Verbrenner-Aus kostet Milliarden: So hart triff es die deutsche Auto-Industrie

Verbrenner-Aus kostet Milliarden
Schock-Studie für deutsche Auto-Industrie

ArtikeldatumVeröffentlicht am 16.07.2026
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EU Verbrenner-Aus
Foto: fhm via Getty Images

Im Mittelpunkt der Untersuchung steht die Frage, wie sich unterschiedliche Regulierungsmodelle für den Antriebsstrang auf Produktion, Wertschöpfung und Arbeitsplätze auswirken. Das Ergebnis fällt aus Sicht der Autoren deutlich aus. Selbst bei einer Lockerung der bisherigen EU-Pläne würden die wirtschaftlichen Belastungen nur geringfügig sinken.

Studie untersucht Folgen verschiedener EU-Szenarien

Die Kurzstudie stammt vom Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO). Auftraggeber sind Gesamtmetall, Südwestmetall sowie mehrere bayerische Arbeitgeberverbände. Zu den Projektpartnern gehören unter anderem BMW, Mercedes-Benz, Bosch, Mahle, Schaeffler und ZF.

Untersucht wurden vier unterschiedliche Szenarien für die Entwicklung des europäischen Automarktes bis zum Jahr 2040. Grundlage ist jeweils die Produktion von Antriebssträngen. Analysiert werden ausschließlich die Wertschöpfung und Beschäftigung rund um Motoren, Getriebe, elektrische Antriebe und deren Komponenten.

Die vier Szenarien unterscheiden sich vor allem darin, wie streng die künftigen EU-Vorgaben ausfallen.

Auffällig ist, dass alle vier Szenarien bis zum Jahr 2040 einen Rückgang der industriellen Wertschöpfung in Europa erwarten.

Deutschland besonders stark betroffen

Besonders deutlich fallen die Berechnungen für Deutschland aus. Die Autoren sehen die Bundesrepublik aufgrund ihrer starken Ausrichtung auf die Entwicklung und Produktion klassischer Antriebstechnik als einen der größten Verlierer der Transformation.

Im Bereich des Antriebsstrangs könnte die Wertschöpfung nach den Berechnungen bis zum Jahr 2040 um 54,2 Milliarden Euro beziehungsweise 64 Prozent zurückgehen. Damit würde Deutschland innerhalb Europas überdurchschnittlich stark getroffen.

Noch größer fallen die prognostizierten Verluste bei den Zulieferern aus. Für diesen Bereich rechnet die Studie mit einem Rückgang der Wertschöpfung um rund 35 Milliarden Euro beziehungsweise 80 Prozent. Gerade Hersteller von Motoren, Getrieben, Einspritzsystemen oder Abgastechnik könnten davon betroffen sein, wenn die Nachfrage nach klassischen Verbrennerkomponenten weiter sinkt – das zeigt sich auch in den Auslastungen der deutschen Auto-Werke.

726.000 Arbeitsplätze in Gefahr

Neben der Wertschöpfung untersucht die Studie auch die Beschäftigung im Bereich der Antriebsstrangproduktion. Ausgangspunkt sind rund 1,6 Millionen Beschäftigte in Europa im Jahr 2025. Je nach Szenario sinkt diese Zahl in den kommenden Jahren deutlich.

Auffällig ist dabei ein weiteres Ergebnis der Untersuchung. Sowohl die aktuell gültige EU-Regelung mit dem faktischen Ende neuer Verbrennerfahrzeuge ab 2035 als auch der von der EU-Kommission vorgeschlagene Kompromiss führen im Modell nahezu zu identischen Beschäftigungseffekten. Die Lockerungen des sogenannten "Automotive Package" würden den Arbeitsplatzabbau demnach kaum verändern.

Was die Studie nicht untersuchtDie Studie analysiert ausschließlich die Wertschöpfung und Beschäftigung im Bereich des Antriebsstrangs. Andere Fahrzeugbereiche wie Karosserie, Innenraum oder Software bleiben unberücksichtigt. Auch mögliche neue Arbeitsplätze außerhalb der Antriebstechnik fließen nicht in die Berechnungen ein.

Neue Wertschöpfung gleicht die Verluste nicht aus

Nach den Berechnungen der Studie können die neuen Wertschöpfungsbereiche der Elektromobilität die Verluste beim Verbrennungsmotor nicht ausgleichen. Im Szenario des EU-Kommissionsvorschlags gehen bis 2040 rund 113 Milliarden Euro Wertschöpfung im Verbrennerbereich verloren, während bei elektrischen Antrieben lediglich 18 Milliarden Euro neu entstehen.

Als Gründe nennen die Autoren den einfacheren Aufbau elektrischer Antriebe und Europas Wettbewerbsposition bei wichtigen Komponenten der Elektromobilität.

Technologieoffenheit würde den Rückgang bremsen

Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass eine technologieoffenere Regulierung den Rückgang der Wertschöpfung zunächst verlangsamen könnte.

Bis 2035 würde die europäische Wertschöpfung um rund 71 Milliarden Euro statt um 90 Milliarden Euro sinken. Langfristig gleichen sich die Szenarien jedoch weitgehend an, da auch bei einer längeren Nutzung von Verbrennern und Plug-in-Hybriden deutliche Verluste erwartet werden.

Auch andere Standortfaktoren spielen eine Rolle

Nach Einschätzung der Autoren ist das Verbrenner-Aus nicht allein für den Rückgang verantwortlich. Als weitere Ursachen nennen sie unter anderem hohe Energiekosten, Bürokratie, lange Genehmigungsverfahren und den sinkenden Marktanteil Europas. Den größten Hebel sehen sie deshalb in besseren Standortbedingungen und nicht allein in einer Änderung der CO₂-Regulierung.

Fazit