Porsche Taycan Erlkönig Stefan Baldauf

Porsche Taycan (2020)

Das sind die technischen Daten

Porsche bringt mit dem Taycan Anfang 2020 seinen ersten rein elektrisch angetriebenen Sportwagen auf den Markt. Der Viertürer soll über 600 PS leisten und eine Reichweite von über 500 Kilometern bieten. Damit er das auch dauerhaft bewerkstelligen kann, hat Porsche den Taycan bislang über sechs Millionen Kilometer getestet.

Auf der IAA 2015 hatte Porsche mit der Fahrzeugstudie Mission E einen ersten Ausblick in die Elektro-Zukunft der Marke gewährt. Das nur 1,30 Meter hohe Showcar mit vier gegenläufig öffnenden Türen ohne B-Säule sortiert sich rein äußerlich zwischen 911 und Panamera ein. Mittlerweile steht die Einführung eines Serienmodells fest, das den Namen Taycan tragen wird und der Studie optisch sehr nahe kommt. Der Name Taycan kommt aus dem Türkischen: Tay = Fohlen und Can = Leben, Seele. Porsche übersetzt es frei in „lebhaftes, junges Pferd“. Seine Premiere feiert der Elektro-Sportwagens voraussichtlich Ende 2019. Anfang 2020 dürften dann die ersten Modelle Kunden und Händler erreichen.

Grüne Hölle in unter acht Minuten

Erlkönig Porsche Taycan
Porsche
Bei den Tests in insgesamt 30 Ländern herrschten Temperaturen von minus 35 bis plus 50 Grad Celsius.

Zuvor hat Porsche seinen Elektro-Sportwagen auf Herz und Nieren getestet. Insgesamt sechs Millionen Testkilometer haben die Prototypen zurückgelegt, zwei Millionen davon in der Dauererprobung. In digitalen Simulationen spulte das Modell nochmal zehn Millionen Kilometer ab – natürlich auch auf der legendären Nordschleife des Nürburgrings. Hier soll das Modell eine Zeit von unter acht Minuten in den virtuellen Asphalt gezimmert haben. Hier die weiteren Erprobungs-Facts:

  • Länder: Insgesamt 30, darunter USA, China, Vereinigte Arabische Emirate und Finnland
  • Temperaturen: Von minus 35 bis plus 50 Grad Celsius
  • Luftfeuchtigkeit: Von 20 bis 100 Prozent
  • Höhe: Von 85 Meter unter bis 3.000 Meter über Normalnull
  • Ladezyklen: Mehr als 100.000 mit verschiedenen Ladetechnologien weltweit
  • Entwicklungs-Mannschaft: Rund 1.000 Testfahrer, Techniker und Ingenieure

Bei den Leistungsstufen greift Porsche auf bewährte Namen zurück. So heißt die Basis-Variante des Taycan Carrera, darüber rangiert der Carrera S und als Top-Modell darf der Taycan den Namenszusatz Turbo, Turbo S oder GTS tragen – auch wenn keine Verbrenner und auch keine Aufladungssysteme an Bord sind.

Auch die wichtigsten Eckdaten des E-Sportlers gibt es nun.

Technische Daten Porsche Taycan

Porsche Taycan Carrera Taycan Carrera Taycan Carrera 4S Taycan Carrera 4S Taycan Turbo Taycan Turbo S Taycan GTS
Batterie-Kapazität 80 kWh 80 kWh 96 kWh 96 kWh 96 kWh k.A. k.A.
Leistung 336 PS  381 PS 435 PS 490 PS 608 PS 734 PS k.A.
Vorderachse - - - - 218 PS / 300 Nm - -
Hinterachse -       408 PS / 550 Nm - -
Drehmoment - - - - 880 Nm (Overboost: 1.000 Nm) - -
Drehzahl max. - - - - 16.000/min. - -
0 - 100 km/h - - - - 3,2 s - -
0 - 200 km/h - - - - unter 10 s - -
V max         261 km/h    
Antrieb Heck Heck Allrad Allrad Allrad Allrad Heck
Getriebe - - 2-Gang 2-Gang 2-Gang 2-Gang 2-Gang
Reichweite - - - - 515 km (WLTP) - -
Gewicht:         2.095 kg    
Preis ca. 80.000 Euro ca. 80.000 Euro ca. 90.000 Euro ca. 90.000 Euro ca. 133.000 Euro - -
Porsche Taycan Carrera Taycan Carrera Taycan Carrera 4S Taycan Carrera 4S Taycan Turbo Taycan Turbo S Taycan GTS
Batterie-Kapazität 80 kWh 80 kWh 96 kWh 96 kWh 96 kWh k.A. k.A.
Leistung 336 PS  381 PS 435 PS 490 PS 608 PS 734 PS k.A.
Vorderachse - - - - 218 PS / 300 Nm - -
Hinterachse -       408 PS / 550 Nm - -
Drehmoment - - - - 880 Nm (Overboost: 1.000 Nm) - -
Drehzahl max. - - - - 16.000/min. - -
0 - 100 km/h - - - - 3,2 s - -
0 - 200 km/h - - - - unter 10 s - -
V max         261 km/h    
Antrieb Heck Heck Allrad Allrad Allrad Allrad Heck
Getriebe - - 2-Gang 2-Gang 2-Gang 2-Gang 2-Gang
Reichweite - - - - 515 km (WLTP) - -
Gewicht:         2.095 kg    
Preis ca. 80.000 Euro ca. 80.000 Euro ca. 90.000 Euro ca. 90.000 Euro ca. 133.000 Euro - -

Die Stuttgarter bauen für den Porsche Taycan eine Elektroplattform auf, die strukturell unterschiedlich zu der EV-Plattform von Volkswagen ausfällt. Angetrieben wird der Taycan von zwei permanent erregten Elektromotoren (einer pro Achse), die ihre Kraft per Torque Vectoring an die einzelnen Räder abgeben. Die Bremsenergierückgewinnung kann der Fahrer per Steuerung am Lenkrad beeinflussen.

Porsche Taycan Mission E
Porsche
So werden die Akkus in den Fahrzeugboden installiert.

96 kWh-Akku-Pack wiegt 650 Kilo

Längsdynamisch hatten bislang die wenigsten E-Autos dank ihres enormen Drehmoments bei niedrigen Drehzahlen Probleme. Mit einer Allradlenkung und dem besonders niedrigen Schwerpunkt (80 Millimeter unter dem des Porsche 911, Typ 992) soll der Taycan auch bei der Querdynamik ein markentypisches Niveau erreichen. Der Lithium-Ionen-Akku ist wie bei den meisten E-Autos zwischen den Achsen im Fahrzeugboden untergebracht. Um aber trotz der geringen Fahrzeughöhe (der Taycan soll die 1,30 Meter der Mission-E-Studie nicht wesentlich überragen) noch genug Platz für die Passagiere zu schaffen, planten die Ingenieure „Fußgaragen“ ein. Soll heißen: In den vier Fußräumen sitzen in der Bodengruppe des Elektroautos keine Batteriezellen – der Akku hat insgesamt die Form eines flachen Quaders, spart aber vier kleine Quader vor den Sitzen aus. Dort bleibt entsprechend Platz für die Füße der Passagiere, während die Sitzschienen quasi auf Akkuzellen montiert sind.

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Das Akku-Paket von LG Chem im Fahrzeugboden besteht aus 408 Zellen aufgeteilt in 34 Module. Dieses arbeitet idealerweise in einem Temperaturfenster von 20 bis 40 Grad Celsius. Das 96 kWh-Pack wiegt alleine 650 Kilogramm. Größte Besonderheit ist die 800 Volt-Technik, die Kabel mit einem deutlich geringeren Querschnitt und damit geringerer Masse erlaubt, was sich positv auf das Gesamtgewicht des Fahrzeugs auswirkt. Ein weiterer Vorteil dieser Technik sind die verkürzten Ladezeiten: Die Taycan-Akkus sollen in 15 Minuten auf 80 Prozent ihrer Gesamtkapazität geladen sein. Oder anders ausgedrückt: Vier Minuten Ladezeit sollen 100 Kilometer Reichweite bringen.

350 kW Ladeleistung erst ab 2021

Allerdings ist sich Porsche bewusst, dass es aktuell keine Ladeinfrastruktur mit 800-Volt-150 kW-Ladesäulen gibt. Gegenüber auto motor und sport sagte Porsche-Vorstandsvorsitzender Oliver Blume: „Der Staat möchte Elektromobilität fördern und wird deshalb Investitionen in die Infrastruktur tätigen müssen. Aber als Hersteller haben wir auch ein großes Interesse an einem schnellen Ausbau des Ladenetzes. Wichtig ist, dass ein solches Netz nicht nur in Deutschland, sondern auch in anderen Ländern schnell entsteht. Für uns liegt die Priorität dabei auf einem flächendeckenden Schnellladenetz mit einer Leistung von über 150 kW pro Ladestation.“

Porsche Mission E Sitzprobe
Stefan Baldauf / Guido ten Brink
Werden es nicht ins Serienmodell schaffen: die gegenläufig öffnenden Türen ohne B-Säule.


Mit dem Joint-Venture-Unternehmen Ionity sollen bis Ende 2019 400 Ladestation mit einer Leistung von 350 kW entstehen. Nun geht man davon aus, dasd zunächst nur eine Ladeleistung von 250 kW möglich ist, erst 2021 die 350 kW angeboten werden können. „Anfangs kostet hier ein Ladevorgang pauschal acht Euro“, sagt Michael Kiefer, Leiter Hochvoltsysteme bei Porsche Enigneering. Und dann? Keine Auskunft. Wie große der Energiebedarf ist, verdeutlicht Fabian Grill, Projektleiter Elektromobilität: „Bei einer angenommenen Jahresfahrleistung von 17.000 Kilometern verdoppelt ein Porsche Taycan den Stromverbrauch eines Drei-Personen-Haushaltes“. Daher müsse ein intelligentes Lademanagement etabliert werden, dass die Temperatur des Antriebs, die Energiequelle, den Energiepreis sowie andere Verbraucher berücksichtigt. Um sicher zu gehen, dass das klappt, werden in der Entwicklung rund 100.000 Ladevorgänge durchgeführt. Mehr noch: „Wir werden mit 200 Prototypen etwa sechs Millionen Testkilometer in der ganzen Welt abspulen“, sagt Projektleiter Robert Meier, Projektleiter Gesamtfahrzeug Taycan.

Türkonzept nicht von der Studie

Auf dem Weg von der Studie Mission E zum käuflichen Porsche Taycan verliert der Sportwagen übrigens sein Türkonzept, bekommt vier konventionell angeschlagene Türen mit rahmenlosen Seitenscheiben – und B-Säulen. „Das hat einfach Gewichts- und Sicherheitsgründe“, erklärt Meier. Auch Kameras anstelle von Seitenspiegeln seien wegen der breiten hinteren Kotflügeln und der erforderlichen Einbaulage der Monitore in den Türinnenverkleidungen nicht zu realisieren gewesen. Design und Proportionen entsprechen aber weitgehend der Studie. Soviel verraten die noch nicht kompletten Fahrzeuge aus der Produktionsvorserie bereits.

Erlkönig Porsche Taycan
Erlkönig Porsche Taycan Porsche Taycan Erlkönig Erlkönig Porsche Taycan Erlkönig Porsche Taycan 22 Bilder

Wenn sie rollen, dann geräuschlos. Doch das soll nicht so bleiben. „Der Taycan bekommt einen spezifischen Klang. Wir wollen dabei keinen Achtzylindermotor imitieren, sondern einen Elektro-Sound schaffen. Dazu nehmen wir den Klang direkt an der E-Maschine ab, filtern jene Frequenzen, die an einen Zahnarzt-Bohrer erinnern raus. Was bleibt, ist ein faszinierender, tiefer, eigenständiger Klang“, verrät Meier.

Weitere Varianten des Taycan geplant

Zudem seien durchaus weitere Varianten denkbar, eine nimmt die Studie Cross Turismo vorweg, deren Serienfertigung der Vorstand am 18. Oktober 2018 beschlossen hat. Zu den Derivaten äußerst sich Finanzvorstand Lutz Meschke noch ein wenig konkreter: „Ja, daran arbeiten wir, investieren rund 500 Millionen Euro“. Was er nicht sagt: Damit sind zunächst unterschiedliche Leistungsstufen der viertürigen Limousine gemeint – und eben jener Porsche Taycan Cross Turismo.

Porsche Taycan, Porsche Mission E
Porsche Taycan: Name, Invest, Technik - alles zum Super-E-Sportler
56 Sek.

Fazit

Der Taycan wird ein echter Porsche, daran gibt es keine Zweifel. Das betrifft natürlich auch den Preis. Weil der Elektro-Sportwagen voraussichtlich als Topversion mit über 600 PS in die Serie startet, wird wohl anfangs der Funke nur überspringen, wenn zuvor mindestens 133.000 Euro geflossen sind.

Mit hohen Preisen hat Porsche aber auch im bisherigen Portfolio kein Problem. Gegenüber anvisierten Rivalen wie dem Model S von Tesla wäre der Taycan immer noch konkurrenzfähig. Denn dem US-Pionier dürfte der Taycan der Längsdynamik mindestens ebenbürtig, bei der Querdynamik angesichts der angestrebten Rundenzeit auf der Nordschleife sogar überlegen sein.

Und dass es Porsche damit ernst ist, zeigen die Erlkönige, die am Nürburgring zu beobachten sind. „Die Zukunft von Porsche hängt auch vom Mission E ab“, erklärte Porsche-Chef Oliver Blume beim Neujahrsempfang des Sportwagenherstellers. Den Fortschritts-Skeptikern sei an dieser Stelle aber auch versichert, dass das Lenkrad als solches, bei aller Weiterentwicklung immer ein Bestandteil eines Porsches bleiben werde. Denn, so sagte Oliver Blume, ein Porsche wird auch in der Zukunft noch ein Auto sein, das man selbst fahren will.

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