3/2020, BYD Han EV BYD

Chinesischer Konzern BYD

Neue sichere Batterie für günstige Limousine Han

Der chinesische Konzern BYD hat eine neue Batterie entwickelt, die mehr Sicherheit bei Unfällen und eine höhere Reichweite bieten soll. Damit und mit weiteren Komponenten will man auch andere Hersteller beliefern.

Der Mischkonzern BYD (Build Your Dreams) mit Sitz im chinesischen Shenzhen ist nicht nur ein Hersteller Autos, Bussen und Zügen, sondern auch einer der größten Batterieproduzenten der Welt. Außerdem zählen neben Akkus auch Bauteile für Elektronikprodukte wie Smartphones und Computer zum großen Angebotsportfolio des Konzerns.

Unter dem Namen FinDreams hat BYD jetzt eine neue Geschäftseinheit gegründet. Das Ziel ist es, Bauteile und Technologien für Elektroautos auch an andere Hersteller im In- und Ausland zu verkaufen. Damit will BYD sich auch als Zulieferer für die globale Automobilindustrie etablieren.

Neue Batteriegeneration

3/2020, BYD Blade Batterie
BYD
Ein erstes Bild der neuen "Blade Battery" von BYD

Zeitgleich hat BYD-Chef Wang Chunanfu mit der "Blade Battery" eine neue Akku-Generation angekündigt. Der Energiespeichern soll stabiler gegen äußere Einflüsse geschützt sein und somit bei einem Unfall die Brandgefahr minimieren. In Tests wurde die Batterie mit Nägeln beschossen. Angaben von BYD zufolge hätte eine herkömmliche Lithium-Batterie bei dieser Beanspruchung Temperaturen von über 500 Grad erreicht. Die "Blade Battery" hat sich dabei nur auf 30 bis 60 Grad erwärmt.

BYD bringt einfache Materialien in Auto-Akkus

Im Han sitzt nämlich ein Lithium-Eisen-Phosphat-Akku. Bei diesem Typ ist tatsächlich das Brandrisiko geringer. Deshalb finden Lithium-Eisenphosphat-Akkus vor allem als Stationärspeicher für Photovoltaik-Anlagen in Häusern Verwendung. Dort stört ihre überschaubare Energiedichte nicht. Gängige Exemplare haben bei 11 kWh Kapazität etwa die Größe eines Hängeschranks. Wie gesagt: Die Batterie im Han hat gut 82 kWh.

Maximilian Fichtner, Professor für Festkörperchemie und stellvertretender Direktor des Helmholtz-Instituts Ulm sagt dazu: "Die neue Batterie von BYD ist offenbar nur etwas mehr als halb so groß wie die bisherige, schafft 600 km und passt in ein Auto, das in China umgerechnet nur 33.000 Dollar kostet und 0 bis 100 km/h in 3,9 Sekunden schafft. Wir müssen befürchten, dass die deutschen Hersteller hier erstmal raus sind aus dem Rennen. Lithium-Eisen-Phosphat-Batterien sind ja noch dazu viel weniger empfindlich gegen Beschädigungen. Wenn Sie da einen Nagel reinhauen, geht die Temperatur an der Stelle gerade mal auf 50 Grad hoch. Eine Li-NMC Batterie geht in so einem Fall thermisch durch und brennt ab.

Vom Stationärspeicher ins Auto

Wie konnte BYD mit dieser Technik im Auto überraschen? "Lithium-Eisen-Phosphat gab es im Automobilbereich schon Ende der 2000er-Jahre: Als 2008 das KERS in der Formel 1 eingeführt wurde, wurde Lewis Hamilton Weltmeister – mit einer Lithium-Eisen-Phosphat-Batterie im Rücken. Die Chinesen haben ursprünglich damit gearbeitet, sind dann aber mit der internationalen Gemeinde auf NMC geschwenkt, wegen der höheren Speicherkapazität. Offenbar hat man in China jedoch nicht ganz aufgehört, sich mit Eisen-Phosphat zu beschäftigen und es durch irgendein Verfahren geschafft, die Batterien klein und kompakt zu bekommen. BYD nennt es Blade-Batterie, übersetzt also "Klingen"-Batterie. Damit kommen sie offenbar in den für mobile Anwendungen interessanten Bereich", so Fichtner. Und haben gleichzeitig das eine oder andere Rohstoffproblem weniger. Eisen ist ungleich leichter zu bekommen, als Mangan, Nickel oder gar Kobalt. Was sich offenbar auch im Preis niederschlägt.Außerdem soll die Anordnung der Batteriezellen im Akku für eine um 50 Prozent verbesserte Raumausnutzung sorgen. Batterien in Elektroautos ließen sich so also kleiner gestalten oder, bei gleichen Abmessungen, die Reichweite erhöhen.

Han EV wird das BYD-Topmodell

He Long, Chef des neuen Tochterunternehmens FinDreams, erklärt: "Wir sind bereits mit vielen Fahrzeugherstellern zu Partnerschaften für die Nutzung der "Blade Battery" in Gesprächen."

Als erstes eigenes Produkt soll das neue Topmodell von BYD Auto mit der neuen Batterie auf den Markt kommen. Vom Han EV wurde zunächst nur eine Computergrafik veröffentlicht. Inzwischen ist er in China angeblich auf dem Markt und soll 2021 auch nach Europa kommen, zunächst nach Norwegen. Ob die günstigen Preise in China (umgerechnet um die 50.000 Euro)auch in Europa gelten, bleibt abzuwarten.

Fazit

BYD ist ein globaler Underdog, aber in vielen Ländern schon seit Langem aktiv. In Europa fahren Elektrobusse des Konzerns. Der Elektro-Van BYD e6 wurde zeitweise von lokalen Unternehmen importiert. Mit dem neuen Tochterunternehmen FinDreams könnte ein großer Zulieferer für Elektroautos in China und anderen Märkten entstehen.

Mehr zum Thema Elektroauto
SuperCharge - Elektro-Rennserie - Launch-Bilder - 2020
Mehr Motorsport
Mercedes EQS Erlkönig
E-Auto
10/2020, 2022 GMC Hummer EV Edition 1
E-Auto