Die California Energy Commission (CEC) arbeitet an einem "Replacement Tire Efficiency Program" für Pkw und leichte Nutzfahrzeuge. Kalifornien will damit den Rollwiderstand von Nachrüstreifen senken, weil Reifen den Energieverbrauch spürbar beeinflussen – bei Benzinern genauso wie bei E-Autos.
Die CEC formuliert das Ziel klar: Nachrüstreifen sollen im Schnitt mindestens so effizient rollen wie Erstausrüstungsreifen (OE) auf Neuwagen. Genau dort sieht die Behörde eine Lücke, weil OE-Reifen in Tests effizienter ausfallen als viele Nachrüstmodelle.
So misst der Staat Effizienz – und so hart wird es für manche Reifen
Die CEC nutzt für die Messung ISO 28580:2018 und arbeitet mit einem Rollwiderstandskoeffizienten in N/kN. Motor1 beschreibt als Eckdaten des Vorschlags ein Bewertungssystem mit einem maximalen Wert von 10,5 N/kN; besonders effiziente Reifen lägen um 6 N/kN.
Das trifft vor allem Reifen, die Entwickler bewusst auf maximalen Grip auslegen: Viele Ultra-High-Performance- und Trackday-Reifen rollen schwerer – und würden bei einem strikten Grenzwert aus dem Verkauf fliegen. Für Alltags-Sommerreifen dürfte die Hürde dagegen oft weniger dramatisch ausfallen, weil Hersteller seit Jahren am Rollwiderstand arbeiten.
Das Versprechen: 179 Dollar pro Reifensatz – und fast eine Milliarde pro Jahr
Die CEC rechnet mit spürbaren Einsparungen: im Schnitt rund 179 Dollar (umgerechnet zirka 154 Euro) pro Fahrer eines Benziners über die typische Vierjahres-Laufzeit eines Reifensatzes. Hochgerechnet erwartet die Behörde bis 2035 rund 979 Millionen Dollar (844 Millionen Euro) jährliche Kraftstoffkosten-Ersparnis in Kalifornien und eine Reduktion der Treibhausgase um etwa 2,0 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalent (CEC: etwa 1,9 Prozent der kalifornischen Pkw-Emissionen von 2021).
Die Behörde setzt noch einen Punkt dahinter: Sie hält den Vorschlag technisch machbar, kosteneffektiv und sicher – und sie erwartet weder eine kürzere Reifenlebensdauer noch mehr Reifenabfall.
Halten rollwiderstandsarme Reifen wirklich kürzer?
Viele Fahrer verknüpfen anscheinend "spritsparend" noch immer mit weniger Laufleistung. Diese Gleichung trifft pauschal nicht mehr zu: In der Anfangszeit rollwiderstandsarmer Konzepte erreichten Hersteller Effizienzgewinne teils über harte Mischungen oder weniger Profil – das konnte Abrieb oder Nassgrip verschlechtern. Heute steuern moderne Gummimischungen, Silica-Anteile, Karkassenaufbau und Profilgestaltung den Zielmix deutlich präziser; viele rollwiderstandsoptimierte Reifen halten genauso lange, in manchen Fällen sogar länger als vergleichbare Standardreifen.

Für Winterreifen sollen die neuen kalifornischen Rollwiderstands-Vorschriften nicht gelten.
In der Praxis entscheidet oft etwas anderes über die Laufleistung als die Rollwiderstands-Klasse: zu niedriger Reifendruck beschleunigt den Verschleiß massiv und treibt gleichzeitig den Verbrauch hoch. Auch Fahrstil, Fahrzeuggewicht, Achsgeometrie und die grundsätzliche Reifenqualität spielen eine größere Rolle als das Etikett "Low Rolling Resistance". Genau deshalb betont die CEC in ihrem Papier ausdrücklich, die geplanten Vorgaben würden die Reifenlebensdauer nicht senken.
Was mit Sport- und Trackday-Reifen passiert: Ausnahmen und Schlupflöcher
Motor1 nennt mehrere Ausnahmen, die Enthusiasten genauer ansehen werden: etwa Modelle mit weniger als 15.000 verkauften Einheiten pro Jahr, Winterreifen, Motorradreifen und Noträder. Solche Regeln könnten Nischenprodukte retten – oder sie könnten einzelne Bestseller-Trackreifen genau deshalb treffen, weil sie sich zu gut verkaufen.
Unterm Strich entscheidet die Detailarbeit: Zählt Kalifornien pro Modellreihe, pro Dimension, pro Marke? Wie kontrolliert der Staat den Verkauf online und über Bundesstaatsgrenzen hinweg? Und wie definiert er Sommerreifen, All-Season, UHP, Semi-Slick und Co. trennscharf genug für den Markt?
SmartWay-ReifenDas SmartWay-Zertifikat ist ein freiwilliges Siegel der US-Umweltschutzbehörde EPA für Lkw- und Nutzfahrzeugreifen. Es zeichnet Reifen aus, die nachweislich einen besonders geringen Rollwiderstand aufweisen und dadurch den Kraftstoffverbrauch sowie den CO₂-Ausstoß um mindestens 3 % senken. Da dieses Programm ausschließlich die Kraftstoffeffizienz bewertet, müssen Käufer bei der Langlebigkeit und Traktion gezielt auf Premium-Hersteller achten, um trotz der optimierten Gummimischung keine Abstriche bei der Laufleistung zu machen.
Zeitplan: Frühestens 2028 – aber die Wirkung beginnt sofort
Motor1 nennt den 1. Januar 2028 als geplanten Startpunkt. Trotzdem setzt der Vorschlag schon jetzt Hersteller und Händler unter Druck, weil Produktplanung und Freigaben Jahre im Voraus laufen. Wer künftig in Kalifornien verkaufen will, braucht im Zweifel neue Varianten, neue Kennzeichnungen oder neue Mischungen.
Kalifornien macht das bei Lkw längst: SmartWay als Vorbild
Allerdings sind in Kalifornien Effizienzvorgaben bei Reifen im Nutzfahrzeugbereich längst etabliert: SmartWay-gelistete Reifen spielen dort eine zentrale Rolle. Wer mit den falschen Reifen bei einer Kontrolle erwischt wird, muss mit einer hohen Geldstrafe und möglicherweise sogar mit der Stilllegung seines Fahrzeugs rechnen.












