Kompaktklasse gegen SUV

6 Paarungen im markeninternen Vergleich

Kompakt gegen SUV, Vergleich, ams2218 Foto: Achim Hartmann 49 Bilder

Keine Auto-Spezies kann seit Jahren solche Wachstumsraten verzeichnen wie kleine SUV und Crossover. Sind Autos wie BMW X2 oder Kia Sportage also die besseren Kompaktwagen? In sechs Duellen ergründen wir, wer mehr draufhat.

Der Qashqai war vor zwölf Jahren ein mutiger Beginn: Nissan brachte statt eines konventionellen Kompaktwagens einen Crossover, landete so einen Überraschungs-Coup und fand viele Nachahmer. Kaum ein Hersteller, der nicht in dieser Klasse ein oder gar mehrere Modelle bereithält, meist mit Erfolg. So verkauft sich der Seat Arona in diesem Jahr bisher besser als der Ibiza, der VW T-Roc schießt von null auf Platz 20 der Neuzulassungsstatistik, Hyundai bringt mehr Tucson unters Volk als i30, und Renault setzt fast exakt gleich viele Captur ab wie Clio. Mehr Platz, bessere Sicht, leichterer Einstieg, pfiffigeres Design – all das sollen die kompakten SUV und Crossoverbieten. Offenbar reicht das aus, um einen großen Teil der Kundschaft von dieser recht jungen Fahrzeugkategorie zu überzeugen.

Sechs Paarungen stellen sich hier zum markeninternen Vergleich: Wer hat im Alltag die besseren Argumente, der klassische Klein- oder Kompaktwagen oder das technisch meist sehr ähnliche hochgesetzte Parallelmodell mit mehr oder weniger intensivem Offroad-Flair?

Audi A3 Sportback oder Q2: Ist billiger hier besser?

Erstaunlicherweise ist der Subkompakt-Crossover Audi Q2 etwas billiger als der A3. Doch ist er auch das bessere Auto für den Alltag? Hier im Vergleich jeweils mit Basisbenziner und DSG.

Kompakt gegen SUV, Audi A3, Audi Q2, Vergleich, ams2218 Foto: Achim Hartmann
Der Audi A3 ist dem Q2 in vielen Belangen überlegen.

Rund 1.400 Euro beträgt der Preisunterschied zwischen dem A3 Sportback und dem günstigeren Q2, da ist der Fisch bereits geputzt, oder? Zumal der kleine Crossover ohnehin das neuere Auto ist und der A3 vor seiner Ablösung im nächsten Jahr steht. Eine der entscheidenden Zahlen in diesem Vergleich: 36 Millimeter. Um diese Winzigkeit unterschreitet der Radstand des Q2 jenen des A3 Sportback. Klingt nicht nach viel, doch die Auswirkungen auf die Platzverhältnisse sind groß. Der Sportback wirkt innen eine Klasse geräumiger und speziell hinten spürbar luftiger. Wer also häufiger Passagiere mitnimmt, ist mit dem A3 allemal besser bedient. Zumal der Q2 wegen seines coupéartigen Crossover-Zuschnitts auch noch über den beengteren Einstieg verfügt. Der etwas feinere Federungskomfort spricht ebenso für den Sportback.

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In beiden Fällen gibt der 116 PS starke Einliter-Dreizylinder wenig Anlass zu Kritik. Er bewegt die beiden Fronttriebler nicht gerade mit großem Überschwang, aber kultiviert und ausreichend temperamentvoll. Das etwas flottere Auto ist übrigens der zwar größere, aber leichtere A3 Sportback.

Fazit: Selbst wenn seine Ablösung bereits im nächsten Jahr ansteht, ist der A3 Sportback gar nicht vorgestrig. Mit gutem Platzangebot und hohem Nutzwert ist er dem Q2 hier überlegen.

BMW 1er oder X2: Ist viel teurer viel besser?


Der coupéartige SUV X2 mag schicker als der kompakte 1er wirken, doch den großen Auftritt lässt er sich im Falle des 150-PS-Diesel mit einem gut 5.000 Euro höheren Grundpreis bezahlen.

Kompakt gegen SUV, BMW 1er, BMW X2, Vergleich, ams2218 Foto: Achim Hartmann
BMW X2 ist schicker als der 1er, aber auch gut 5.000 Euro teurer.

Ja, womöglich ist einigen der 1er inzwischen zu vertraut, zu gewöhnlich, zu normal geworden. Der letzte kompakte Bayer mit Hinterradantrieb verkauft sich eben ausgezeichnet und ist entsprechend oft zu sehen.

Da liegt es nahe, mit dem X2 zu liebäugeln, dem SUV im Coupé-Stil. Ein wenig länger und 10,5 Zentimeter höher als der 1er, ist sein Auftritt frischer und auch bulliger, was die kleineren Fensterflächen unterstreichen. Nachteil dieses Konzepts: Die Rundumsicht ist schlechter, wobei das höher aufragende Cockpit dem Raumgefühl in der ersten Reihe durchaus etwas Coupé- haftes verleiht. Hinten geht es gefühlt nicht viel großzügiger zu als im 1er, das Erklimmen der serienmäßig dreigeteilten Sitzbank indes gelingt besser, weil sich die Füße leichter einfädeln lassen. Eindeutig mehr zu bieten hat der X2 hinter der Heckklappe, nämlich 470 statt 360 Liter Stauraum.

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Kleiner Kompakt-SUV aus Bayern

Und, wie fahren sie sich? Der 1er wirkt noch ein wenig agiler als der X2, der seinen Vorderradantrieb kaum spüren lässt. Auch beim Federn kommt der SUV nicht an den Kompakten heran, der zudem sparsamer und komfortabler ist. Warum also X2? Weil man ihn sehr mögen kann.

Fazit: Etwas mehr Serienausstattung rechtfertigt den deftigen Mehrpreis des X2 nicht. Er ist das modischere Auto, ja. Der 1er dagegen ist das bessere.

Kia Ceed oder Sportage: Genug Mehrwert zum Mehrpreis?

Der Kia Ceed hat seinen Apostroph verloren, doch sonst geht die dritte Generation des Kompaktwagens kräftig modernisiert an den Start. Kann er so mit dem größeren, teureren SUV Sportage mithalten?

Kompakt gegen SUV, Kia Ceed, Kia Sportage, Vergleich, ams2218 Foto: Achim Hartmann
Der Kia Sportage durchfährt Kurven mit kräftiger Seitenneigung. Der Ceed bietet viel Platz.

Ein wenig stemmt sich der Sportage ja gegen den Trend. Er ist zwar nach wie vor der meistverkaufte Kia in Deutschland, doch in diesem Jahr hat er ein leichtes Minus zu verzeichnen: bis August fast zehn Prozent weniger Neuzulassungen als im Vergleichszeitraum 2017.
Daran dürfte der neue Ceed nicht ganz unschuldig sein, den es ja seit Juni in der komplett neuen dritten Generation gibt – schlanker und moderner als der etwas klobige Sportage.

Der Eindruck verfestigt sich beim Fahren. Während der Ceed etwas untersteuernd, aber recht agil und willig durch Kurven zirkelt, wirkt der Sportage deutlich störrischer. Bei gleichem Tempo neigt er sich stärker zur Seite, die Lenkung agiert ohne rechte Rückmeldung und unsensibel.

Vorteile hat der SUV staturgemäß bei der Sitzposition – der Hüftpunkt liegt fast 15 Zentimeter höher – und beim Raumangebot, doch so richtig viel mehr Luft gibt es nur überm Scheitel. Und selbst wenn man ihn ohne Allradantrieb und mit vergleichbarer Ausstattung ordert, bleibt ein Preisaufschlag von rund 2.500 Euro für den Sportage. Auch beim Verbrauch sind die Unterschiede nicht eben gering, mit rund einem Liter mehr muss man schon rechnen.

Fazit: Die Grundcharaktere sind so verschieden, dass das Ergebnis hier „unentschieden“ lauten muss. Wenn sein Platzangebot reicht, ist der Ceed die bessere Wahl.

Mercedes A-Klasse oder GLA: Schönheit vor Alter?


Mit der MBUX-Bedienung stößt die aktuelle A-Klasse eine kleine Revolution an. Der GLA dagegen basiert noch auf dem Vorgänger. Ist der GLA 200 dennoch ein ebenbürtiger Rivale des A 200?

Kompakt gegen SUV, Mercedes A-Klasse, Mercedes GLA, Vergleich, ams2218 Foto: Achim Hartmann
Mercedes A-Klasse läuft sparsamer als GLA.

Wie schnell die Zeit vergeht, ist unschwer am GLA zu erkennen. Der kam zwar erst 2014 auf den Markt, doch seit in diesem Frühjahr die neue A-Klasse kam, wirkt er deutlich älter.

Das scheint die Kundschaft ähnlich zu sehen, bis August dieses Jahres verkaufte sich die A-Klasse mehr als doppelt so gut. Das mag auch an ihrem Design liegen, mit dem sie viel dynamischer daherkommt. Obendrein ist sie minimal größer und bietet innen mehr Platz als der knappere GLA.

Offiziell zählt der X 156 bei Mercedes zu den SUV, im wahren Leben ist er ein Crossover, sodass im Fahrvergleich keine großen Unterschiede feststellbar sind. Allerdings scheint der Motor im SUV etwas geschmeidiger zu laufen.

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Neuer Einstiegs-AMG mit 306 PS 2:15 Min.

Die Erklärung: Während dort noch der M-270-Vierzylinder mit 156 PS werkelt, kommt im A 200 bereits der neue M 282 mit 1,4 Litern und 163 PS zum Einsatz. Der dreht zwar williger, läuft etwas sparsamer und bietet die besseren Fahrleistungen, arbeitet aber etwas rustikaler, was in der gepflegten A-Klasse umso mehr auffällt. Beide kommen übrigens mit Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe für jeweils 2.094 Euro Aufpreis. Apropos Preis: Der A 200 ist nicht nur moderner, sondern auch rund 1.500 Euro preiswerter als der GLA.

Fazit: Weniger Platz, höhere Kosten, älteres Infotainment: Der GLA hat der A-Klasse hier recht wenig entgegenzusetzen.

Seat Ibiza oder Arona: Entscheidung ohne Reue?


Dem Ibiza hat Seat den kaum größeren SUV Arona zur Seite gestellt, der vieles richtig macht, nicht entscheidend mehr kostet und neben Outdoor-Flair auch habhaften Mehrwert bietet.

Kompakt gegen SUV, Seat Ibiza, Seat Arona, Vergleich, ams2218 Foto: Achim Hartmann
Im Seat Arona sitzt man höher als im Ibiza. Das ist im Stadtverkehr angenehm.

Gerade in der kleinen Klasse dreht sich ja beim Autokauf vieles ums Geld. Da können rund 800 Euro – so viel kostet der Basis-Arona mehr als der Einstiegs-Ibiza – den Ausschlag geben.

Tun sie aber nicht: Der Arona verkauft sich besser als der Ibiza, mit dem er sich nicht nur die Design-Idee der zugespitzten hinteren Seitenscheibe teilt, sondern natürlich auch die technische Basis. Dennoch ist es Seat gelungen, zwei Autos mit eigenem Charakter auf die (beim Arona serienmäßig größeren) Räder zu stellen.

In den kleinen SUV kommt man schlicht besser rein und raus, weil man einfach fünf Zentimeter höher sitzt – Vorteile beim Blick aufs Verkehrsgetümmel inklusive.Und wenn es Gepäck zu verstauen gilt, schluckt der Arona locker eine Reisetasche mehr als der kleine Bruder und erfreut beim Beladen trotz elf Zentimetern mehr Gesamthöhe sogar mit der etwas niedrigeren Ladekante.

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Darf es etwas weniger sein?

Das, die serienmäßige elektronische Differenzialsperre, die im Detail hochwertigeren Materialien und die wie beim Ibiza quirlige, vom Höhenwachstum nur minimal gedämpfte Agilität machen den Arona zu einem Kumpeltyp, für den viele wohl gern etwas tiefer in die Tasche greifen. Der Ibiza ist etwas sparsamer? Ja, aber der Arona ist einfach cooler.

Fazit: Für relativ wenig Geld bietet der Arona mehr Alltagsnutzen – und auch mehr Charakter.

VW Golf oder T-Roc: Rockt er den Golf?


Manche spotten ja, der T-Roc müsse die hinteren Kotflügel der alten E-Klasse W 212 auftragen. Aber Vorsicht: Der neue Klein-SUV von VW kann was und macht dem Dauerbrenner Golf heftig Konkurrenz.

Kompakt gegen SUV, VW Golf, VW T-Roc, Vergleich, ams2218 Foto: Achim Hartmann
Der VW T-Roc ist als SUV eine gute Alternative zum Golf.

Dass der Golf der Deutschen liebstes Auto ist, zeigt sich an jeder Kreuzung, in jedem Parkhaus, in jeder Straße. Mindestens einer ist da immer.

Der T-Roc wird daran nichts ändern, nicht jeder möchte schließlich SUV fahren. Doch wer offen ist für Neues, wird den momentan kleinsten VW-SUV nur mögen können. Okay, die Kunststoffe zeigen hier und da nicht die Wertigkeit des Erfolgs-Kompakten, und statt eines Dämpfers hält eine Stange die Motorhaube beim Ölstands-Check hoch. Aber das sind Petitessen, auch angesichts des Preises, der im Falle unserer Einliter-TSI knapp 400 Euro unter dem des Fünftürer-Golf liegt.

Denn der T-Roc, der sich wunderbar mit Zweifarblack aufpeppen lässt, hat so manchen Joker im Ärmel. Zum Beispiel verfügt er über den größeren Kofferraum und setzt seinen Fahrer gleich um elf Zentimeter höher – gut für die Übersicht.

So kommt der Polo-SUV 1:30 Min.

Die Platzverhältnisse ähneln sich sehr, obwohl der T-Roc ein wenig luftiger geschnitten scheint. Federungs- und Sitzkomfort? Hier wie da schlicht gut. Die fünf Mehr-PS des T-Roc merkt man nicht, die Spitze des Golf ist ein wenig höher bei weniger Windrauschen. Auch die Verbräuche liegen dicht beieinander. Selten war Wechseln so leicht.

Fazit: Der pfiffige T-Roc kostet weniger als der Golf und bietet mehr Platz und Nutzwert. So macht der modische SUV Sinn.

Fazit

Das Ergebnis ist alles andere als eindeutig. Es kommt schlicht zu sehr auf individuelle Ansprüche und aufs Portemonnaie an. So schießt sich der X2 wegen seines Preises ins Aus, während der Q2 dem teureren, aber geräumigeren und komfortableren A3 Sportback unterliegt. Platz, Komfort und das neuere Infotainment bringen die neue A-Klasse gegenüber dem GLA nach vorn, während Kia Ceed und Sportage so verschieden sind, dass nur das Nutzungsprofil entscheiden kann. Überraschung bei Seat und VW: Da punkten die SUV durch ihr SUV-Sein – und der T-Roc auch beim Preis.

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