12/2020, Daimler Smart Werk Hambach Daimler AG
Smart EQ Fortwo, Exterieur
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Smart EQ Fortwo, Exterieur 15 Bilder

Ineos kauft Smart-Werk Hambach von Daimler

Ineos kauft Smart-Werk Hambach von Daimler Grenadier UND Smart EQ

Was sich seit Sommer angedeutet hatte, ist nun offiziell: Daimler verkauft sein Smart-Werk in Hambach an Ineos Automotive. Eine Planänderung gibt es trotzdem.

Ursprünglich hatte Daimler vor, die nächste Smart-Generation ab 2022 zusammen mit Kooperationspartner Geely ausschließlich in China zu bauen. Doch nun gibt es eine gravierende Planänderung: Wie bisher wird der Smart Fortwo EQ (der Forfour EQ entsteht in Slowenien) auch künftig in Hambach gefertigt. Aber nicht allein: Neben dem mittlerweile ausschließlich elektrisch angetriebenen Zweisitzer rollt ab Ende 2021 auch ein kerniger Geländewagen von den Bändern des in Frankreich nahe der deutschen Grenze gelegenen Werkes.

Ineos erwirbt alle Geschäftsanteile

Wie sich seit Sommer bereits angedeutet hatte, verkauft Daimler das Werk an Ineos Automotive. Der junge britische Hersteller, der aus dem gleichnamigen Chemiekonzern hervorgegangen ist, "erwirbt alle Gesellschaftsanteile der smart France S.A.S. und wird damit das Werk in Hambach nach Klärung der letzten Details in den nächsten Wochen übernehmen", heißt es in einer Mitteilung. "Damit haben wir für Hambach eine tragfähige Lösung gefunden, die dem Standort eine klare Zukunftsperspektive bietet", kommentiert Daimler-Vorstand Markus Schäfer den Deal. Aktuell sind in Hambach etwa 1.300 Mitarbeiter beschäftigt.

Smart EQ Fortwo, Exterieur
Rossen Gargolov
Im französischen Werk Hambach rollt auch weiterhin der elektrisch angetriebene Smart Fortwo EQ vom Band.

Diese Zukunftsperspektive sah vor nicht allzu langer Zeit noch ganz anders aus. Vor zwei Jahren hieß es, dass dort das Kompaktmodell der neuen elektrischen Mercedes EQ-Familie gebaut werden soll (mehr dazu lesen Sie hier). Seitdem wurde viel Geld in das Werk investiert – damals war von 500 Millionen Euro die Rede -, um unter anderem neue Hallen für den Karosseriebau und die Oberflächenbehandlung zu errichten.

"Globales Produktions-Netzwerk straffen"

Doch dann kam die Corona-Krise, und mit ihr eine Nachfrage-Delle, die Daimler in arge wirtschaftliche Schwierigkeiten beförderte. Zusätzlich muss der Konzern den hohen Investitionsaufwand für die zunehmende Digitalisierung und die Transformation zur Elektromobilität stemmen, weshalb der Daimler-Vorstand die Entscheidung traf, das Werk zu verkaufen. Konzernchef Ola Källenius sagte im Sommer, dass damit die Kapazitäten an die zu erwartenden Marktentwicklungen (bedeutet: die sinkende Nachfrage) angepasst und das globale Produktions-Netzwerk gestrafft werden soll. Das soll helfen, die "Kostenstruktur nachhaltig zu verbessern und deutlich effizienter zu werden".

Inzwischen sieht Daimler wohl wieder etwas bessere Perspektiven für den Smart Fortwo EQ in Europa, weshalb die Schwaben den Deal mit Ineos angepasst haben und die Briten künftig als Auftragsfertiger fungieren. Dadurch ergibt sich für Hambach die interessante Konstellation, dass neben dem elektrischen Klein- ein schwerer Geländewagen gefertigt wird. Beim Ineos Grenadier (alles Wichtige zu diesem Auto lesen Sie hier) handelt es sich um eine Neuauflage des Land Rover Defender. Das Projekt, die britische Offroad-Ikone wiederzubeleben, ist das Herzensprojekt des Ineos-Chefs Jim Ratcliffe.

Ineos Grenadier Testprogramm
Ineos
Ineos Grenadier Testprogramm Ineos Grenadier Testprogramm Ineos Grenadier Testprogramm Ineos Grenadier Testprogramm 31 Bilder

Frankreich statt Portugal und Wales

Für Ineos stellt der Kauf des Hambacher Werkes ebenfalls eine grundlegende Strategieänderung dar. Eigentlich wollte der Brexit-Befürworter Ratcliffe die Grenadier-Produktion zweiteilen: Mit in Portugal gefertigten Karosserien sollte der Offroader in Wales endmontiert werden. Dafür wollte Ratcliffe in diesem Teil Großbritanniens 500 Arbeitsplätze schaffen. "Doch als Ergebnis der Covid-19-Pandemie haben sich neue Optionen wie diese ergeben, die uns vorher einfach nicht zur Verfügung standen", sagte der Autosparten-Chef des britischen Chemiekonzerns, Dirk Heilmann, im Juli. Heute hält Heilmann "diese Übernahme für unseren bisher größten Meilenstein in der Entwicklung des Grenadiers."

Jim Ratcliffe ergänzt: "Hambach bot uns eine einzigartige Gelegenheit, die wir einfach nicht ignorieren konnten: den Kauf eines modernen Automobilwerks mit einer erstklassigen Belegschaft." Hambach habe eine ausgezeichnete Erfolgsbilanz unter den Mercedes-Werken für die Qualität seiner Produktion. Zudem profitiere das Werk von der kürzlich getätigten Großinvestition, die die Produktion größerer Fahrzeuge ermöglicht. Darüber hinaus biete die Lage des nur 200 Kilometer von Stuttgart entfernt gelegenen Standorts einen ausgezeichneten Zugang zu Lieferketten und Zielmärkten.

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Fazit

So schnell kann es gehen: Erst im Sommer kündigte Daimler an, das Werk in Hambach verkaufen zu wollen. Ein gutes halbes Jahr später ist der Deal mit Ineos Automotive bereits besiegelt. Die etwa 1.300 Mitarbeiter werden also weiterhin den Smart Fortwo EQ bauen – und zusätzlich den Geländewagen Grenadier.

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