Österreich will HU-Regeln locken: Aus 3-2-1 wird 4-2-2-2-1

Österreich will HU-Regeln locken
Aus 3-2-1 wird 4-2-2-2-1

ArtikeldatumVeröffentlicht am 08.06.2026
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Aus 3-2-1 wird 4-2-2-2-1
Foto: ÖAMTC

Die neuen Regeln sollen ab dem 1.1.2027 gelten und Millionen Fahrzeughalter betreffen. Gleichzeitig gibt es Kritik vom Automobilclub ÖAMTC, der vor vermeidbarem Verwaltungsaufwand und möglichen Folgen für die Verkehrssicherheit warnt.

Aus 3-2-1 wird 4-2-2-2-1

Derzeit gilt in Österreich die sogenannte 3-2-1-Regelung. Fahrzeuge müssen erstmals drei Jahre nach der Erstzulassung zur Überprüfung, anschließend nach zwei Jahren und danach jedes Jahr. Künftig soll daraus eine 4-2-2-2-1-Regelung werden. Die erste Begutachtung wäre dann erst nach vier Jahren fällig. Danach folgen drei Prüfungen im Abstand von jeweils zwei Jahren. Erst ab einem Fahrzeugalter von zehn Jahren würde wieder die jährliche Kontrolle beginnen.

Nach Angaben von Mobilitätsminister Peter Hanke soll Österreich damit die bisher strengeren nationalen Vorschriften an die in der Europäischen Union üblichen Mindeststandards anpassen. Die Regelung ist Teil eines größeren Entbürokratisierungspakets der österreichischen Regierung. Gleichzeitig sollen weitere digitale Verfahren eingeführt und Papierpflichten für Werkstätten reduziert werden.

Die Änderung soll nicht nur für Neuwagen gelten. Nach Angaben des österreichischen Mobilitätsministeriums profitieren auch bereits zugelassene Fahrzeuge davon, sofern sie noch keine zehn Jahre alt sind. Ein heute drei Jahre alter Pkw müsste beispielsweise erst ein Jahr später als bisher zur nächsten Begutachtung. Für Halter von Fahrzeugen, deren bestehende Plakette noch nach den alten Regeln ausgestellt wurde, ist eine Übergangslösung vorgesehen. Sie sollen bei einer berechtigten Prüfstelle eine neue Plakette mit verlängertem Termin erhalten können, ohne dass dafür eine neue Begutachtung erforderlich wird.

Regierung verspricht weniger Bürokratie

Neben den längeren Prüfintervallen sollen weitere Maßnahmen den Verwaltungsaufwand verringern. Elektronische Nachweise für digitale Fahrtenschreiber sollen künftig ausreichen. Werkstätten sollen bestimmte Unterlagen nicht mehr in Papierform archivieren müssen. Auch Fahrschulen sollen von vereinfachten Vorgaben profitieren.

Die Regierung begründet die Änderungen mit einer Entlastung von Bürgern und Betrieben. Nach dem derzeitigen Zeitplan soll die Gesetzesänderung noch 2026 beschlossen werden und zum Jahresbeginn 2027 in Kraft treten.

ÖAMTC sieht Schwachstellen bei der Umsetzung

Kritik kommt vom österreichischen Automobilclub ÖAMTC. Grundsätzlich begrüßt der Club die längeren Prüfintervalle, hält die geplante Umsetzung jedoch für unnötig kompliziert. Nach Berechnungen des ÖAMTC müssten rund zwei Millionen Fahrzeughalter zusätzlich eine Prüfstelle aufsuchen, um eine neue Begutachtungsplakette zu erhalten und den geänderten Termin in die zentrale Datenbank eintragen zu lassen. Der Club beziffert die dadurch entstehenden Verwaltungskosten auf rund 23 Millionen Euro. Aus Sicht des ÖAMTC ließe sich dieser Aufwand vermeiden, wenn gleichzeitig ein digitales Pickerl eingeführt würde.

Zudem verweist der Club auf regionale Unterschiede. In alpinen Regionen würden Fahrzeuge durch Schnee, Feuchtigkeit und Streusalz häufig stärker belastet als im Flachland. Nach Auswertungen der österreichischen Pickerldatenbank weisen ältere Fahrzeuge dort deutlich häufiger schwere Mängel auf. Der ÖAMTC empfiehlt deshalb insbesondere Vielfahrern und Fahrzeughaltern in schneereichen Regionen freiwillige Sicherheitschecks in den prüffreien Zwischenjahren.

So ist die Hauptuntersuchung in Deutschland geregelt

Deutschland setzt bereits seit vielen Jahren auf längere Prüfintervalle bei jüngeren Fahrzeugen. Für Pkw ist die erste Hauptuntersuchung in der Regel nach drei Jahren fällig, anschließend erfolgt die Prüfung alle zwei Jahre.

Im Vergleich dazu war Österreich bisher deutlich strenger. Vor allem Fahrzeuge im Alter zwischen fünf und zehn Jahren mussten dort wesentlich häufiger zur Überprüfung. Mit der geplanten Reform nähert sich Österreich nun dem europäischen Standard an und reduziert den Abstand zum deutschen System deutlich.

Fazit