Volkswagen-Konzernchef Oliver Blume setzt in Brüssel auf eine neue Zollrunde: Die EU soll Sonderzölle, die bereits für batterieelektrische Autos aus China gelten, auch auf Plug-in-Hybride ausweiten. Blume begründet den Vorstoß mit einem Wettbewerbsnachteil für Hersteller in Europa. Chinesische Anbieter drängen mit PHEV bislang weitgehend ohne zusätzliche Hürden in den Markt – einige Beobachter sehen darin eine sogenannte Zoll-Lücke.
Warum Blume den Fokus verschiebt
Noch vor einigen Monaten platzierte Blume vor allem Wünsche nach mehr Flexibilität beim europäischen Verbrennerausstieg und bei CO₂-Vorgaben. Bei der Präsentation der Halbjahreszahlen setzte er nun andere Akzente. Der Konzern registriert in Europa deutlich mehr Interesse an reinen Elektroautos – und gewinnt damit politisch wie finanziell Luft, ohne das CO₂-Thema komplett zu verlieren.
E-Bestellungen legen kräftig zu
VW meldet in Europa ein Bestellplus von rund 50 Prozent bei Elektroautos. Inzwischen entfällt laut Bericht fast jede dritte Bestellung auf ein batterieelektrisches Modell. Förderprogramme, etwa die Kaufprämie in Deutschland, unterstützen den Trend.
Urban-Car-Familie sorgt für Schub
Weiteren Rückenwind liefern die neuen kleinen E-Modelle, die VW unter dem Label "New Urban Car Family" bündelt. Die Fahrzeuge erfüllen bei VW, Cupra und Škoda die Rolle des Einstiegs in den Massenmarkt. VW-Finanzchef Arno Antlitz spricht von rund 70.000 Vorbestellungen, die nur wenige Wochen nach dem Marktstart eingingen – deutlich über den Erwartungen.
CO₂-Flotte: mehr Spielraum
Antlitz kann Rückstellungen für mögliche EU-Strafzahlungen offenbar teilweise wieder auflösen, weil der höhere E-Anteil die Flotte entlastet. Blume bleibt dennoch vorsichtig: Ab 2030 sieht er die Vorgaben nur mit zusätzlichen Flexibilitäten erreichbar, etwa über Mehrjahresdurchschnitte. Parallel diskutiert Brüssel weiterhin, ob es das Verbrenner-Neuzulassungsverbot ab 2035 aufweicht.

ID. Polo - VW freut sich über viele Bestellungen.
Druck im PHEV-Markt wächst
VW spürt den Wettbewerb bei Plug-in-Hybriden besonders im Volumensegment. Beobachter sehen dort zunehmend chinesische Modelle vorne; in Deutschland rückt etwa der BYD Seal U in den Blick. Genau in diesem Umfeld will Blume die PHEV "zollseitig" nicht länger außen vor lassen.












