Immer mehr Menschen setzen auf Ganzjahresreifen. Die Gründe dafür liegen vorwiegend im Komfortgewinn und der Kostenersparnis, da der halbjährliche Wechsel und die Einlagerung eines zweiten Radsatzes entfallen. Technisch gesehen müssen diese Reifen jedoch einen anspruchsvollen Kompromiss eingehen: Sie sollen bei sommerlicher Hitze ebenso sicher funktionieren wie auf Schnee und Eis. Ob und wie gut das den Herstellern gelingt, hat der ADAC im aktuellen Ganzjahresreifentest untersucht.
Für den umfassenden Test prüfte der ADAC 16 Modelle in der weit verbreiteten Dimension 185/65 R15 für Kleinwagen. Das Testfahrzeug war ein Skoda Fabia.
An der Spitze des Testfeldes platziert sich mit dem Continental AllSeasonContact 2 ein einziger Reifen mit dem Gesamturteil "gut". Er sichert sich die Gesamtnote 2,3 und punktet insbesondere durch seine hohe Fahrsicherheit, die er über alle Jahreszeiten hinweg konstant unter Beweis stellt. Ein kleiner Wermutstropfen ist die prognostizierte Laufleistung von 41.300 Kilometern, die leichte Abstriche in der Umweltbilanz zur Folge hat.
Dicht dahinter positionieren sich mit einer identischen Gesamtnote von 2,6 der Pirelli Cinturato All Season SF 3 und der Michelin CrossClimate 2. Dass sie den Anschluss an den Testsieger verpassen, liegt an unterschiedlichen Schwächen: Während der Pirelli weniger Grip auf winterlichen Straßen bietet, zeigt der Michelin Defizite auf nasser Fahrbahn. Im Gegenzug können beide Modelle bei der Umweltbilanz überzeugen, die unter anderem den Reifenabrieb berücksichtigt. Hier setzt sich der Michelin sogar mit dem Bestwert im gesamten Test an die Spitze dieser Einzeldisziplin.
Breites Mittelfeld und klare Verlierer im Test
Hinter der Spitzengruppe reihen sich weitere fünf Reifen im Mittelfeld ein, darunter Modelle von Vredestein, Hankook und Goodyear. Sie alle zeigen in mindestens einer Disziplin Schwächen, sei es auf nasser, trockener oder winterlicher Strecke. Während einige davon noch mit einer guten Umweltbilanz punkten, fallen andere durch eine geringere Laufleistung auf. Für Fahrer mit einem entsprechenden Fahrprofil, wie etwa Wenigfahrer, können sie dennoch eine akzeptable Wahl sein.
Keine Kaufempfehlung spricht der ADAC für drei Reifen aus, die als "ausreichend" bewertet wurden: Nexen N'Blue 4Season 2, Dunlop All Season 2 und Milever All Season Versat MC545. Diese Kandidaten zeigen deutliche Defizite auf trockener Fahrbahn. Der Dunlop beispielsweise überzeugt zwar auf Schnee, doch das unausgewogene Gesamtbild disqualifiziert ihn als zuverlässigen Ganzjahresreifen.
Von fünf Modellen am Ende des Testfeldes wird gänzlich abgeraten. Die Reifen von Norauto, Bridgestone, Mastersteel, Roadhog und Tomason erhielten die Note "mangelhaft", da sie erhebliche Schwächen auf winterlichen Straßen aufweisen. Ihnen fehlt es an grundlegendem Grip, was ihre Wintertauglichkeit trotz des offiziellen Alpine-Symbols auf der Reifenflanke stark infrage stellt. Alle Ergebnisse sehen Sie in dieser Tabelle.

Nicht immer ist das neueste Modell verfügbar
Ein interessantes Detail des Tests ist die Modellpolitik einiger Hersteller in kleineren Reifendimensionen. Nicht immer kommt hier die neueste Reifengeneration zum Einsatz. So ist bei Bridgestone der Weather Control A005-Evo im Test vertreten, obwohl in größeren Dimensionen bereits der Nachfolger Turanza All Season 6 verfügbar ist. Bei Michelin ist es ähnlich, statt des neueren CrossClimate 3 gibt es hier nur den älteren CrossClimate 2 in der Testgröße.
Die Auswirkungen auf die Leistung sind dabei unterschiedlich. Der ältere Bridgestone Weather Control A005-Evo entspricht mit der Testnote 5,3 nicht mehr dem aktuellen Stand der Technik. Grund dafür ist sein schlechtes Abschneiden auf winterlicher Fahrbahn. Im Gegensatz dazu beweist der Michelin CrossClimate 2, dass auch ein Vorgängermodell überzeugen kann. Er platziert sich mit einer Gesamtnote von 2,6 unter den besten drei Reifen im Testfeld.
Kompromiss in Gummi und Profil
Die Vor- und Nachteile von Ganzjahresreifen ergeben sich direkt aus ihrer Konstruktion. Der offensichtlichste Vorteil ist der Wegfall des Reifenwechsels im Frühling und Herbst. Es fallen weder Werkstatt- noch Lagerkosten an und man spart sich die Anschaffungskosten für einen zweiten Reifensatz.
Diesem Komfort steht ein technischer Kompromiss gegenüber. Stellt man einen Ganzjahresreifen neben einen Winterreifen, fallen die Unterschiede im Profil auf. Der Winterreifen besitzt deutlich mehr und feinere Einschnitte, sogenannte Lamellen. Diese verbessern die Haftung auf Schnee und Eis. Beim Abrollen fächern sich die Lamellen auf und sorgen für eine Art Verzahnung mit dem Untergrund. Beim Entlasten zieht sich das Profil wieder zusammen und entfernt Schnee und Eis aus den Einschnitten. Ein Ganzjahresreifen hat davon weniger.
Ebenso wichtig ist die Gummimischung. Bei niedrigen Temperaturen muss die Lauffläche eines Winterreifens sehr elastisch bleiben. Ein Ganzjahresreifen, der auch im Sommer funktionieren muss, benötigt eine andere Zusammensetzung. Wäre sein Gummi bei Kälte bereits sehr weich, könnte er die Kräfte bei hohen Sommertemperaturen möglicherweise nicht mehr gut übertragen. In Tests zeigen Allwetterreifen daher oft längere Bremswege und eine geringere Fahrstabilität. Die neuesten Modelle können hier aber, wie der ADAC-Test zeigt, mittlerweile gut mithalten.
Für wen sich der Kauf lohnt – und für wen nicht
Ganzjahresreifen eignen sich für ein klar definiertes Profil. Wer eine geringe Kilometerlaufleistung im Jahr hat, sorgt mit Allwetterreifen für einen sinnvollen Verschleiß, anstatt die Reifen ungenutzt aufgrund ihres Alters entsorgen zu müssen. Sie sind eine preisgünstige Wahl für Fahrer, die in einer Gegend mit wenig Schneefall wohnen und mit ihrem Kleinwagen meistens in der Stadt unterwegs sind. Die wichtigste Voraussetzung ist, bei Schnee- und Eisglätte das Auto sicher stehen lassen und auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigen zu können.
Von Ganzjahresreifen ist generell abzuraten, wenn man auf das Fahrzeug angewiesen ist. Pendler, die bei jedem Wetter fahren müssen, sind mit Spezialreifen sicherer unterwegs. Wer gerne in den Winterurlaub fährt, für den führt kein Weg am Winterreifen vorbei. Oft wird jedoch auch die Belastung im Sommer unterschätzt. Bei hohen Temperaturen und einem voll beladenen Auto für die Urlaubsfahrt sind auch Ganzjahresreifen im Grenzbereich unterwegs. Für regelmäßige lange Urlaubsfahrten oder bei häufiger hoher Zuladung sind sie daher nicht die beste Wahl.












