Zukunft des VW-Werks Osnabrück: Ist VW-Aktionär Katar gegen den Israel-Rüstungsdeal?

Zukunft des VW-Werks Osnabrück
Ist VW-Aktionär Katar gegen den Israel-Rüstungsdeal?

ArtikeldatumVeröffentlicht am 10.07.2026
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Iron Dome VW
Foto: Bloomberg via Getty Images

Hintergrund seien die komplizierten politischen Beziehungen Katars zu Israel. Nach Einschätzung von Reuters könnte dies die Verhandlungen über eine Nachnutzung des Standorts erschweren.

Für Volkswagen gehört die Zukunft des Werks zu den wichtigen offenen Baustellen im laufenden Konzernumbau. Die Produktion des T-Roc Cabriolet soll 2027 auslaufen. Danach benötigt der Standort eine neue Perspektive. Das Werk beschäftigt derzeit rund 2.300 Mitarbeiter.

Bereits im Frühjahr war bekannt geworden, dass Volkswagen mit mehreren Unternehmen aus der Verteidigungsindustrie über eine mögliche Weiternutzung des Werks spricht. Besonders weit fortgeschritten sind offenbar die Gespräche mit dem israelischen Staatsunternehmen Rafael.

Rafael interessiert sich für den Standort

So habe Rafael bereits eine Absichtserklärung zum Kauf des Werks unterzeichnet. Das Unternehmen solle in Osnabrück Komponenten für das israelische Luftverteidigungssystem Iron Dome herstellen. Dabei geht es nach bisherigem Kenntnisstand nicht um die Produktion kompletter Waffensysteme oder Abfangraketen. Diskutiert wird vielmehr die Fertigung einzelner Systembestandteile, wie auch schon www.auto-motor-und-sport.de im März berichtete.

Das Iron-Dome-System dient dem Schutz vor Kurzstreckenraketen, Artilleriegeschossen und Drohnen. Es besteht aus mehreren Komponenten wie Radar, Feuerleittechnik und mobilen Startgeräten, die auf verschiedenen Fahrzeugen installiert werden können.

Katar gehört zu den größten VW-Aktionären

Eine besondere Rolle spielt die Qatar Investment Authority. Der Staatsfonds hält 17 Prozent der Stimmrechte an Volkswagen sowie 10,4 Prozent des gesamten Aktienkapitals von Volkswagen, und ist nach Porsche SE und dem Land Niedersachsen der drittgrößte Anteilseigner des Konzerns. Zudem entsendet die QIA zwei Vertreter in den Aufsichtsrat.

Nach Angaben von Reuters hat der Fonds Einwände gegen die Gespräche mit Rafael erhoben und dabei auf die schwierigen politischen Beziehungen Katars zu Israel verwiesen. Katar wird von Kritikern vorgeworfen, die Hamas finanziell unterstützt zu haben. Die Regierung in Doha weist zurück, die Terrororganisation direkt finanziert zu haben. Volkswagen, der Aufsichtsrat sowie die Qatar Investment Authority wollten sich zu dem Bericht nicht äußern. Gegenüber www.auto-motor-und-sport.de äußerte sich VW wie folgt:

Volkswagen prüft weiterhin Perspektiven für den Standort Osnabrück über das Auslaufen der aktuellen Fahrzeugfertigung im Jahr 2027 hinaus. Der Standort ist innerhalb des Produktionsnetzwerks der Volkswagen AG auf Kleinserien- und Spezialprojekte spezialisiert. Vor diesem Hintergrund führt das Unternehmen Gespräche mit Unternehmen aus der Verteidigungsindustrie, um nachhaltige Beschäftigungsperspektiven zu entwickeln.

Ziel dieser Sondierungen ist es, Optionen für eine Auslastung zu prüfen und eine Beschäftigung über 2027 hinaus zu sichern. Hintergrund sind ein rückläufiger europäischer Markt sowie bestehende Überkapazitäten. Maßgeblich bleiben dabei wirtschaftlich tragfähige und intelligente Lösungen. Eine Entscheidung über die künftige Ausrichtung des Standorts Osnabrück ist bislang nicht getroffen. Wir bitten um Verständnis, dass wir uns zu potenziellen Kooperationen oder entsprechenden Spekulationen grundsätzlich nicht äußern.

Nach Reuters-Informationen wird inzwischen auch über ein Gemeinschaftsunternehmen zwischen Volkswagen und Rafael gesprochen. Dabei könnte das Land Niedersachsen eine Rolle übernehmen. Ministerpräsident Olaf Lies wollte sich gegenüber der Nachrichtenagentur nicht zu den Berichten über Katar äußern. Er erklärte lediglich, Volkswagen müsse zeitnah eine langfristige Perspektive für den Standort vorlegen.

Hintergrund zum VW-Werk OsnabrückDas Werk in Osnabrück gehört seit 2009 zu Volkswagen, nachdem der frühere Karosserie- und Cabrio-Spezialist Karmann Insolvenz angemeldet hatte. Der Standort gilt innerhalb des Konzerns als Kompetenzzentrum für Cabrio- und Kleinserienfertigung und übernimmt zudem einzelne Aufträge anderer Konzernmarken. Aktuell wird dort vor allem das VW T-Roc Cabriolet produziert, dessen Fertigung 2027 endet.

Bild berichtet von einem Veto

Über die Reuters-Recherche hinaus berichtet inzwischen auch "Bild" über den Vorgang. Die Zeitung schreibt unter Berufung auf eigene Informationen, die Vertreter Katars hätten ein Veto gegen die Vereinbarung mit Rafael eingelegt.

Fazit