden. "Die Preisdifferenz zwischen einem neuen und einem gebrauchten Elektroauto ist oftmals zu gering, als dass es für den Käufer attraktiv wäre, sich den Gebrauchtwagen zu kaufen." Elektroauto-Interessenten wüssten zudem nun, dass fabrikneue Modelle noch viele Jahre stark rabattiert angeboten werden.

Diese bieten Käufern im Gegensatz zu gebrauchten E-Autos volle Garantieleistungen, etwa auf die Batterie. Und sie verfügen im Gegensatz zu den meisten Zweit- und Dritthand-Pendants über die jüngsten und "rasanten Technologiesprünge" (Weiss) bei der Akku- und Antriebstechnik. Hinzu kommt: Je mehr neue Elektroautos verkauft werden, umso größer wird in absehbarer Zeit das Angebot an Gebrauchtwagen. Wächst die Nachfrage nicht im selben Umfang mit, verschieben sich die Preisgefüge Weiss zufolge nachhaltig. Besonders in kleineren Segmenten, in denen der Wertverlust deutlich dramatischer sei.

BMW 330e, Exterieur
BMW
Auch bei Plug-in-Hybriden hat ein spürbarer Preisrutsch eingesetzt, sagt die DAT.

Kaum besser sieht es bei Plug-in-Hybriden (PHEV) aus. Der auf dem Neuwagenmarkt meist eklatante Preisunterschied zwischen PHEV-Modellen und reinen Verbrenner-Pendants lässt sich Weiss zufolge "auf dem Gebrauchtwagenmarkt nach ein paar Jahren kaum noch realisieren". Für sie und reine Batterieautos gelte: "Was auf dem Neuwagenmarkt nach Erfolgsmeldungen klingt, hinterlässt auf dem Gebrauchtwagenmarkt einen sehr bitteren Nachgeschmack."

Selbst die ältesten E-Autos sind recht jung

Wer sich ein gebrauchtes Elektroauto kaufen möchte, freut sich freilich über die fallenden Preise. Dass dennoch kaum ein Zweit- oder Dritthand-Elektriker zum Discount-Preis zu haben ist, liegt in erster Linie am geringen Alter des Bestands. Von mehr oder weniger obskuren Umbauten oder windigen Kabinenrollern abgesehen, stammen die ältesten E-Autos bei der Gebrauchtwagenbörse Mobile.de von 2009. Dabei handelt es sich um sündhaft teure Tesla Roadster. Wenig später kamen die ersten elektrischen Fiat 500, die ältesten i-MiEV und Co. stammen aus 2011. Nissan-Leaf-Exemplare sind ab Jahresende 2011 zu finden, der Renault Zoe ab Jahresbeginn 2013 und die ältesten Vertreter des BMW i3 und VW e-Up stammen aus dem Herbst 2013. Die ersten VW e-Golf folgten im Mai 2014.

Die billigsten elektrischen Mitsubishis und ihre Klone Peugeot iOn und Citroën C-Zero kosten knapp 5.000 Euro, das Gros liegt im Bereich bis 10.000 Euro. Auch die günstigsten der insgesamt 4.200 angebotenen Renault Zoes liegen in diesem Preisrahmen, wobei es sich dabei meist um Autos mit gemieteter Batterie handelt; deren Kosten kommen also noch oben rauf. Bei den gut 1.200 Nissan Leaf geht es bei knapp 8.000 Euro los, wobei sich bereits viele Angebote im Bereich bis 12.000 Euro tummeln – inklusive Batterie übrigens. Die günstigsten der gut 1.000 angebotenen VW e-Golf kosten etwa 13.000 Euro. Ähnlich sind die meisten BMW i3 (gut 1.700 Inserate) bepreist. Der kleinere und auf dem Gebrauchtwagenmarkt deutlich seltenere VW e-up ist etwa 4.000 Euro günstiger.

Kia-Soul-Nissan-Leaf-Renault-Zoe-Vergleichstest
Hans-Dieter Seufert
Der Renault Zoe ist oft mit gemieteter Batterie unterwegs.

Weniger Verschleißteile in E-Autos

Angebot, Nachfrage und Preis sind, neben der vielzitierten Reichweitenangst, nicht die einzigen Gründe für die Zurückhaltung der Gebrauchtwagenkäufer in Bezug auf Elektroautos. Eine ähnlich große Rolle dürfte die Skepsis gegenüber der Technik spielen. Hält sie noch eine Weile, obwohl das Auto schon ein paar Jahre auf dem Buckel hat? Solche Sorgen sind – was die Standardkomponenten angeht – unbegründet. Beim Kauf eines gebrauchten E-Autos gelten prinzipiell die gleichen Regeln wie beim Erwerb eines gebrauchten Benziners oder Diesels, weiß der ADAC.

Aufgrund des hohen Anfahr-Drehmoments eines E-Mobils nutzen sich die Reifen oft schneller ab. Stoßdämpfer und Fahrwerk müssen wegen des schweren Akkus mit einem höheren Fahrzeuggewicht klarkommen und sollten deshalb genau begutachtet werden. Ähnliches gilt – vor allem für die hinteren – Bremsen. Sie rosten manchmal stärker, denn sie werden seltener genutzt, weil geübte E-Auto-Fahrer meist per Rekuperation verzögern. Wichtig ist auch, ob die Hochvolt-Leitungen intakt sind. Hat sich hier mal ein Marder ausgetobt, kann das gefährlich werden.

Die Vorteile von E-Autos: Sie besitzen im Vergleich herkömmlichen Verbrenner-Modellen weniger Verschleißteile und müssen nicht so aufwendig gewartet werden. Typische Verschleißteile wie etwa die Zündkerzen, einen Zahnriemen oder Auspuff gibt es nicht. Auch ein regelmäßiger Ölwechsel entfällt. Die Technik eines E-Motors ist im Vergleich zu der eines Verbrenners einfacher gehalten und hält daher auch länger. Trotzdem sollten Käufer eines gebrauchten Exemplar besonderes Augenmerk auf den Antrieb richten.

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Das Hauptaugenmerk gilt der Batterie

Speziell dafür stellt der ADAC einen Elektroauto-spezifischen Kaufvertrag mit den wichtigsten Fragen und Hinweisen bereit. Käufer sollten demnach besonders auf den Zustand der Antriebsakkus achten, da diese nicht nur mit der Zeit, sondern auch mit der Zahl der Ladezyklen altern. Proportional dazu sinkt in der Folge die Reichweite des Elektroautos. Eine Reparatur oder gar Neuanschaffung ist in der Regel sehr teuer. Helfen kann hier ein Batterietestprotokoll, das über den Zustand der Batterie informiert. Das ist auch für den Verkäufer interessant, da er sein Fahrzeug schneller zum gewünschten Preis zu verkaufen kann.

Steht das Protokoll nicht zur Verfügung, sollte Käufer unbedingt eine Probefahrt mit komplett geladenem Akku starten. "Die im Auto angezeigte Reichweite passt sich Fahrstil und Temperatur an, sodass sich nach rund 50 Kilometern Kapazität und Reichweite in der Regel gut einschätzen lassen", erklärt Stix.

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Technik erklärt

Viele Akkus halten länger als vorhergesagt und sind auch nach ein paar Jahren noch für Reichweiten ähnlich jener des Neuwagens gut. Laut TÜV Süd stehen bei vielen Akkus selbst nach 200.000 Kilometern noch 80 bis 90 Prozent ihrer ursprünglichen Kapazität zur Verfügung. Die Gesamthaltbarkeit dürfte bei 15 bis 20 Jahren liegen. Hinzu kommt die oft üppige Garantie auf den Energiespeicher: Üblich sind zwischen fünf und acht Jahre oder 100.000 bis 160.000 Kilometer – je nachdem, was zuerst eintritt. "Bis zu diesem Zeitpunkt wird beispielsweise eine Kapazität von 70 Prozent des Akkus garantiert", sagt Thomas Stix, beim ÖAMTC Experte für gebrauchte Elektroautos.

BMW i3, Frontansicht
Hans-Dieter Seufert
BMW i3: Oft als Gebrauchtwagen verfügbar, aber weiterhin teuer.

Bei manchen E-Autos ist die Antriebsbatterie gemietet und kann daher nicht mitverkauft werden. Das sollte vor dem Verkauf natürlich klar kommuniziert werden. Bei einem E-Auto mit Mietakku ist die Leistungsfähigkeit der Batterie meist garantiert, Mängel oder Defekte gehen also zu Lasten des Vermieters. Käufer solcher Autos sollten aber klären, zu welchen Konditionen die Übernahme oder ein Neuabschluss des Mietvertrages möglich ist.

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Muster-Kaufvertrag für Elektroautos vom ADAC0,22 MByte

Autos mit Wärmepumpe bevorzugen

Grundsätzlich ist das jüngere Auto meist zwar der teurere, aber risikoärmere Kauf: Modernere Akkus bieten mehr Reichweite und halten länger, die Motoren sind leistungsstärker, der Komfort ist oft höher. Zudem ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass die Klimatisierung über eine Wärmepumpe funktioniert. Ist dies der Fall, verbraucht das weniger Energie und steigert die Reichweite. Auch die Ladeleistung ist ein entscheidendes Kriterium. Bietet das Wunschauto eine Schnelllademöglichkeit? Bei neueren E-Autos gab es die meist serienmäßig, bei älteren oft nur optional.

Und wie sieht die Perspektive für den Gebrauchtwagenmarkt für Elektroautos aus? Aktuell verlieren Elektroautos im Schnitt in den ersten fünf Jahren etwas weniger an Wert als vergleichbare Benziner. Dabei dürfte es allerdings nicht bleiben. "Sobald neue, billigere E-Modelle mit größerer Reichweite auf den Markt kommen, wird es definitiv das eine oder andere Schnäppchen geben", sagt ÖAMTC-Experte Stix.

Passt das Wunschauto zum eigenen Mobilitätsverhalten?

Doch die wichtigsten Überlegungen sollte jemand, der sich ein gebrauchtes Elektroauto kaufen möchte, bereits vor der Suche anstellen. Zum Beispiel, wie das eigene Mobilitätsverhalten aussieht und ob das gewünschte E-Fahrzeug dem überhaupt entspricht. Welchen genauen Zweck soll es erfüllen? Wie groß muss die Reichweite sein? Hinzu kommen infrastrukturelle Aspekte: Gibt es in der Gegend, in der ich mit dem Auto unterwegs sein möchte, genügend Lademöglichkeiten? Trifft das auf mein Zuhause zu? Oder auf meinen Arbeitsplatz, wenn ich damit zur Arbeit pendle? Welche Unterhaltskosten kommen auf mich zu? Also all das, worüber sich auch die Käufer eines neuen Elektroautos Gedanken machen müssen.

BMW i3, Mercedes B-Klasse Electric Drive, VW e-Golf, Frontansicht
BMW i3, Mercedes B-Klasse Electric Drive, VW e-Golf, Frontansicht Addax MTN Elektrotransporter Alke ATX Elektrotransporter Citroen C4, Exterieur 135 Bilder

Fazit

Generell gilt: Eine allzu große Scheu vor gebrauchten Elektroautos muss man nicht haben. Auch diese sind letztlich nur Autos. Natürlich gibt es ein paar Grundregeln zu beachten, aber das gilt bei normalen Gebrauchtwagen auch. Solange mit der Batterie alles okay ist, ist der Rest beherrschbar – vieles sogar leichter als bei einem konventionellen Auto aus zweiter oder dritter Hand. Rechnen ist sowieso wichtig: Wann die geringeren Reparatur-, Wartungs- und Energiekosten die meist höheren Einstiegspreise gegenüber vergleichbaren Verbrennern amortisieren, dürfte bei der Kaufentscheidung von zentraler Bedeutung sein.

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