Das sogenannte Paschinger Schlössl, die einst dem Schriftsteller Stefan Zweig als Wohnsitz diente, wird derzeit über den Luxusmakler Le Figaro Properties für 14,6 Millionen US-Dollar angeboten. Das entspricht umgerechnet rund 12,7 Millionen Euro. Bemerkenswert ist vor allem der Zeitpunkt. Erst Ende 2025 hatten die zuständigen Behörden den Bau eines privaten Zufahrtstunnels und einer Tiefgarage genehmigt. Damit schien ein jahrelanger Konflikt um das Anwesen eigentlich beendet zu sein.
Wolfgang Porsche hatte die Villa im Oktober 2020 für 8,4 Millionen Euro erworben. Seitdem wurde das Gebäude aufwendig restauriert. Nach Medienberichten zog der Unternehmer jedoch nie dauerhaft in das Anwesen ein. Offiziell hat sich Wolfgang Porsche nicht zu den Gründen geäußert. Auch die Porsche SE bestätigte keine Hintergründe.
Mehrere Medien, unter anderem die "Bild-Zeitung", berichten allerdings unter Berufung auf Personen aus seinem Umfeld, dass die langjährige öffentliche Kritik und die anhaltende Debatte um das Tunnelprojekt eine Rolle gespielt haben könnten. Eine offizielle Bestätigung dafür gibt es bisher nicht.

Die Villa von Wolfgang Porsche verfügt über zwölf Zimmer mit einer Wohnfläche von 616 Quadratmetern. Das 7.816 Quadratmeter großes Grundstück biete einen Blick über die Salzburger Altstadt.
Ein Tunnel für die Villa sorgte für jahrelange Debatten
Im Zentrum der Auseinandersetzung stand ein rund 500 Meter langer Privattunnel. Dieser sollte vom Parkhaus Linzer Gasse direkt bis unter das Grundstück führen. Geplant war außerdem eine Tiefgarage auf dem Gelände. Als Begründung wurde die schwierige Erreichbarkeit des Anwesens genannt. Die bestehende Zufahrt gilt als eng, kurvenreich und insbesondere in den Wintermonaten als problematisch. Die Kosten für Tunnel und Garage hätte Porsche nach eigenen Angaben selbst getragen, die Kosten dafür sollen laut Bild bei rund 10 Millionen Euro liegen.
Das Projekt entwickelte sich jedoch schnell zu einem politischen Streitfall. Kritiker warfen der Stadt Salzburg vor, einem einflussreichen Unternehmer Sonderrechte einzuräumen. Im Laufe der Planungen wurde zudem bekannt, dass für das Vorhaben deutlich mehr öffentlicher Grund benötigt würde als ursprünglich angenommen.
Wer ist Wolfgang Porsche?Wolfgang Porsche ist Vorsitzender des Aufsichtsrats der Porsche AG und gehört zur Unternehmerfamilie Porsche-Piëch, die zu den wichtigsten Anteilseignern des Volkswagen-Konzerns zählt. Der 83-Jährige ist zudem Aufsichtsratsvorsitzender der Porsche Automobil Holding SE sowie Aufsichtsratsmitglied bei Audi. Er ist ein Enkel des Automobilkonstrukteurs Ferdinand Porsche und gilt als eine der prägenden Persönlichkeiten hinter der Eigentümerstruktur des Volkswagen-Konzerns. Trotz seiner zentralen Rolle im Unternehmen tritt Wolfgang Porsche vergleichsweise selten öffentlich auf und konzentriert sich vor allem auf seine Aufgaben in den Kontrollgremien der Unternehmensgruppe.

Wolfgang Porsche
Proteste gegen das Bauprojekt
Besonders Umweltgruppen sowie Vertreter der Grünen und der KPÖ stellten sich gegen das Vorhaben. Mehr als 19.000 Menschen unterstützten eine Petition gegen den Tunnelbau. Aktivisten organisierten Protestaktionen in Salzburg und machten das Projekt über die Stadtgrenzen hinaus bekannt. Die Gegner sahen in dem Vorhaben ein Symbol für die Bevorzugung vermögender Einzelpersonen. Befürworter verwiesen dagegen darauf, dass sämtliche Baukosten privat finanziert würden und die Sanierung des historischen Gebäudes langfristig dessen Erhalt sichere.
Auch juristisch blieb das Projekt umstritten. Mehrere Gutachten beschäftigten sich mit Fragen des Bau- und Verwaltungsrechts. Trotz der Einwände stimmte der Salzburger Planungsausschuss dem Vorhaben schließlich zu.
Historisches Gebäude mit prominenter Vergangenheit
Das Paschinger Schlössl zählt zu den bekanntesten Privatimmobilien Salzburgs. Seine besondere historische Bedeutung geht auf den österreichischen Schriftsteller Stefan Zweig zurück, der dort von 1919 bis 1934 lebte. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten verließ Zweig Österreich und ging ins Exil. Die Verbindung zu dem weltbekannten Autor rückte das Gebäude während der Debatte immer wieder in den Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit.
Laut Verkaufsunterlagen verfügt die Villa über zwölf Zimmer, 616 Quadratmeter Wohnfläche und ein rund 7.800 Quadratmeter großes Grundstück mit Blick auf die Salzburger Altstadt. Bemerkenswert ist auch, dass die bereits genehmigte Tunnelplanung ausdrücklich als Teil des Angebots hervorgehoben wird. Ein neuer Eigentümer könnte das Projekt grundsätzlich weiterverfolgen.












