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09/2021, Lucid Air Alektro-Limousine Produktionsstart
09/2021, Lucid Air Alektro-Limousine Produktionsstart
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Lucid Air 36 Bilder

Lucid Air: E-Limousine mit 837 Kilometer Reichweite

Lucid Air mit 837 km Elektro-Reichweite Produktion des Model-S- und EQS-Fighters gestartet

Lucid-Chef Peter Rawlinson hat vorher bei Tesla das Model S mitentwickelt – jetzt heizt er seinem früheren Arbeitgeber mit dem extrem effizienten und potenten Air ein. Jetzt startet die Serienfertigung der Elektro-Limousine mit behördlich bestätigter Mega-Reichweite.

Das Segment der elektrisch angetriebenen Luxus-Limousinen ist nun offiziell um einen Vertreter reicher: In der neuen Fabrik in Casa Grande, US-Bundestaat Arizona, startete offiziell die Serienfertigung des Lucid Air; Ende Oktober sollen die ersten Fahrzeuge in Kundenhände übergeben werden.

09/2021, Lucid Air Alektro-Limousine Produktionsstart
Lucid Motors

Vor Erreichen dieses Meilensteins hat die US-Umweltschutzbehörde EPA (Environmental Protection Agency) bereits offiziell die Reichweite des über 1.000 PS starken Lucid Air in der Dream Edition ermittelt: Mit einer Batterieladung kommt das Auto 837 Kilometer weit. Das ist die größte Reichweite, die die EPA bisher bei einem Elektro-Pkw gemessen hat. Ein Tesla Model S kommt mit seiner größten Batterie maximal 652 Kilometer weit – der Air schlägt das Model S also um beeindruckende 185 Kilometer. Mercedes gibt für den EQS maximal mögliche 770 Kilometer an.

Rekord-Reichweite nur mit 19-Zoll-Rädern möglich

Die Rekordreichweite des Lucid gilt für die Ausstattung mit 19-Zoll-Rädern. Sind die optionalen 21-Zöller montiert, sinkt die Reichweite um 63 auf 774 Kilometer. Der über 800 PS starke Lucid Air Grand Touring kam mit 19-Zoll-Rädern bei der EPA-Messung ebenfalls hervorragende 830 Kilometer weit, mit 21-Zoll-Rädern geht hier die Reichweite um 75 auf 755 Kilometer runter. Lucid-Chef Peter Rawlinson, der vorher unter Elon Musk Chefentwickler für das Tesla Model S war, freut sich im Zusammenhang mit dem neuen Rekordwert über die extreme Effizienz seiner Fahrzeuge – eine übergroße Batterie sei für die hohe Reichweite nicht nötig.

Die viertürige Limousine Lucid Air ist ein direkter Angriff auf das führende Fahrzeug in diesem Segment: das Tesla Model S. Der "Air" (Luft), eine 4,97 Meter lange und ca. 1,45 Meter hohe viertürige E-Limousine, dokumentiert die Ernsthaftigkeit seiner Ambitionen mit einer schmalen, grimmigen Front und einem mächtigen Radstand von rund 3,10 Metern. Ein Porsche Taycan ist niedriger, breiter und länger, hat aber weniger Abstand zwischen den Achsen.

Modern gestylt, praktisch konstruiert

Unter der vorderen Haube des Air verbirgt sich der 280 Liter Gepäck fassende Frunk (Front Trunk: vorderer Kofferraum). Er ist mit Abstand größte im Segment. Für eine bessere Praktikabilität verpasst ihm Lucid einen doppelten Boden. Vorderer und hinterer Kofferraum zusammen ergeben 739 Liter Stauraum – und auch der Heckkofferraum hat einen doppelten Ladeboden.

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Unter der Fronthaube verbrigt sich der 280 Liter große vordere Kofferraum (Frunk).

Spezielle Micro-Linsen fungieren als Scheinwerfer und passen das Licht je nach Fahrsituation an. Schon nahezu klassisch mutet das weitere Design an. Ausgestellte Radhäuser, eine gewölbte Motorhaube, schmale Spiegel und eine coupéhafte Dachlinie sind schon fast VW-haft. Hingucker hier: Das riesige Panoramadach, das nahtlos in die Windschutzscheibe übergeht. Das Stummelheck breiten C-Säulen und endet mit einem schmalem LED-Leuchtenband.

Der Innenraum ist luxuriös ausgestattet: Stark konturierte Sitze vorne sind von einer auffällig breiten Mittelkonsole getrennt. Ein riesiger Bildschirm übernimmt in der Mitte die Darstellung der Navigation sowie die Steuerung des Infotainmentsystems mit 29 Lautsprechern. Vor dem Fahrer wölbt sich ein 34 Zoll großes, in alle Richtungen leicht gebogenes 5K-Glas-Cockpit-Display – zudem verfügt der Air über eine Spracheingabe-Funktion. Das Auto erhält obendrein einen digitalen Assistenten, der die Vorlieben des Fahrers übernimmt und sich auch per Smartphone-App steuern lässt. Für die Fondpassagiere sieht Lucid-Motors zwei Sitz-Alternativen vor. Zum einen die klassische Rücksitzbank ohne Mittelkonsole. Zum anderen Executive-Liege-Einzelsitze, die von einer breiten Mittelkonsole mit Steuerungs-Tablet getrennt werden.

1.080 PS und ein Luftfahrwerk

Für ein Maximum an Fahrkomfort und -dynamik erhält der Lucid Air ein Luftfederfahrwerk. Die beiden an der Hinterachse positionierten Elektromotoren leisten 1.080 PS. Die Basisversion mit einem Motor hat 670 PS, später soll noch eine dreimotorige Variante mit einem einzelnen Frontmotor hinzukommen. Theoretisch wären dann insgesamt 2.000 PS möglich, aber dafür gibt es laut Lucid noch keine passende Batterie. Die Ingenieure haben die Antriebseinheit extrem auf Kompaktheit getrimmt: Der Motor passt inklusive Getriebe und Inverter in einen Flugzeug-Kabinentrolley.

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In der Front des Lucid Air sitzt ein hochauflösendes Lidar-System.

Für die Funktionen zum teilautonomen Fahren rüstet Lucid den Air mit Kamera-, Radar-, und Ultraschallsensoren aus – insgesamt sind es 32. In die Front der Elektrolimousine haben die Ingenieure ein hochauflösendes Lidar-System (light detection and ranging) integriert. Damit gehört der Air zu den ersten Serienfahrzeugen mit dieser Technik zur optischen Abstands- und Geschwindigkeits-Messung. Tesla-Chef Elon Musk hat sich Anfang 2019 gegen den Einsatz von Lidar-Systemen entschieden – mit der Begründung, die Technik sei ihm zu lahm.

Die zweimotorige Variante beschleunigt laut Lucid in 2,5 Sekunden auf 60 mph (97 km/h) die Höchstgeschwindigkeit ist auf 320 km/h abgeregelt. Die Viertelmeile (402,34 m) soll der Air in beeindruckenden 9,9 Sekunden runterreißen – ein Bugatti Chiron braucht genauso lange, ein Veyron ist mit 10,1 Sekunden schon deutlich langsamer. Hier hilft auch der hervorragende cW-Wert von 0,21. Den haben die Ingenieure durch ein Bündel von Maßnahmen erreicht: An der Front des Air befindet sich in Höhe der Scheinwerfer eine Kante, die dafür sorgt, dass die Luft mit erhöhtem Druck über die Motorhaube fließt. Den Verwirbelungen in den Radhäusern wirkt ein gezielt erzeugter Luftstrom, ein sogenannter Air Curtain, entgegen. Und die unter dem Fronstoßfänger durch eine vergleichweise kleine Öffnung eindringende Kühlluft verwirbelt sofort, um eine maximale Kühlung von dort befindlichen Komponenten zu erzielen.

Mit 900-Volt-Technik

Der Antrieb basiert auf einem 900-Volt-System, das ihn im Vergleich zu anderen Elektroautos seiner Klasse leistungs- und widerstandsfähiger machen soll. Zum Vergleich: Der Porsche Taycan arbeitet mit 800-Volt-Technologie, Tesla gibt sich mit 400 Volt zufrieden. Für die Stromversorgung sorgt ein selbstentwickelter und im Lucid-Werk gebauter 113-kWh-Akku, die Zellen produziert LG Chem nach den von Lucid vorgegebenen Spezifikationen. Eine die Energiereserven schonende und somit die Reichweite weiter steigernde Wärmepumpe hat Lucid gerade in der Entwicklung – zum Marktstart des Air steht sie noch nicht zur Verfügung.

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Motor, Getriebe und Inverter bilden beim Air eine extrem kompakte Einheit.

Der Air ist für bidirektionales Laden vorbereitet – er soll Energie ins Netz zurückspeisen können. Außerdem soll er sich mit der Onboard-Technik überall laden lassen und alle möglichen anderen Geräte sollen wiederum an ihm aufladbar sein. Pro Minute Ladezeit steigt die Reichweite des Air um 32 Kilometer, in 20 Minuten sollen sich 483 Kilometer nachladen lassen.

Dem jungen, im Silicon Valley in Kalifornien ansässigen Hersteller zufolge sollen 13.000 Vorbestellungen vorliegen, wobei dafür jeweils 1.000 Dollar angezahlt werden müssen. Deutsche Interessenten müssen 900 Euro hinterlegen. Zum Marktstart gibt es den Air für 169.000 Dollar (aktuell umgerechnet zirka 143.582 Euro). Dabei handelt es sich um eine in Sachen Technik und Ausstattung hochgerüstete Variante: Das Einführungs-Modell namens "Dream Edition" erhält demnach die volle Leistung, Allradantrieb und einige exklusive Farben. Die Basisversion bietet Lucid für 69.900 Dollar (59.711 Euro) an. Für die nächsthöhere Ausstattung Air Touring verlangt der kalifornische Hersteller 87.500 Dollar (74.807 Euro).

Autonome Fahrfunktionen sollen folgen

In Casa Grande investiert Lucid bis zum Jahr 2022 insgesamt 700 Millionen Dollar und schafft 2.000 Arbeitsplätze. Dabei hilft auch ein Investment des Saudischen Staatsfonds, der im Sommer 2018 mit über einer Milliarde Dollar bei Lucid Motors einstieg. Das Geld soll unter anderem helfen, weitere Karosserievarianten für rein elektrischen Antriebsstrang zu entwickeln. Für autonome Fahrfunktionen, deren Software over-the-air (OTA) aufgefrischt werden kann, soll der Lucid Air bereits vorkonditioniert sein. Das Unternehmen lockt seine Kunden aber schon jetzt mit Versprechen wie "Ihr Auto kann Ihre Lebensmittel abholen und Ihre Kinder vom Training abholen" sowie "Sie können sich einfach zurücklehnen und entspannen".

Lucid Air
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Technischer Aufbau der Lucid-Plattform.

Bereits 2017 sorgte Lucid Motors für Aufsehen, als der Air nach eigenen Angaben einen Geschwindigkeitsrekord für Elektrofahrzeuge aufstellte. Das Elektroauto erreichte auf einem Rundkurs in Ohio 235 Meilen pro Stunde, das entspricht 378 km/h. Das Versuchsfahrzeug war völlig ausgeräumt und mit Überrollbügeln verstärkt. Im ersten Versuch war der vordere Motor wärmer geworden als berechnet. Eine umprogrammierte Software für die Kühlung behob das Problem. Für den Rekordversuch wurden außerdem aerodynamisch optimierte Räder montiert.

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Fazit

Bislang hat es kaum einer der Tesla-Konkurrenten auf die Straße geschafft. Lucid steht nun kurz davor: Die Serienfertigung des Air hat nun begonnen. Mit der Elektro-Limousine haben die Kalifornier ein Produkt im Portfolio, das theoretisch alles besser kann als ein Tesla Model S. Effizienter, performanter, reichweitenstärker, geräumiger und in Sachen Austausch von Energie mit dem Netz und anderen Geräten beinahe unlimitiert flexibel. Kein Wunder, schließlich war Lucid-Chef Peter Rawlinson bei der Entwicklung des Model S der technische Direktor – dass er gegangen ist, hat ihm Elon Musk bis heute nicht verziehen.

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