Ineos Grenadier Teaserbilder Ineos
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Ineos Grenadier
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Ineos Grenadier 32 Bilder
SUV

Ineos Grenadier (2022) mit BMW-Motoren & Techno-Cockpit

Ineos Grenadier (2022) als Defender-Erbe Techno-Cockpit mit Radler-Hupe

Der britische Hersteller Ineos baut mit dem Grenadier einen neuen Geländewagen im Stil des klassischen Defenders mit Motoren von BMW. Inzwischen laufen die Prototypen-Fertigung und ein ausführliches Testprogramm. Erstmals gibt es auch den Innenraum mit abgefahrenen Details zu sehen.

Ineos Automotive, ein Ableger eines britischen Chemie-Konzerns, lässt den Grenadier in Frankreich bauen. Dafür hat das Unternehmen das Smart-Werk in Hambach übernommen. Die Entwicklung zum Serienfahrzeug erfolgte bei Magna in Graz. Dort konnten wir auch schon eine Vorserienmodell ausgiebig fahren.

Ineos Grenadier Fahrbericht Prototypen in Graz
Fahrberichte



Design

Obwohl das Design des Grenadier in zahlreichen Details, von der Kotflügelform über die "Schulterlinie" unterhalb der Seitenfenster bis hin zu den Türgriffen und den außenliegenden Scharnieren zahllose Details des alten Defender zitiert, ist Ineos bei einigen Dingen dennoch neue Wege gegangen. So sind statt der oberen kleinen Dachfenster im Original beim Ineos Grenadier mit gleicher Grundform kleine Relings versenkt verbaut, an denen sich Ausrüstungsgegenstände außen am Auto befestigen lassen.

Ineos Grenadier Teaserbilder
Ineos
Diese Form kennt man auf der ganzen Welt: Der Ineos Grenadier ist nah dran am Original Land Rover Defender.

Auch bei der Hecktür ging Ineos eigene Wege: Sie ist zweigeteilt, das Ersatzrad an der längeren, rechts angeschlagenen Tür befestigt. So lässt sich für den schnellen Zugriff in den Laderaum die linke kleinere Hecktür schnell und ohne viel Kraftaufwand öffnen und schließen. Ob es die integrierte Trittleiter zum Aufstieg auf das Dach in die Serie schafft, wird sich noch weisen müssen.

Klassisch bleibt es beim Gesamt-Layout des Modells. Glatte Flächen, klare Kanten, kurze Überhänge, hoher Aufbau mit großen Fenstern. Praktisch, übersichtlich und zweckmäßig.

Innenraum mit "Toot"

Erstmals hat Ineos auch einen Blick in den Innenraum des Grenadier zugelassen und in Anlehnung an das Karosseriedesign hat das Unternehmen das Cockpit und den Innenraum auf Praxistauglich- und Langlebigkeit ausgelegt. Zu sehen ist ein kantiges Interieur, dass von einer extrem breiten und hoch aufragenden Mittelkonsole dominiert wird.

Ineos Grenadier
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Ein eigener Signalknopf, um Fahrradfahrer nicht mit der regulären Hupe zu erschrecken.

Für die Planung des Interieurs hat man sich sogar in Sachen Ergonomie von modernen Flugzeugen, Booten und Traktoren inspirieren lassen. So sind alle Kippschalter und Drehregler in der Mittelkonsole klar beschriftet und mit gehörigem Abstand positioniert. Dadurch lassen sie sich auch mit Handschuhen bequem bedienen. Weitere Schalter für Zubehör wie Seilwinden oder Arbeitsleuchten sind bereits verbaut und verkabelt. On top des Schalter- und Knöpfchenturms tront der 12,3 Zoll großen Touchscreen für das Infotainmentsystem, das Fahrer auch über einen Drehregler in der Mittelkonsole bedienen können. Apple Car-Play und Android Auto sind ebenfalls verfügbar, darüber hinaus lassen sich mit dem Pfadfinder-Navigationssystem Routen abseits befestigter Straßen oder Wege anhand von Wegpunkten programmieren, verfolgen und aufzeichnen. In der Mittelkonsole gibt es außerdem noch ein abschließbares Fach für Wertsachen.

Zwischen Fahrer und Beifahrer hat Ineos den von BMW bekannten Fahrstufen-Wähler, die Schaltung für das Untersetzunggetriebe sowie die Handbremse untergebracht. Der Fahrer greift in ein Zweispeichenlenkrad, das ein wenig an das Volant des Smart Fortwo erinnert. Über die linken Lenkradtasten lassen sich Tempomat und Telefon steuern, rechts sind Lautstärkeregelung sowie Sender-Lauf steuerbar. Eine Besonderheit ist der rote "Toot"-Knopf mit Fahrradsymbol. Der soll statt der regulären Hupe (Bedienung wie gewohnt im Pralltopf) Fahrradfahrer mit einem "freundlichen" Signalton auf das Fahrzeug aufmerksam machen.

Ineos Grenadier
Ineos
Das Grenadier-Interieur im Detail.

Da der Grenadier für den Einsatz auf Abwegen konzipiert ist, hat Ineos strapazierfähige Oberflächen verbaut, ein Ablassstopfen im gummierten Boden erlaubt es, den Innenraum mit Wasser auszuspritzen. Auch die Recaro-Sitze sind wasser- und fleckabweisend und sollen den Passagieren Halt und Komfort bieten. Unter dem Rücksitz befindet sich außerdem ein Trockenlagerungsfach. Übrigens, wer nicht vorhat, Dreck und Schmutz in seinen Grenadier zu tragen, für den gibt es auch noch Teppiche und Lederpolster.

Motoren von BMW – Getriebe von ZF – Fahrwerk von Carraro

Unter der Haube des Ineos Grenadier arbeiten Motoren aus dem Hause BMW. Die Reihensechszylinder mit drei Litern Hubraum kommen als Diesel auf 249 PS und 550 Nm Drehmoment, das Benziner-Pendant ist 285 PS stark und erreicht 450 Nm maximales Drehmoment.

Die Verbindung zum speziell für den Grenadier entwickelten Verteilergetriebe (permanenter Allradantrieb, Geländeuntersetzung zuschaltbar, zentrale Differentialsperre) übernimmt bei beiden Varianten eine Achtgang-Wandlerautomatik von ZF.

BMW B58 Reihensechszylinder-Ottomotor
BMW
BMW liefert die Benzin- und Dieselmotoren für den Ineos Grenadier.

Sehr speziell für ein Zivilfahrzeug: Vorne und hinten sind beim Ineos Grenadier Starrachsen verbaut. Die Entwicklungsmannschaft entschied sich für den italienischen Zulieferer Carraro. Der ist eigentlich vor allem bei Achsen und Getrieben für Nutzfahrzeuge und Ackerschlepper eine Branchengröße. Das sieht man den Grenadier-Achsen an, deren enorm großes Differentialgehäuse verdeutlicht, welchen Wert Ineos auf Haltbarkeit legt.

Erprobung und Marktstart

Corona-bedingt geht der Ineos Grenadier statt im Sommer 2021 erst im Juli 2022 in die Produktuion in Hambach. Das sind auch die ersten Auslieferungen geplant, da die Orderbücher bereits ab Oktomber 2021 geöffent sind. Aktuell hat das Unternehmen 130 Prototypen im Test, die gemeinsam mehr als 1,8 Millionen Kilometer in extremen Umgebungen weltweit zurücklegen sollen. So müssen sich die Grenadier-Modelle bereits auf dem legendären Schöckl, dem Grazer Hausberg beweisen. Dort betreibt Magna Steyr seit Jahrzehnten eine extrem herausfordernde Offroad-Teststrecke, die für die Entwicklung der Offroad-Legende Puch Pinzgauer und in jüngerer Zeit vor allem als spektakuläres Testgelände für den (ebenfalls in Graz gebauten) Mercedes G bekannt wurde. Für die nächste Testetappe gehtes in die marokkanischen Dünen.

Rückblende

Ineos Automotive entstand, als Land Rover 2016 die Produktion des klassischen Defender einstellte, sehr zum Bedauern von Ineos-Chef James Ratcliffe. Das ist nicht irgendwer, obwohl in Deutschland wohl kaum einer den öffentlichtkeitsscheuen Industrieboss aus Großbritannien kennt. Der 1952 geborene James Arthur Ratcliffe gründete 1998 das Unternehmen Ineos, aus dem ein Chemie-Gigant mit mehr als 60 Milliarden Euro Jahresumsatz erwuchs. Ratcliffe gilt als reichster Brite und wurde 2020 auf ein Privatvermögen von 19,2 Milliarden US-Dollar geschätzt. Zuletzt machte er 2019 mit der Übersiedelung ins Steuerparadies Monaco und durch den Kauf des Fußballvereins OGC Nizza auf sich aufmerksam.

Jim Ratcliffe, CEO Ineos
Ineos
Diesen Bild entstand vor dem Londoner Grenadier-Pub, in dem Ratcliffe das Geländewagenprojekt auf einem Bierdeckel skizzierte.

Ratcliffe ist nicht nur ausgesprochen reich, er ist auch ein erklärter Land Rover-Enthusiast. Und er ließ 2016 prüfen, wie eine Neuproduktion des Urgesteins Land Rover Defender realisiert werden könnte. Nach seinen ersten Ankündigungen musste sich Ratcliffe allerdings der Realität beugen: Jaguar Land Rover hatte danach umgehend erklärt, dass es undenkbar sei, eine Drittfirma ein Auto unter diesem Namen bauen zu lassen. Also gründete Ratcliffe das Projekt Grenadier – benannt nach seinem Lieblings-Pub in London, wo er die Eckpunkte zum neuen Geländewagen auf einem Bierdeckel skizzierte.

Ratcliffe hatte außerdem klargestellt, dass er in Sachen Fertigungsqualität und Zuverlässigkeit eine erhebliche Verbesserung gegenüber dem inzwischen eingestellten Defender anstrebt, jedoch dessen letzte Basispreise ermöglichen möchte. "Wir wollen den ursprünglichsten Geländewagen der Welt bauen, der Fernreisende, Farmer und Offroad-Fans rund um den Globus ansprechen wird", sagte Ratcliffe dem Magazin Autocar. An den Kosten sollte das Projekt nicht scheitern: Alleine die Privatyacht "Hampshire II" von Jim Ratcliffe wird auf einen Wert von über 120 Millionen Euro taxiert.

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Fazit

Dass es Ineos mit der Produktion des Grenadier wirklich ernst meint, war spätestens mit dem Kauf des ehemaligen Daimler-Werks im lothringischen Hambach klar. Auch wenn der Produktionsstart dank Corona um ein Jahr verschoben wurde, ist das Projekt im vollen Gange. Im Juli 2022 erfolgen die ersten Auslieferungen. Und alleine die Komponenten des Grenadier von BMW, ZF und Carraro unter Entwicklungsleitung von Magna schreien es förmlich heraus: Hier kommt ein ausgesprochen kompetenter Geländewagen, der in einer zunehmend von City-SUV bevölkerten Offroad-Welt ein Machtwort sprechen wird.

Gleichzeitig räumt der Ineos Grenadier auch mit der stets von Land Rover erzählten Geschichte auf, der Ur-Defender wäre nur wegen unerfüllbarer Zulassungsbestimmungen beerdigt worden. Denn wie man sieht, funktioniert der Neubau eines klassischen Geländewagens mit allen formalen Tugenden des Defenders, aber ohne seine über die Jahrzehnte durchgeschleppten Schrullen, offenbar durchaus. Aufrechte Geländewagen-Fans werden jedenfalls ab sofort die Tage bis zum Verkaufsstart des Grenadier zählen.

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