Gemeinsame Projekte der Volkswagen-Töchter Audi und Porsche stehen aktuell unter keinem guten Stern. Bei der Nachfolge für den Bestseller Macan hatte sich Porsche anders als Audi beim eng verwandten Q5 gegen die Neuauflage eines Verbrennermodells entschieden und nur ein E-Modell an den Start gebracht. Das verspätete sich noch dazu im Gleichschritt mit dem entsprechenden Schwestermodell Audi Q6 massiv. Die Absatzzahlen von Porsche zeigen durchaus Bremsspuren der abrupten Antriebswende beim "Volumenmodell" und inzwischen hat auch Ex-Porsche-CEO Oliver Blume das Verbrenner-Aus beim Macan (in Europa) als Fehler bezeichnet. Ein SUV in Macan-Größe mit Verbrenner- und PHEV-Antrieben will Porsche jetzt neu entwickeln. Es kommt aber erst 2028 auf den Markt. Ob es dann noch den ganz großen Verkaufserfolg bringt, bezweifeln nicht wenige.
Blume-Nachfolger Michael Leiters wird aber wohl die offenbar zu schnelle Antriebswende im Porsche-Modellprogramm in weiten Teilen rückabwickeln. Erstes Opfer könnte die seit Jahren in Form von Erlkönigen auf den Straßen herumfahrende Nachfolger-Baureihe des 718 Cayman bzw. Boxster sein. Die sollte unter Blume rein elektrisch angetrieben sein. Ambitioniert – zeichneten sich die Einstiegszweisitzer im Porsche-Portfolio immer durch vergleichsweise geringes Gewicht und emotionalen Motorklang aus. Musste Porsche schon den neuen Vierzylinder-Boxermotoren wieder Sechszylinder an die Seite stellen, sollten diese in einer Antriebswende rückwärts auch im elektrischen Nachfolger zur Wahl stehen. Schwer vorstellbar, wie das mit der neuen Elektro-Plattform funktionieren sollte. Davon abgesehen waren die Zweisitzer bislang weit davon entfernt, Bestseller im Porsche-Programm zu sein wie der Macan. Das mag das Risiko verringern, wegen der E-Version viel Volumen zu verlieren, macht aber auch jegliche Skalierung schwierig.
Aufwändige Plattform für 718
Die Basis des elektrischen 718 ist nämlich vergleichsweise proprietär. Denn anders als bei den meisten E-Autos sollte die Batterie im Sinn geringer Fahrzeughöhe und möglichst ausgewogener Gewichtsverteilung hinter den beiden Sitzen Platz finden – da, wo zuvor der Mittelmotor platziert war. Schöne Idee und die Prototypen fuhren sensationell. Aber die Einbaulage des Akkus bereitet offenbar bei der Kühlung Probleme und die Batterie sollte zu allem Überfluss von Northvolt kommen, wie das Handelsblatt meint. Northvolt ist bekanntermaßen Geschichte. Aber selbst wenn die Porsche-Tochter Cellforce bei der Batterie hätte helfen sollen: Hier hat Porsche selbst die Reißleine gezogen.
Der wohl vor den zahlreichen Schwierigkeiten gefasste Plan, den Entwicklungsaufwand auch für andere Modelle im Konzern zu nutzen, war im Sinne von Synergien klug. Da traf es sich gut, dass Audi unter Gernot Döllner die Marke mit neuen Impulsen bei Design und der Revitalisierung des Slogans "Vorsprung durch Technik" für seine sportlichen Ikonen TT und R8 einen Nachfolger auf die Räder zu stellen. Den zeigte Döllner als erste Fingerübung des neuen Designchefs Massimo Frascella erst bei einem großen Reveal-Event in Mailand, dann auf der IAA 2025 in München und versprach, dass es von der spektakulären Studie Concept C ein Serienmodell geben sollte. "Das Concept C ist der erste sichtbare Beleg für die Veränderung von Audi als Unternehmen", hob Döllner die Bedeutung des Nischenmodells hervor. Technische Basis des Audi Concept C: der elektrische Porsche 718.
Ohne Porsche 718 kein E-Sportwagen von Audi?
Und genau in der an sich gut gemeinten Doppelverwendung der technischen Plattform liegt nun das Problem. Stellt Porsche unter Leiters die Entwicklung der E-Plattform des 718 ein, "belastet das wahrscheinlich auch die Pläne von Audi-Chef Gernot Döllner für den Neustart der Marke", so das Handelsblatt. Gernot Döllner ist seit 2023 Audi-CEO. Zu dem Zeitpunkt waren zahlreiche Baureihen für Neuauflagen überfällig, die sich aber wie beim Q6 oder A6 E-tron verzögerten. Einen sichtbaren Neustart plant Döllner eben mit dem Modell Concept C. Dessen Produktion soll so konzipiert seine, dass es selbst bei der Karosse möglichst viele Gleichteile mit dem 718 gibt, um Kostenvorteile zu erzielen. Das wird nur nichts, wenn Porsche den 718 kippt. Audi wollte sich auf Anfrage des Handelsblattes nicht zu möglichen Problemen rund um die Porsche-Plattform äußern und ließ offenbar auch die Frage zur Zukunft des Concept C offen.
Dabei soll der Elektro-Sportwagen mit Klappdach noch 2027 auf den Markt kommen. Weitere Neuheiten, die natürlich der künftigen Designsprache des Serien-Zweisitzers folgen sollen, sind nämlich für Mitte 2028 geplant. Ihre technische Basis soll dann wohl Volkswagens Einheitsplattform SSP sein. Die befindet sich allerdings noch in der Entwicklung und wurde bereits mehrfach verschoben. Grund: das leidige Software-Thema, das für die westlichen Märkte am Joint-Venture mit Rivian hängt. So könnte die SSP nach dem 718 womöglich der nächste Wurfanker auf Audis Fahrt in die Zukunft werden.












