Sir Vival Edward Moore
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Seiner Zeit voraus

Der Sir Vival von Walter C. Jerome ist mehr als nur ein Hingucker. Das Unikat vereint viele interessante Sicherheitsaspekte, die auch heute noch wichtig erscheinen.

Nein, das ist nicht das von Homer Simpson entworfene Traumauto „Der Homer“ aus der TV-Serie „Die Simpsons“. Es ist auch nicht der Dienstwagen von Fred Feuerstein aus den Flintstones. Das ist der Sir Vival von Walter C. Jerome. Ein Fahrzeug, das im Jahr 1958 seiner Zeit um Jahrzehnte voraus war. Leider auch in puncto Preisvorstellung, was unter anderem dazu führte, dass es bei dem Einzelstück blieb. Denn 10.000 US-Dollar waren eine ordentliche Hausnummer. Zum Vergleich: Der im selben Jahr auf den Markt gekommene Opel Kapitän P 2,5 kostete umgerechnet 2.440 US-Dollar. Oder anders herum gerechnet: der Sir Vival hätte in Deutschland 42.000 DM gekostet. Umso schöner, dass das einzige Exemplar heute noch in der Garage von Edward T. Moore in Bellingham, Massachusetts zu finden ist.

Ein weiterer Grund, weshalb der Sonderling, der unter anderem auf der New York Worlds Fair im Mai 1964 zu bestaunen war, keine Chance auf eine Serienproduktion hatte, liegt in seinem außergewöhnlichen Design. Der Sir Vival wurde zu einer Zeit von Walter C. Jerome entwickelt, als die Unfallzahlen in den USA eine enorme Höhe erreicht hatten. Der damalige Präsident der Hollow Boring Corporation in Worcester (Tesla-Chef Elon Musk besitzt ebenfalls eine Boring Company) wollte mit seinem Vehikel weg von den 40.000 Unfalltoten und mehr als zwei Millionen Verletzten. Er wollte die Straßen sicherer machen.

Gummi-Stoßfänger und viel Licht

Wie? Erst einmal durch die Zweiteilung des Fahrzeugs, eines 1956er Hudson. Im vorderen Teil befindet sich der Motor, im hinteren Teil die bis zu vier Passagiere. Den Vorteil dieser Aufteilung sieht Jerome darin, dass das Fahrzeug beim Aufprall um eine vertikale Achse gelenkt wird und so die Aufprallenergie besser abgebaut wird. Rund um den Sir Vival befindet sich ein weicher Stahl-Stoßfänger, der gleichzeitig mit einem Gummi überzogen ist. Kleine Parkrempler sind somit kein Problem mehr.

Weitere Sicherheitsvorkehrungen sind die drei Frontscheinwerfer, von denen zwei im vorderen Teil und einer mittig am Bug des hinteren Teils montiert sind. So leuchten die vorderen beiden Scheinwerfer beim Abbiegen in die Kurve hinein, während der Einzelscheinwerfer die Straßen nach vornhin weiter ausleuchtet. Gleichzeitig reflektiert die Motorhaube das Licht des Einzelscheinwerfers zur Seite weg, so dass von der Seite nahende Verkehrsteilnehmer rechtzeitig gewarnt sind. Um auch das Heck von der Seite sichtbar zu machen, sind am hinteren Kotflügel zwei Positionsleuchten angebracht. Bei so viel Vorausschau wundert es nicht, dass die Blinker am obersten Teil des Fahrzeugs angebracht sind, der Fahrer-Kanzel.

Eine Windschutzscheibe, die niemals dreckig wird

In der Kanzel sitzt der Fahrer auf einem drehbaren Stuhl und kann die nahezu 360 Grad umfassende Rundumsicht durch die niemals dreckig werdende Windschutzscheibe genießen. Niemals dreckig? Durch die ständige Rotation der Scheibe in Verbindung mit den fixierten Scheibenwischern soll laut Walter C. Jerome die Scheibe stets sauber und von Insekten, Regen oder Dreck verschont bleiben. Ein weiterer Vorteil der Kanzel ist seine hohe Sitzposition, die es dem Fahrer zum einen erlaubt über die anderen Verkehrsteilnehmer zu blicken und zum anderen die Chance geblendet zu werden minimiert. Der Lufteinlass in die Kabine ist ebenfalls weit oben gewählt, um die CO2-Emissionen der anderen Fahrzeuge nicht direkt anzusaugen. Für die Sicherheit des Fahrers sorgen drei Airbagsysteme, eines direkt von vorn und zwei seitlich angebrachte.

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Die Flintstones lassen grüßen. Der Sir Vival schaut sonderbar aus.

Warum der Fahrer zentral und nicht links sitzt, erklärt Walter C. Jerome so: „Es ist sicher. Es ist logisch. Warum soll der Fahrer auf der linken Seite des Autos, der Seite mit der häufigsten Aufprall-Quote bei Unfällen sitzen?“ Außerdem kann sich der Fahrer in seiner Kanzel völlig losgelöst von den ab und zu nervenden Mitfahrern auf den Verkehr konzentrieren. Damit auch die Passagiere problemlos und sicher von A nach B kommen, wurden sämtliche Ecken und Kanten aus dem Interieur entfernt.

Pantographen Türen und Sicherheitsgurte

Ebenfalls kein Problem ist das Parken in engen Lücken. Der 5,27 Meter lange Ami misst mit weit geöffneten Türen nur 2,44 Meter in der Breite. Dafür verantwortlich sind seine beiden Pantographen Türen (wie Flugzeugtüren), welche bei ihrer Öffnung die Fahrzeugbreite nur um wenige Zentimeter vergrößern. Neben dem alltäglichen Nutzen erhöhen diese Türen zudem noch die Sicherheit, wie Jerome in seiner schriftlichen Ausarbeitung erwähnt. Anders als bei herkömmlichen Fahrzeugen bleiben diese Türen bei Unfällen geschlossen. Somit bestehe kein Risiko von herausfallenden Menschen. Sicherheitsgurte, die erst in diesem Jahrzehnt Einzug in die Automobile fanden, sind natürlich auch in dem Sir Vival zu finden.

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Der letzte Schrott. Völlig vorbei am Kunden.

Fazit

Mit dem Sir Vival war Walter C. Jerome ohne Zweifel seiner Zeit voraus. Viel sicherer kann ein Auto aus den 60er Jahren vielleicht nicht sein – hässlicher und umständlicher zu produzieren aber auch nicht.

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