08/2020, Lucid Motors Air Lucid Motors
Lucid Motors Air
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Lucid Motors Air 24 Bilder

Tesla-Konkurrent Lucid Motors Air (2021)

E-Limousine soll sogar 832 km Reichweite schaffen

Update

Mit dem Lucid Motors Air wurde 2017 ein weiteres Elektroauto vorgestellt, das Tesla ein paar Kunden abjagen soll. Das Startup stellt für seine Limousine eine enorme Reichweite in Aussicht. Es gibt aber auch schlechte Nachrichten.

Begonnen hat das Abenteuer bereits 2007 mit einer Batterie und einer Idee unter dem Firmennamen Atieva in Kalifornien. Seit 2014 wird am ersten Auto gearbeitet. Zum Entwicklungsstab gehören unter anderem zahlreiche Ex-Tesla-Ingenieure. Kurz vor der Premiere der ersten Studie auf der L.A. Autoshow 2017 kam der Namenswechsel. Aus Atieva wurde Lucid Motors – und nun steht die finale Enthüllung des Serienautos kurz bevor.

Lucid Air: Debüt verzögert sich

Die viertürige Limousine trägt in der Serienversion den Namen "Air" und soll direkt das Tesla Model S oder den kommenden Mercedes EQS angreifen. Das Modell sollte ursprünglichen Planungen zufolge im April bei der New York International Auto Show debütieren. Da die Automesse wegen des Coronavirus auf Ende August verschoben wurde (weitere Informationen dazu lesen Sie hier), musste auch Lucid Motors seinen Zeitplan anpassen und wird sein Erstlingswerk bei einer digitalen Weltpremiere am 9. September enthüllen. Noch 2020 soll dann die Produktion anlaufen, damit die ersten Kunden Anfang 2021 ihre Autos erhalten.

Einige Details und Design-Elemente wurden von den Kaliforniern bereits in einem Teaser-Video angekündigt. Zur Technik wird in dem Clip nichts erzählt, aber die Daten sind schon länger bekannt. Für ein Maximum an Fahrkomfort und -dynamik erhält der Lucid Air ein Luftfederfahrwerk. 1.000 PS sollen die beiden Elektromotoren an alle vier Räder leiten. Und zwar so effektiv, dass die Beschleunigung von null auf 60 mph (96,6 km/h) in unter 2,5 Sekunden gelingen und die Höchstgeschwindigkeit bei über 320 km/h liegen soll. Nicht unbeteiligt an dieser Effizienz ist der rekordverdächtige cW-Wert von 0,21. Um diesen zu erreichen, muss neben der Grundform des Autos auch die Beschaffenheit der Oberflächen mitspielen. Dabei werden auch so genannte Aero-Räder eine große Rolle spielen, denn in den Radhäusern gibt es die meisten Verwirbelungen. Doch selbst verpackt in einem Mercedes V-Klasse-Kleid hat der Antriebsstrang schon sein Potenzial bewiesen (siehe Video): null bis 100 km/h in 2,69 Sekunden und über 300 km/h Höchstgeschwindigkeit.

Mit 900-Volt-Technik und 832 km Reichweite

Wie Lucid-Chef Peter Rawlinson der Fach-Website "Electrek" sagte, bietet der Air eine absolute Weltneuheit: Der Antrieb basiert auf einem 900-Volt-System, das ihn im Vergleich zu anderen Elektroautos seiner Klasse leistungs- und widerstandsfähiger machen soll. Zum Vergleich: Der Porsche Taycan arbeitet mit 800-Volt-Technologie, Tesla gibt sich mit 400 Volt zufrieden. Für die Stromversorgung sorgen klassische Lithium-Ionen-Batterien von LG Chem; mit den Koreanern schloss Lucid Motors im Februar einen Liefervertrag.

Deren genaue Kapazität ist nicht bekannt. Rawlinson sagt, dass sie unter 130 Kilowattstunden liegt und im Vergleich zu ersten Prototypen "erheblich reduziert" wurde. Dennoch stellt Lucid Motors eine enorme Reichweite in Aussicht: In einer Mitteilung nennen die Kalifornier neuerdings eine Reichweite von 832 Kilometern (517 Meilen) mit einer Batterieladung. Dieser Wert sei vom Zentrum der Forschungsgesellschaft für Energietechnik und Verbrennungsmotoren (FEV) in Auburn Hills, Michigan, ermittelt worden. Dabei handelt es sich um Berechnungen, bei denen das Institut jedoch die strengen Vorgaben der US-Umweltbehörde EPA angewendet haben will.

Zum Vergleich: Das Tesla Model S schafft der EPA zufolge maximal 402 Meilen (647 Kilometer). Mercedes prognostiziert für seine neue Elektro-Limousine EQS einen 700-Kilometer-Radius (mehr dazu lesen Sie hier). Zuvor nannte Lucid Motors die Reichweitenziele 442 Meilen (711 Kilometer) und 400 Meilen (644 Kilometer). Um diese Ambition zu unterstreichen, veröffentlichte der Hersteller in den vergangenen Wochen und Monaten mehrere Videos. Eine 400-Meilen-Strecke hat die Oberklasse-Limousine dabei souverän geschafft.

Lucid Air mit harmonischem Design

Die viertürige E-Limousine zeigt sich mit einer schmalen, grimmigen Front. Spezielle Micro-Linsen fungieren als Scheinwerfer und passen das Licht je nach Fahrsituation an. Schon nahezu klassisch mutet das weitere Design an. Ausgestellte Radhäuser, eine gewölbte Motorhaube, schmale Spiegel und eine coupéhafte Dachlinie sind schon fast VW-haft. Hingucker hier: Das riesige Panoramadach, dass nahtlos in die Windschutzscheibe übergeht. Das Stummelheck zeigt sich mit schmalem LED-Leuchtenband sowie breiten C-Säulen, die trotzdem leicht wirken. Angaben zu den Abmessungen des Lucid Air gibt es nicht. Die E-Limo soll jedoch die Größe eines Modells der oberen Mittelklasse mit dem Platz einer Oberklasse-Limousine vereinen.

Lucid Motors Air
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Der Riesen-Bildschirm in der Mittelkonsole und die weit ins Dach gezogene Frontscheibe wecken Erinnerungen an Tesla.

Entsprechend geht es im Inneren luxuriös zu. Stark konturierte Sitze vorne sind von einer breiten Mittelkonsole getrennt. Ein riesiger Bildschirm übernimmt in der Mitte die Darstellung der Navigation sowie die Steuerung des Infotainmentsystems mit 29 Lautsprechern. Die Cockpit-Anzeigen sind volldigital und dem Fahrer zugewandt, der Air soll zudem über eine natürliche Spracheingabe verfügen. Das Auto erhält obendrein einen digitalen Assistenten, der es an die Vorlieben des Fahrers anpasst und sich auch per Smartphone-App steuern lässt. Für die Heckpassagiere sieht Lucid-Motors zwei Sitz-Alternativen vor. Zum einen die klassische Rücksitzbank ohne Mittelkonsole. Zum anderen Executive-Liege-Einzelsitze, die von einer breiten Mittelkonsole mit Steuerungs-Tablet getrennt werden.

Lucid Air kostet vorerst über 100.000 Dollar

Inzwischen lässt sich der Lucid Air vorbestellen. In den USA werden dafür 1.000 Dollar fällig, deutsche Interessenten müssen 900 Euro hinterlegen. Zum Marktstart wird der Hersteller seine Limousine zu Preisen über 100.000 Dollar (etwa 91.000 Euro) auf den Markt bringen. Dabei handelt es sich um eine in Sachen Technik und Ausstattung hochgerüstete Variante: Das Einführungs-Modell namens "Dream Edition" erhält demnach die volle Leistung, Allradantrieb und einige exklusive Farben. Später soll es noch günstigere Versionen geben. Ursprünglich waren 60.000 Dollar für das 400 PS starke, hinterradgetriebene Basismodell mit 400 Kilometer Reichweite im Gespräch. Genau wissen wir das im April: Gleichzeitig mit dem Auto sollen auch die Preise und alle weiteren endgültigen Daten veröffentlicht werden.

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Zur Markteinführung soll eine 100.000 Dollar teure Launch Edition des Lucid Air zu haben sein.

Am geplanten Produktions- und Marktstart will Lucid Motors trotz der aktuellen Verzögerungen festhalten: Gefertigt werden soll der Air ab Jahresende 2020 in einer neu gebauten Fabrik in Casa Grande, Arizona. Insgesamt werden dort bis zum Jahr 2022 700 Millionen Dollar investiert und 2.000 Arbeitsplätze geschaffen. Dabei hilft auch ein Investment des Saudischen Staatsfonds, der im Sommer 2018 mit über einer Milliarde Dollar bei Lucid Motors einstieg. In diesem Jahr sollte ursprünglich auch die Fertigung der Elektro-Limousine anlaufen. Darüber hinaus seien auch andere Karosserievarianten auf dem rein elektrischen Antriebsstrang denkbar. Für autonome Fahrfunktionen, deren Software over-the-air aufgefrischt werden kann, soll der Lucid Air bereits vorkonditioniert sein. Das Unternehmen lockt seine Kunden aber schon jetzt mit Versprechen wie "Ihr Auto kann Ihre Lebensmittel abholen und Ihre Kinder vom Training abholen" sowie "Sie können sich einfach zurücklehnen und entspannen".

E-Auto fährt Rekord

2017 sorgte Lucid Motors für Aufsehen, als der Air nach eigenen Angaben einen Geschwindigkeitsrekord für Elektrofahrzeuge aufstellte. Das Elektroauto erreichte auf einem Rundkurs in Ohio 235 Meilen pro Stunde, das entspricht 378 km/h. Das Versuchsfahrzeug war völlig ausgeräumt und mit Überrollbügeln verstärkt. Im ersten Versuch war der vordere Motor wärmer geworden als berechnet. Eine umprogrammierte Software für die Kühlung behob das Problem. Für den Rekordversuch wurden außerdem aerodynamisch optimierte Räder montiert.

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Kann Lucid Motors auf dem umkämpften Markt für Premium-Elektroautos bestehen?
Ja. Hier scheint alles zu stimmen. Das Projekt kann erfolgreich werden.
Nein. So ein Startup wird sich niemals gegen die Konzerne durchsetzen.

Fazit

Faraday Future, Fisker, Nio und wie sie alle heißen: Es mangelt wahrlich nicht an Tesla-Herausforderern. Und Lucid Motors will auch noch ein Stück von einem Kuchen abhaben, von dem man noch gar nicht weiß, wie groß er überhaupt mal sein wird. Vom ersten Eindruck her scheint die Firma ein vielversprechendes Produkt auf den Markt zu bringen. Ob das reicht, wird sich zeigen.

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