Keyless-Systeme im Test: Diese Autos sind Diebstahlsicher - diese nicht

Keyless-Systeme im Test
Diese Autos sind sicher vor Diebstahl

ArtikeldatumVeröffentlicht am 19.08.2026
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710 Modelle im ADAC-Test, also rund 84 Prozent, ließen sich mit einem selbst gebauten Funkverlängerer illegal öffnen. Bei 682 Fahrzeugen konnten die Tester anschließend auch den Motor beziehungsweise den Antrieb starten.

Allerdings zeigen die Ergebnisse große Unterschiede zwischen Herstellern, Modellen und Modelljahren. 68 der getesteten Fahrzeuge weist der ADAC ausdrücklich als besser mit Ultra-Wideband-Technik (UWB) geschützt aus. Bei ihnen ließ sich die verwendete Funkverlängerung nicht erfolgreich einsetzen. Bei weiteren Fahrzeugen scheiterte der Angriff ebenfalls, ohne dass der ADAC in seiner Liste UWB als Grund nennt.

Bei diesen Marken waren alle getesteten Keyless-Modelle angreifbar

Besonders auffällig ist die Bilanz bei 17 Marken. Bei allen dort vom ADAC untersuchten Keyless-Modellen war ein Angriff möglich. Die Aussage bezieht sich allerdings nur auf die tatsächlich getesteten Fahrzeuge und Ausführungen. Sie bedeutet nicht, dass zwangsläufig jedes Auto der jeweiligen Marke betroffen ist. Der ADAC weist selbst darauf hin, dass zu nicht untersuchten Fahrzeugen keine belastbaren Aussagen möglich sind.

Auch Fahrzeuge anderer Hersteller können betroffen seinBei Audi ließen sich beispielsweise die getesteten A3 mit Erstzulassung 2015 und 2017 öffnen und starten. Beim A3 mit Erstzulassung ab 2020 scheiterte die Attacke dagegen, der ADAC weist bei diesen Fahrzeugen UWB als besseren Schutz aus. Auch ältere Audi A4, A6 und Q2 waren in den Tests angreifbar. Vergleichbare Unterschiede zwischen Modellgenerationen gibt es unter anderem bei BMW, Mercedes, Škoda und Volkswagen.

So funktioniert der Keyless-Angriff

Fundierte Kenntnisse, etwa zum Hacken oder Entschlüsseln von Daten, sind nicht notwendig, um ein mit "Keyless-Go" ausgestattetes Fahrzeug zu öffnen. Dafür reicht ein frei und legal erhältlicher Reichweitenverlängerer, mit dem die Tester die Fahrzeuge in Sekundenschnelle öffnen und wegfahren konnten, ohne sichtbare Spuren zu hinterlassen.

Der Trick: Diebe müssen mit einem Gerät in der Nähe des Schlüssels sein und mit einem zweiten Gerät in der Nähe der Autotür. Die Funksignale werden so über mehrere hundert Meter verlängert, erklärt der ADAC. Das funktioniert auch dann, so der Autoclub "wenn der Schlüssel im Haus liegt oder der Besitzer im Biergarten sitzt mit Schlüssel in der Hosentasche". Beide Reichweitenverlängerer, deren Bauteile auch in jedem Elektronikladen für rund 100 Euro zu kaufen sind, lassen sich mit geringem Aufwand bauen.

ADAC Keyless-Go-Test
ÖAMTC

Keine Einbruchsspuren können zum Problem werden

Läuft der Motor einmal, bleibt er, bis der Tank leer ist, auch in Betrieb. Gegebenenfalls kann der Dieb das Auto bei laufendem Motor tanken. Dadurch, dass keine Einbruchspuren am Fahrzeug zu sehen sind, laufen Fahrzeugbesitzer zudem Gefahr in den Verdacht des Versicherungsbetrugs zu kommen, wenn das geklaute Auto mit abgestorbenem Motor zurückgelassen wird.

Die Sicherheitslücke besteht darin, dass das Fahrzeug lediglich ein ausreichend starkes beziehungsweise nahes Signal des Schlüssels erkennt. Es kann bei klassischen Systemen nicht zuverlässig feststellen, ob sich der Schlüssel tatsächlich unmittelbar am Auto befindet oder das Signal künstlich über eine größere Entfernung weitergeleitet wird.

UWB schützt gegen die Funkverlängerung

Hersteller können ihre Keyless-Modelle durch den Einsatz digitaler Funktechnik sicherer gestalten. Diese Technik nutzt Computerchips mit Ultra-Wide-Band (UWB)-Technologie im Schließsystem, wodurch die Entfernung des Schlüssels zum Fahrzeug präzise anhand der Laufzeit der Funksignale ermittelt wird. Dadurch bleibt das Fahrzeug unempfindlich gegenüber den vom ADAC verwendeten Funkverlängerungen. Der ADAC konnte bislang kein von ihm als UWB-geschützt ausgewiesenes Fahrzeug mit dieser Methode öffnen und wegfahren.

Jaguar Land Rover war der erste Autohersteller, der diese Technologie seit 2018 in neuen Modellen integriert hat. Neben dem Discovery wird laut Herstellerangaben die neue Keyless-Technologie auch in den Modellen Range Rover, Range Rover Sport, Jaguar E-Pace und i-Pace eingesetzt.

Seit 2019 sind zudem Modelle von Audi, Cupra, Seat, Škoda und Volkswagen mit UWB-Technologie geschützt. Die aktuelle ADAC-Liste (siehe Fotoshow) nennt beispielsweise Audi A3, Q3, Q4 und Q6 e-tron, Cupra Born, Formentor und Leon sowie Škoda Enyaq, Elroq, Kodiaq, Octavia und Superb. Bei Volkswagen finden sich unter anderem Golf 8, ID.3, ID.4 GTX, ID.5, ID.7, ID. Buzz, Caddy, Tayron, Tiguan und T7. Auch hier gilt, dass ältere Generationen derselben Baureihe teilweise noch angreifbar sind.

Bewegungssensor schützt nur bei ruhendem Schlüssel

Einige Hersteller setzen bei ihren Keyless-Go-Systemen auf Bewegungssensoren im Schlüssel. Wird dieser für eine gewisse Zeitspanne nicht bewegt, schaltet sich das Funksignal ab. Der ADAC hat solche Bewegungssensoren inzwischen bei 115 getesteten Fahrzeugen festgestellt. Im Test wartet der Club fünf Minuten. Schaltet sich der Schlüssel innerhalb dieser Zeit ab, wird der Bewegungssensor in der Liste vermerkt.

Der Autoclub hält diese Form der Sicherung allerdings für weniger wirksam als UWB. Solange der Schlüssel bewegt wird, bleibt das Funksignal aktiv. Das kann beispielsweise der Fall sein, wenn der Besitzer unterwegs ist und den Schlüssel in der Hosentasche trägt. In dieser Situation kann die Funkverlängerung weiterhin funktionieren.

So schützen Sie sich vor Diebstahl

  • Besitzer eines Autos mit Keyless-Schließsystem sollten in der Betriebsanleitung überprüfen, ob das System deaktivierbar ist. Dies kann das Fahrzeug vor unbefugtem Zugriff schützen, allerdings geht dabei der Keyless-Komfort verloren.
  • Vor dem Autokauf den Sicherheitsaspekt des Keyless-Systems berücksichtigen und gegebenenfalls auf ein solches System verzichten.
  • Das Fahrzeug über Nacht nach Möglichkeit in einer verschlossenen Garage abstellen.
  • Den Funkschlüssel in Innenräumen nicht in der Nähe von Außentüren, Außenwänden oder Fenstern aufbewahren.

Damit können Sie sich behelfen

Den Schlüssel in eine Metalldose, ein abschirmendes Etui, einen Kochtopf mit Deckel oder in Alufolie zu legen, kann helfen, wenn alle Funkstrahlen vollständig abgeschirmt werden. Um die Wirksamkeit zu testen, den Schlüssel in das jeweilige Behältnis legen und verschließen, dann in die Nähe der Fahrertür mit weniger als einem Meter Abstand treten und prüfen, ob das Auto sich öffnen oder verriegeln lässt. Falls ja, ist die Methode nicht effektiv.

Nachrüstlösungen mit elektronischen Schutzschaltungen können den für das Öffnen und Starten wichtigen Stromkreis unterbrechen. Diese Lösungen erfordern jedoch häufig ein zusätzliches Keyless-System, das ebenso anfällig für Manipulationen sein kann wie das ursprüngliche System. Dies wurde von ehemaligen Forschern der Uni Magdeburg aufgezeigt.

Den Schlüssel im Kühlschrank aufzubewahren könnte theoretisch funktionieren, ist jedoch nicht praktikabel. Funkstrahlen könnten durch die Dichtung oder eine Glastür dringen. Zudem kann die Batterie durch die Kälte an Leistung verlieren, und die Elektronik könnte durch Feuchtigkeit beschädigt werden. Daher wird von dieser Methode abgeraten.

Fazit