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Lucid Air: E-Limousine mit viel Power und riesiger Reichweite.

Lucid gibt Preise des Air bekannt 832 Kilometer Reichweite sollen Tesla schocken

Lucid-Chef Peter Rawlinson hat vorher bei Tesla das Model S mitentwickelt – jetzt heizt er seinem früheren Arbeitgeber mit dem extrem effizienten und potenten Air ein. Reichweite- und Leistungsversprechen sind enorm – ein SUV und günstige Modelle sollen folgen.

Die viertürige Limousine Lucid Air ist ein direkter Angriff auf das führende Fahrzeug in diesem Segment: das Tesla Model S. Der "Air" (Luft), eine 4,97 Meter lange und ca. 1,45 Meter hohe viertürige E-Limousine dokumentiert die Ernsthaftigkeit seiner Ambitionen mit einer schmalen, grimmigen Front und einem mächtigen Radstand von rund 3,10 Metern. Ein Porsche Taycan ist niedriger, breiter und länger, hat aber weiger Abstand zwischen den Achsen.

Unter der vorderen Haube des Air verbirgt sich der 280 Liter Gepäck fassende Frunk (Front Trunk: vorderer Kofferraum). Er ist mit Abstand größte im Segment. Für eine bessere Praktikabilität verpasst ihm Lucid einen doppelten Boden. Vorderer und hinterer Kofferraum zusammen ergeben 739 Liter Stauraum – und auch der Heckkofferraum hat einen doppelten Ladeboden.

Spezielle Micro-Linsen fungieren als Scheinwerfer und passen das Licht je nach Fahrsituation an. Schon nahezu klassisch mutet das weitere Design an. Ausgestellte Radhäuser, eine gewölbte Motorhaube, schmale Spiegel und eine coupéhafte Dachlinie sind schon fast VW-haft. Hingucker hier: Das riesige Panoramadach, das nahtlos in die Windschutzscheibe übergeht. Das Stummelheck breiten C-Säulen und endet mit einem schmalem LED-Leuchtenband.

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Das große Glasdach lässt den Innenraum luftig wirken.

Der Innenraum ist luxuriös ausgestattet: Stark konturierte Sitze vorne sind von einer auffällig breiten Mittelkonsole getrennt. Ein riesiger Bildschirm übernimmt in der Mitte die Darstellung der Navigation sowie die Steuerung des Infotainmentsystems mit 29 Lautsprechern. Vor dem Fahrer wölbt sich ein 34 Zoll großes, in alle Richtungen leicht gebogenes 5K-Glas-Cockpit-Display – zudem verfügt der Air über eine Spracheingabe-Funktion. Das Auto erhält obendrein einen digitalen Assistenten, der die Vorlieben des Fahrers übernimmt und sich auch per Smartphone-App steuern lässt. Für die Fondpassagiere sieht Lucid-Motors zwei Sitz-Alternativen vor. Zum einen die klassische Rücksitzbank ohne Mittelkonsole. Zum anderen Executive-Liege-Einzelsitze, die von einer breiten Mittelkonsole mit Steuerungs-Tablet getrennt werden.

Für ein Maximum an Fahrkomfort und -dynamik erhält der Lucid Air ein Luftfederfahrwerk. Die beiden an der Hinterachse positionierten Elektromotoren leisten 1.080 PS. Die Basisversion mit einem Motor hat 670 PS, später soll noch eine dreimotorige Variante mit einem einzelnen Frontmotor hinzukommen. Theoretisch wären dann insgesamt 2.000 PS möglich, aber dafür gibt es laut Lucid noch keine passende Batterie. Die Ingenieure haben die Antriebseinheit extrem auf Kompaktheit getrimmt: Der Motor passt inklusive Getriebe und Inverter in einen Flugzeug-Kabinentrolley.

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Die Beinfreiheit im Fond des Air ist enorm.

Serienmäßig mit Lidar-System

Für die Funktionen zum teilautonomen Fahren rüstet Lucid den Air mit Kamera-, Radar-, und Ultraschallsensoren aus – insgesamt sind es 32. In die Front der Elektrolimousine haben die Ingenieure ein hochauflösendes Lidar-System (light detection and ranging) integriert. Damit gehört der Air zu den ersten Serienfahrzeugen mit dieser Technik zur optischen Abstands- und Geschwindigkeits-Messung. Tesla-Chef Elon Musk hat sich Anfang 2019 gegen den Einsatz von Lidar-Systemen entschieden – mit der Begründung, die Technik sei ihm zu lahm.

Heftige Fahrleistungen

Die zweimotorige Variante beschleunigt laut Lucid in 2,5 Sekunden auf 60 mph (97 km/h) die Höchstgeschwindigkeit ist auf 320 km/h abgeregelt. Die Viertelmeile (402,34 m) soll der Air in beeindruckenden 9,9 Sekunden runterreißen – ein Bugatti Chiron braucht genauso lange, ein Veyron ist mit 10,1 Sekunden schon deutlich langsamer. Hier hilft auch der hervorragende cW-Wert von 0,21. Den haben die Ingenieure durch ein Bündel von Maßnahmen erreicht: An der Front des Air befindet sich in Höhe der Scheinwerfer eine Kante, die dafür sorgt, dass die Luft mit erhöhtem Druck über die Motorhaube fließt. Den Verwirbelungen in den Radhäusern wirkt ein gezielt erzeugter Luftstrom, ein sogenannter Air Curtain, entgegen. Und die unter dem Fronstoßfänger durch eine vergleichweise kleine Öffnung eindringende Kühlluft verwirbelt sofort, um eine maximale Kühlung von dort befindlichen Komponenten zu erzielen.

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Technischer Aufbau der Lucid-Plattform.

Mit 900-Volt-Technik und 832 km Reichweite

Der Antrieb basiert auf einem 900-Volt-System, das ihn im Vergleich zu anderen Elektroautos seiner Klasse leistungs- und widerstandsfähiger machen soll. Zum Vergleich: Der Porsche Taycan arbeitet mit 800-Volt-Technologie, Tesla gibt sich mit 400 Volt zufrieden. Für die Stromversorgung sorgt ein selbstentwickelter und im Lucid-Werk gebauter 113-kWh-Akku, die Zellen produziert LG Chem nach den von Lucid vorgegebenen Spezifikationen.

Wegen des großen Akkus in Kombination mit einer hohen Effizienz stellt Lucid Motors eine enorme Reichweite in Aussicht: 832 Kilometern (517 Meilen) soll der Air mit einer Batterieladung schaffen. Dieser Wert sei vom Zentrum der Forschungsgesellschaft für Energietechnik und Verbrennungsmotoren (FEV) in Auburn Hills, Michigan, ermittelt worden. Dabei handelt es sich um Berechnungen, bei denen das Institut jedoch die strengen Vorgaben der US-Umweltbehörde EPA angewendet haben will. Eine die Energiereserven schonende und somit die Reichweite weiter steigernde Wärmepumpe hat Lucid gerade in der Entwicklung – zum Marktstart des Air steht sie noch nicht zur Verfügung.

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Motor, Getriebe und Inverter bilden beim Air eine extrem kompakte Einheit.

Zum Vergleich: Das Tesla Model S schafft der EPA zufolge maximal 402 Meilen (647 Kilometer). Mercedes prognostiziert für seine neue Elektro-Limousine EQS einen 700-Kilometer-Radius (mehr dazu lesen Sie hier). Als Belege für den enormen Aktionsradius veröffentlichte der Hersteller in den vergangenen Wochen und Monaten mehrere Videos. Eine 400-Meilen-Strecke hat die Oberklasse-Limousine dabei souverän geschafft.

Lädt überall, lädt alles und speist Energie ins Netz

Der Air ist für bidirektionales Laden vorbereitet – er soll Energie ins Netz zurückspeisen können. Außerdem soll er sich mit der Onboard-Technik überall laden lassen und alle möglichen anderen Geräte sollen wiederum an ihm aufladbar sein. Pro Minute Ladezeit steigt die Reichweite des Air um 32 Kilometer, in 20 Minuten sollen sich 483 Kilometer nachladen lassen.

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In der Front des Lucid Air sitzt ein hochauflösendes Lidar-System.

Lucid Air kostet ab 69.900 Dollar

Inzwischen lässt sich der Lucid Air vorbestellen. In den USA werden dafür 1.000 Dollar fällig, deutsche Interessenten müssen 900 Euro hinterlegen. Zum Marktstart gibt es den Air für 169.000 Dollar (aktuell umgerechnet zirka 143.582 Euro). Dabei handelt es sich um eine in Sachen Technik und Ausstattung hochgerüstete Variante: Das Einführungs-Modell namens "Dream Edition" erhält demnach die volle Leistung, Allradantrieb und einige exklusive Farben. Die Basisversion bietet Lucid für 69.900 Dollar (59.711 Euro) an. Für die nächsthöhere Ausstattung Air Touring verlangt der kalifornische Hersteller 87.500 Dollar (74.807 Euro).

Lucid Air SUV
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Auf Basis des Air stellt Lucid demnächst ein SUV vor.

Gefertigt werden soll der Air ab Jahresende 2020 in einer neu gebauten Fabrik in Casa Grande, Arizona. Insgesamt werden dort bis zum Jahr 2022 700 Millionen Dollar investiert und 2.000 Arbeitsplätze geschaffen. Dabei hilft auch ein Investment des Saudischen Staatsfonds, der im Sommer 2018 mit über einer Milliarde Dollar bei Lucid Motors einstieg. In diesem Jahr sollte ursprünglich auch die Fertigung der Elektro-Limousine anlaufen – der Verkauf in Europa ist für Ende 2021 vorgesehen. Darüber hinaus seien auch andere Karosserievarianten auf dem rein elektrischen Antriebsstrang denkbar. Für autonome Fahrfunktionen, deren Software over-the-air (OTA) aufgefrischt werden kann, soll der Lucid Air bereits vorkonditioniert sein. Das Unternehmen lockt seine Kunden aber schon jetzt mit Versprechen wie "Ihr Auto kann Ihre Lebensmittel abholen und Ihre Kinder vom Training abholen" sowie "Sie können sich einfach zurücklehnen und entspannen".

E-Auto fährt Rekord

2017 sorgte Lucid Motors für Aufsehen, als der Air nach eigenen Angaben einen Geschwindigkeitsrekord für Elektrofahrzeuge aufstellte. Das Elektroauto erreichte auf einem Rundkurs in Ohio 235 Meilen pro Stunde, das entspricht 378 km/h. Das Versuchsfahrzeug war völlig ausgeräumt und mit Überrollbügeln verstärkt. Im ersten Versuch war der vordere Motor wärmer geworden als berechnet. Eine umprogrammierte Software für die Kühlung behob das Problem. Für den Rekordversuch wurden außerdem aerodynamisch optimierte Räder montiert.

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Fazit

Bislang hat es kaum einer der Tesla-Konkurrenten auf die Straße geschafft, Lucid hat mit dem Air zumindest ein Produkt im Portfolio, das theoretisch alles besser kann, als ein Tesla Model S. Effizienter, performanter, reichweitenstärker, geräumiger und in Sachen Austausch von Energie mit dem Netz und anderen Geräten beinahe unlimitiert flexibel. Kein Wunder, schließlich war Lucid-Chef Peter Rawlinson bei der Entwicklung des Model S der technische Direktor – dass er gegangen ist, hat ihm Elon Musk bis heute nicht verziehen. Jetzt kommt die Model-S-Weiterentwicklung auf den Markt – als Lucid Air.

Technisch macht der Air mit seinem effizienten Antrieb und extrem leistungsstarken Motoren klar, dass auch hier die Entwicklungen beim Elektroauto permanent weitergehen.

Der Preis von über 160.000 Dollar ist fraglos hoch – aber dafür gibt es ein zukunftssicheres Elektroauto mit über 1.000 PS. Außerdem möchte und muss Lucid erstmal Geld verdienen – Tesla hat es mit dem Roadster und dem Model S genauso gemacht. Später folgt dann auch bei Lucid ein preiswerteres Modell. Erstmal wollen die Kalifornier mit dem Air ihr Image prägen. Bestätigt er seine Papierform auf der Straße, hat Tesla einen neuen ernstzunehmenden Konkurrenten am Hals – wenn Lucid durch die von Musk beklagte "Produktionshölle" gegangen ist. Denn die Entwicklung von E-Autos ist das Eine, der Bau das für viele Start-ups das größere Problem.

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