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Nikola-Brennstoffzellen-Chef geht: Start-up im Abwärtsstrudel

Nikola-Brennstoffzellen-Chef geht Wasserstoff-Start-up weiter im Abwärtsstrudel

Während das Lkw-Start-up Nikola versucht, das Vertrauen von Investoren zurückzugewinnen, geht der Leiter für die Brennstoffzellen-Entwicklung von Bord.

Nach Betrugsvorwürfen und den daraufhin folgenden deutlichen Lockerungen der Kooperationen mit GM und Bosch, versucht das Lkw-Startup Nikola wieder bei Investoren zu punkten. Die in Phoenix (US-Bundesstaat Arizona) ansässige Firma hatte einen neuen Geschäftsplan vorgestellt, in dem sie den Zeitplan für die Einführung von zwei Brennstoffzellen-Trucks auf dem nordamerikanischen Markt konkretisiert. Vertrauen in die Zukunft des Unternehmens scheinen aber nun nicht mal mehr die eigenen Führungskräfte zu haben: Mit Jesse Schneider verlässt jetzt der Chef der Brennstoffzellen-Entwicklung die Firma. Schneider möchte die "Möglichkeiten der Wasserstoff-Industrie nutzen" – in Nikola sieht er anscheinend nicht mehr so eine Möglichkeit.

Aktienwert bricht ein

Jesse Schneider hat bei Nikola drei Jahre lang die Abteilung zur Entwicklung von Brennstoffzellen geleitet. Sein Abgang hat die Nikola-Aktie um fünf Prozent einbrechen lassen. Vor Bekanntwerden der von einem Investor vorgetragenen Betrugsvorwürfe war Nikola an der Börse 26 Milliarden Dollar wert (aktuell umgerechnet zirka 21,9 Milliarden Euro). Inzwischen ist dieser Wert auf fünf Milliarden Dollar (4,21 Milliarden Euro) eingebrochen. Auch wenn fünf Milliarden Dollar immer noch viel Geld sind, so war die Aktie doch vor Kurzem eben noch mehr als fünfmal soviel wert.

Bis zu 1.448 Kilometer Reichweite

Laut dem neuen Geschäftsplan wollte Nikola seine wasserstoffbetriebenen Lkw nach einem rein batterieelektrischen Truck mit dem Modellnamen Tre auf den Markt bringen. Wie weit die Amerikaner aktuell mit der Entwicklung ihres Batterie-Lkw sind, ist unbekannt. Die Wasserstoff-Variante des Tre möchte Nikola Mitte 2023 als Serienmodell anbieten, der größere Two soll im dritten Quartal 2024 als FCEV (fuel cell electric vehicle) auf den Markt kommen. Der Tre ist mit einer flachen Front versehen (Cab over) und soll mit einer Ladung Wasserstoff bis zu 500 Meilen (805 Kilometer) schaffen. Der Two ist mit einer langen Haube und einer Schlafkabine (sleeper cab) versehen – für ihn verspricht Nikola eine maximale Reichweite in Höhe von 900 Meilen (1.448 Kilometer).

Ob hinter Nikolas Ankündigungen mehr steckt als nur heiße Luft, ist unbekannt – das Startup hat mit gefakten Wasserstoff-Lkw-Fahrten und unwahren Behauptungen das Vertrauen der Anleger gründlich zerstört.

GM und Bosch ziehen sich teilweise zurück

GM hat bekanntgegeben, sich nicht, wie geplant, mit zwei Milliarden Dollar am Lkw-Startup Nikola zu beteiligen. Jetzt zieht sich auch Bosch teilweise aus dem Projekt zurück – die von einem Investor erhobenen Betrugsvorwürfe gegen die Elektro- und Brennstoffzellen-Lkw-Spezialisten haben das Vertrauen in das junge Unternehmen nachhaltig beschädigt. Die deutschen Automobil-Zulieferer Bosch und Mahle unterstützen Nikola bei der Entwicklung ihrer Antriebe. Bosch ist an dem börsennotierten Unternehmen mit 6,4 Prozent beteiligt – nach Ablauf der Mindesthaltedauer reduzieren die Schwaben jetzt ihren Anteil auf 4,9 Prozent. Während Nikola diesen Schritt nicht kommentiert, hat ein Sprecher von Bosch-USA betont, dass das Investment vor allen Dingen dafür gedacht war, die Entwicklung von Wasserstoff-Brennstoffzellen-Antrieben voranzutreiben. Einen Grund für den plötzlichen Teilausstieg nannte er nicht.

11/2018, Nikola Tre
Nikola
Erst steigt GM aus, jetzt ein Teilausstieg von Bosch: Ob Nikola tatsächlich Batterie- und Brennstoffzellen-Lkw auf die Straße bringt, ist inzwischen fraglich (im Bild ein Nikola Tre).

Zuerst Batterie-Lkw

Der Wirtschafts-Nachrichtendienst Bloomberg meldet, dass Bosch die Brennstoffzellen der Nikola-Europa-Lkw liefern soll. In den USA soll GM die Brennstoffzellen bereitstellen. Geht es nach Nikola, kommen vorher aber batterieelektrische Lkw auf den Markt, die das Startup zusammen mit Iveco in Ulm baut.

GM degradiert Nikola zum reinen Kunden

Noch im September waren die Verantwortlichen bei Nikola guter Dinge: Investoren und die Öffentlichkeit glaubten dem Nutzfahrzeug-Startup, dass es in naher Zukunft den Markt mit Batterie- und Brennstoffzellen-Fahrzeugen aufmischen könnte. Sein Sattelschlepper One sollte beispielsweise ein ernsthafter Konkurrent für Teslas Semi Truck sein. Dann schaute ein Investor genauer hin und fühlte sich betrogen – unter anderem fuhr anscheinend der vorgestellte Prototyp des One nicht mit Wasserstoff, sondern mit einem Erdgasbetriebenen Verbrennungsmotor. Nikola-Chef Trevor Milton musste zurücktreten und löschte seine Konten in den sozialen Medien. Inzwischen ermittelt das US-Justizministerium. GM hat nun wegen der sich häufenden schlechten Nachrichten die Reißleine gezogen und die geplante tiefgreifende technische Zusammenarbeit sowie eine elf prozentige Beteiligung Wert von zwei Milliarden Dollar abgesagt. Damit ist auch der unter dem Modellnamen Badger angekündigte Nikola Pickup vom Tisch.

Nikola Badger Elektro-Pickup
Nikola
Der Pickup, der nicht kommen wird: Mit GMs weitestgehender Aufkündigung der Zusammenarbeit mit Nikola, sind die Pläne für den Nikola Pickup namens Badger Geschichte.

Kein Nikola Badger

Um seinen Pickup zu bauen, ist Nikola auf massive Unterstützung durch GM angewiesen – und diese Unterstützung bleibt nun aus. Der jetzt ausgehandelte neue Vertrag reduziert das Verhältnis des Startups zu GM auf eine reine Lieferantenbeziehung. So soll die Wasserstoff-Brennstoffzelle für einen künftigen Nikola-Truck von GM kommen. Nikolas neuer CEO Mark Russell bekräftigte im Zuge des neuen GM-Vertrags, dass man sich von nun an nur noch auf das Kerngeschäft mit schweren Lkw konzentriere. Allerdings wirkt die Konstellation sonderbar, wenn ein etablierter Autobauer ein kleines Startup mit innovativer Technologie beliefert.

Außerdem ist es unklar, ob Nikola je den umfangreichen Flottenservice leisten kann, der in der hart umkämpften Nutzfahrzeugbranche üblich ist. Hinzu kommt, dass der Brennstoffzellen-Antrieb inzwischen selbst bei schweren Lkw umstritten ist – aufgrund fortschreitender Batterieentwicklungen halten ihn einige Experten bereits für überholt. GM hat sich mit der neuen Vereinbarung aus einem möglichen Nikola-Abwärtsstrudel gerettet. Nikola selbst möchte das Geld für bereits angezahlte Badger zurückzahlen – wann, dazu äußert sich das Unternehmen nicht.

GM Fuel Cell Stack Tests
GM
GM testet Brennstoffzellen-Stacks in einem Entwicklungslabor.

Nikola hatte umstrittenes Design selbst gekauft

Im Jahr 2018 hat das kleine Startup Nikola das damals schon große Startup Tesla wegen angeblichen Designklaus verklagt. Die Nikola-Verantwortlichen fanden, dass das Design des Tesla-Sattelschleppers, der bisher nur unter seiner englischen Gattungsbezeichnung Semi Truck bekannt ist, zu sehr dem des eigenen Wasserstoff-Lkws namens One ähnele. Jetzt kommt heraus: Nikola hat das Design 2015 für mehrere tausend Dollar von Rimac-Designchef Adriano Mudri gekauft.

Nikola One
Nikola Motor Company
Nikola One: Dieses Design soll Tesla für seinen Sattelschlepper geklaut haben.

Nikola geht von eigenem Entwurf aus

In der Klageschrift gibt Nikola an, dass der One ein eigener Entwurf sei. Diesen Standpunkt vertritt das Unternehmen auch nach Bekanntwerden des Design-Kaufs: Es sei üblich, Entwürfe zu kaufen und weiterzuentwickeln, betonen die Nikola-Verantwortlichen. Mudri sei nie Mitglied des Design-Teams gewesen und der fertige One sehe wesentlich anders aus als die ursprünglichen Entwürfe des Rimac-Designers.

Tesla und Rimac haben die Vorgänge bisher nicht kommentiert. Die Nachricht kommt für Nikola zu einer Unzeit: Das Startup sieht sich heftigen Betrugsvorwürfen ausgesetzt, in deren Folge Nikola-Chef Trevor Milton zurückgetreten war.

Nikola-Chef tritt wegen Betrugsvorwürfen zurück

Nikola aus Phoenix im US-Bundesstaat Arizona teilte mit, man habe den Rücktritt Miltons akzeptiert. Neuer Chef wird Stephen Girsky, der im Nikola-Verwaltungsrat sitzt und zuvor bei General Motors tätig war.

Via Twitter hatte Milton seinen Rücktritt öffentlich gemacht und schrieb unter anderem, dass der "Fokus auf dem Unternehmen und seiner Mission liegen soll, und nicht auf ihm". Er beabsichtige sich gegen die falschen Anschuldigungen zu verteidigen, die von externen Kritikern gegen ihn erhoben werden.

Konkret hatte die Investmentgesellschaft Hindenburg Research – spezialisiert auf Leerverkäufe – Nikola "komplexen Betrug" vorgeworfen, der auf Lügen des 39-jährigen Firmengründers beruhe. So seien Geschäftspartner in die Irre geführt worden, weil man nicht über wichtige Technologien verfüge, so Hindenburg Research. Nikola habe neben General Motors, Bosch sowie den italienischen Nutzfahrzeughersteller CNH Industrial auch den großen südkoreanischen Mischkonzern Hanwha (Chemie, Rüstung, Logistik, Bau) mit falschen Versprechungen in Kooperationen gelockt.

Brennstoffzelle war "heiße Luft"

So soll unter anderem der Lkw-Prototyp "Nikola One" bei einer Präsentation einen Berg hinunter gerollt worden sein, da das Modell keinen Antriebsstrang besessen habe. Frühere Partner verzeichnen laut Hindenburg Research die Batterie- und Wasserstoffbrennstoffzelle von Nikola als "heiße Luft". Fahrzeuge seien nie mit Brennstoffzellenantrieb gefahren, sondern mit Erdgas.

Nikola Badger Elektro-Pickup
E-Auto

Nikola weist die Vorwürfe zurück und beschuldigt seinerseits, Hindenburg Research habe den Aktienkurs manipuliert, um mit Leerverkäufen bei fallenden Kursen Gewinne zu generieren. Alle Vorwürfe und Behauptungen werden nun von der US-amerikanischen Börsenaufsichtsbehörde Securities and Exchange Commission (SEC) und dem US-Justiz-Ministeriums untersucht.

Trevor Milton verfügt aktuell über ein Privatvermögen von 3,5 Milliarden US-Dollar und hält rund 40 Prozent Anteile an Nikola. 2014 gründete er die Nikola Motor Company und wollte zunächst nur ein Wasserstofftankstellennetz mit einem norwegischen Partner aufbauen. Mit Stand Herbst 2019 liegen Nikola Motor 14.000 Vorbestellungen für Lkw vor, darunter auch 800 Lkw für die US-amerikanische Brauerei Anheuser-Busch. Erst im August 2020 hatte der US-Müllentsorger Republic Services bei Nikola einen Auftrag über 2.500 batterie-elektrisch angetriebene Müllfahrzeuge deponiert. Der Auftrag sollte später um weitere 2.500 Fahrzeuge wachsen.

Nikola One Truck

Die Brennstoffzellen-Lkw von Nikola kamen indes nie über den Prototypen-Status hinaus. Neben dem Nikola Zero, dem Nikola One und Nikola Two zeigten das Unternehmen einen Nikola Tre sowie den Pickup-Truck Badger.

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Fazit

Für Nikola wird es gerade eng – existenzgefährdend eng. Mit GM steigt ein technologie- und finanzstarker Partner aus der Zusammenarbeit aus und beendet damit die Pläne für einen Nikola-Pickup. Das GM jetzt als reiner Lkw-Brennstoffzellen-Lieferant für das Startup gilt, ist fast schon Hohn – schließlich wäre es Aufgabe des Startups, mit innovativer Technologie zu punkten. Zudem gerät Nikola in einen Abwärtsstrudel, während die Brennstoffzellen-Technologie als Antrieb selbst für Lkw zunehmend in die Diskussion gerät.

Jetzt reduziert auch noch Bosch seine Beteiligung von 6,4 auf 4,9 Prozent – Nikola muss dringend seine Investoren mit belastbaren Fakten von seiner Zukunftsfähigkeit überzeugen, sonst ist der Startup-Traum schnell ausgeträumt.

Der Prozess um einen möglichen Lkw-Designklau von Tesla bei Nikola ist jetzt um eine Komplikation reicher: Möglicherweise stammt das fragliche Design gar nicht direkt von Nikola, sondern ist der eingekaufte Entwurf eines Rimac-Designers.

Sollte Nikola diese Information dem Gericht vorenthalten haben, wirft dies kein gutes Licht auf ein Startup, was sich aktuell ohnehin heftigen Betrugsvorwürfen ausgesetzt sieht.

Das Ergebnis des Designklau-Prozesses Nikola gegen Tesla ist damit allerdings noch weiterhin offen: Ob das Design von Nikola selbst stammt oder ob das Unternehmen die Entwürfe nur gekauft hat, könnte für das Gericht unerheblich sein – geklaut wäre geklaut.

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