VW möchte beim Thema Laden nachlegen, um für die breite Masse an Elektroauto-Fahrern noch attraktiver zu werden. Gemeinsam mit der Konzerntochter Elli – die sich um alles rund ums Laden kümmert (siehe unten) – kündigt der Hersteller den neuen Tarif "We Charge City" an. Der punktet vor allem mit einem attraktiven Ladepreis von 0,39 Euro pro Kilowattstunde an 150.000 Ladepunkten in Deutschland.
City – der Name ist Programm
Der neue Tarif soll vor allem dort wirken, wo viele E-Autos im Alltag unterwegs sind: in der Stadt. Damit adressiert Volkswagen genau die Nutzergruppe, die keine eigene Wallbox hat und regelmäßig auf öffentliche Infrastruktur angewiesen ist – also vor allem Stadtbewohner und Pendler. Daher gilt das Preisversprechen auch nur an AC-Ladesäulen – also die, die mit Wechselstrom funktionieren. In der Regel geben die 11 oder 22 kW ab. Für Schnellladesäulen, die mit Gleichstrom funktionieren, gilt der Tarifpreis nicht. Dazu ist der Start von We Charge City erst für Oktober geplant und zunächst exklusiv für Fahrer des neuen VW ID. Polo zugänglich.
Giovanni Palazzo, CEO von Elli und verantwortlich für Charging & Energy im Konzern, sieht im transparenten Preis-Versprechen einen zentralen Hebel für die Elektromobilität. Verfügbarkeit und Kosten gelten nach wie vor als entscheidende Faktoren für viele potenzielle Käufer.
Fokus auf Einfachheit statt Tarifdschungel
Gerade beim AC-Laden erleben viele Nutzer immer noch ein unübersichtliches Preisgefüge mit unterschiedlichen Anbietern, Roaming-Gebühren und schwankenden kWh-Preisen. Genau hier soll das Laden stärker Teil des Fahrzeugerlebnisses werden – ohne zusätzliche Apps, ohne Tarifvergleich vor jeder Ladesession. Dass der Tarif zusammen mit dem neuen VW ID. Polo vorgestellt wurde, ist natürlich kein Zufall. Der elektrische Kleinwagen zielt klar auf den Massenmarkt und auf ein städtisches Einsatzprofil.
Mit einer WLTP-Reichweite von bis zu 454 Kilometern, einer 52-kWh-Batterie und DC-Schnellladen mit bis zu 130 kW ist er zwar auch langstreckentauglich, seine Stärke liegt aber im Alltagseinsatz. Genau dort spielt AC-Laden die größte Rolle: über Nacht, beim Einkaufen oder am Arbeitsplatz. Ein kalkulierbarer Preis von 39 Cent pro kWh könnte hier für viele Nutzer den entscheidenden Unterschied machen. Und er könnte auch das Basismodell des ID.Polo mit 37 kWh im Akku interessanter machen.
Viele Details noch offen
So konkret der kWh-Preis ist, so vage bleiben bislang die Rahmenbedingungen. Unklar ist unter anderem:
- Ob eine Grundgebühr anfällt
- Wie lange Vertragslaufzeiten sind
- Ob Blockiergebühren erhoben werden
- Welche Einschränkungen es bei einzelnen Ladepunkten gibt
Diese Punkte werden entscheidend dafür sein, wie attraktiv "We Charge City" im Alltag wirklich ist. Denn ein niedriger Arbeitspreis allein macht noch keinen guten Tarif, wenn zusätzliche Kosten hinzukommen. Immerhin soll der Tarif Teil einer größeren Strategie werden. Volkswagen will Laden und Fahrzeug stärker verzahnen. Ob "We Charge City" aber künftig auch für andere ID.-Modelle geöffnet wird, ist noch nicht bestätigt – dürfte aber als wahrscheinlich gelten.
Welche Rolle spielt Elli?
Die VW-Tochter Elli agiert mittlerweile als zentraler Energie- und Mobilitätsdienstleister des Volkswagen-Konzerns und bündelt sämtliche Aktivitäten rund um Ladeinfrastruktur und Stromversorgung. Das Unternehmen bietet privaten sowie gewerblichen Kunden Zugang zu einem großen Ladenetzwerk in ganz Europa mit über einer Million Ladepunkten und vertreibt zudem intelligente Hard- und Softwarelösungen wie Wallboxen oder Flottenmanagementsysteme. Durch die Integration der Tankkartentochter Logpay ermöglicht Elli zudem die herstellerübergreifende Abrechnung von Lade- und Tankvorgängen für gemischte Fahrzeugflotten.
Über das reine Laden hinaus entwickelt sich Elli zum Akteur auf dem Energiemarkt, indem das Unternehmen als registrierter Händler an der Strombörse agiert. Ein technischer Schwerpunkt liegt dabei auf der Implementierung des bidirektionalen Ladens, bei dem Elektrofahrzeuge als mobile Stromspeicher in das öffentliche Stromnetz integriert werden. Durch diese Vernetzung von Fahrzeugbatterien und Energiemarkt sollen sowohl die Netzstabilität erhöht als auch die Energiekosten für Endverbraucher durch intelligentes, zeitgesteuertes Laden gesenkt werden.












