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City-Notbremsassistent wird in der EU Pflicht und schwächelt bei Dunkelheit

City-Notbremsassistent wird Pflicht Assistenz-System schwächelt bei Dunkelheit

City-Notbremsassistenten gibt es bereits bei vielen Neuwagen serienmäßig, bald werden sie zur Pflicht. Doch eine neue Untersuchung des Verbandes der US-Autoversicherer erkennt erhebliche Mängel bei Dunkelheit.

Automatische Notbremsassistenten ("Automatic emergency braking", kurz: AEB) in Pkw messen mit Sensoren den Abstand zu vorausfahrenden Fahrzeugen und registrieren Werte wie Beschleunigung, Lenkwinkel und Pedalstellung. Droht eine Kollision, erfolgt eine Reihe von Warnungen. Außerdem wird ein Bremsvorgang unterstützt oder automatisch ausgelöst, im Ernstfall bis zum Stillstand. Die für Stadtverkehrs-Geschwindigkeiten von unter 60 km/h gedachten City-Notbremsassistenten erkennen inzwischen teilweise auch Fußgänger und Radfahrer.

Im besten Fall hilft die Technik, Unfälle komplett zu vermeiden oder deren Schwere abzumildern. Und weil das System zweifellos sinnvoll und nützlich ist, die Zahl von Unfällen sowie dabei verletzten und getöteten Menschen zu verringern, haben sich die Mitglieder des "Weltforums für die Harmonisierung fahrzeugtechnischer Vorschriften" im Februar 2019 darauf geeinigt, es für Neuwagen zur Pflicht zu machen.

Pflicht-Ausstattung ab 6. Juli 2022

In der EU sind City-Notbremsassistenten vom 6. Juli 2022 an für alle neu typgenehmigten Pkw vorgeschrieben; zwei Jahre später muss jeder neu zugelassene Personenwagen über ein solches System verfügen. Zu diesen Stichtagen müssen sie mindestens Hindernisse und bewegte Fahrzeuge vor dem Auto erkennen. In einer zweiten Phase müssen sie auch auf Radfahrer und Fußgänger reagieren können. Eine Terminierung steht hier aber noch nicht fest.

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Eine neue Untersuchung des Verbandes der US-Autoversicherer IIHS (Insurance Institute for Highway Safety) sieht allerdings noch Defizite bei den bisher verbreiteten Systemen. Die Organisation hat überprüft, wie gut automatische Notbremsassistenten auf Fußgänger reagieren. Bei Helligkeit oder gut beleuchteten Straßen bringen sie einen spürbaren Fortschritt: Die Unfallraten waren bei Autos, die mit dieser Technik ausgerüstet waren, um 27 Prozent niedriger als bei Fahrzeugen ohne AEB. Die Zahl der Unfälle mit Verletzten sank sogar um 30 Prozent.

Starke Abhängigkeit von den Scheinwerfern

Ein anderes Bild zeigte sich dagegen bei Dunkelheit. Hier erkannten die IIHS-Tester keine Unterschiede zwischen Fahrzeugen mit und ohne AEB-Systemen. "Leider zeigt die Studie, dass diese Systeme bei Dunkelheit, wo drei Viertel der tödlichen Fußgängerunfälle passieren, weit weniger effektiv sind", sagt Jessica Cicchino, die IIHS-Vizepräsidentin für Forschung sowie Autorin der Untersuchung. Im Test traten acht Kompakt-SUV an, wobei sich ein klarer Zusammenhang zwischen der Qualität der Scheinwerfer und der Performance des automatischen Notbremsassistenten zeigte (siehe Diagramm). Kurzum: Je besser das Licht, desto souveräner agiert die AEB-Technik.

02/2022, IIHS-Überprüfung automatische Notbremsassistenten Diagramm Grafik
Insurance Institute for Highway Safety IIHS
Acht Kompakt-SUV-Modelle im AEB-Vergleich der IIHS.

Bei ihrem Test untersuchte die IIHS zudem fast 1.500 polizeilich in den USA gemeldete Unfälle mit einer Vielzahl von Fahrzeugen verschiedener Hersteller aus den Modelljahren 2017 bis 2020. Dabei spielten demografische Faktoren wie Alter und Geschlecht der Fahrerin oder des Fahrers ebenso eine Rolle wie fahrzeugspezifische Aspekte sowie die jeweilige Unfallsituation. Die Ergebnisse zeigen obendrein, dass die bisher eingesetzten Systeme vor allem bei niedrigen Geschwindigkeiten große Fortschritte bringen. Lag das Tempolimit jedoch oberhalb von 50 mph (80,5 km/h), lag die Unfallhäufigkeit bei mit AEB ausgerüsteten Autos auf dem Niveau von Fahrzeugen, die ohne das Sicherheits-System auskommen müssen.

Strengerer Sicherheitstest

Entsprechend fordern die US-Versicherer, die Performance der Bremsassistenten nicht nur bei Dunkelheit, sondern auch bei höheren Tempi zu verbessern. Um den Druck auf die Industrie zu erhöhen, will die IIHS ihren Test, bei dem das generelle Sicherheits-Niveau von neu auf dem US-Markt eingeführten Automodellen überprüft wird und der im Idealfall in einem Gütesiegel resultiert ("Top Safety Pick"), künftig strenger gestalten und die Anforderungen erhöhen.

In der Fotoshow zeigen wir Ihnen, welche Sicherheits-Systeme in der EU ab Sommer 2022 (für neue Typgenehmigungen) beziehungsweise Sommer 2024 (für alle neu zugelassenen Pkw) vorgeschrieben sind.

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Fazit

Die EU führt verpflichtend automatische Notbremsassistenten in Pkw ein. Das dürfte die Zahl von Unfällen, Verletzten und Getöteten spürbar verringern. Allerdings haben die Systeme bei Dunkelheit und hohen Geschwindigkeiten noch Defizite, wie eine Untersuchung der US-Institution IIHS ergab.

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