Die Wiederbelebung der einstigen Mercedes-Marke als schwäbisch-chinesisches Joint-Venture enttäuschte manche Bestandskunden. Denn ausgerechnet das Kernmodell blieb zunächst ohne Nachfolger. Die Modelle #1, #3 und #5 entsprachen so gar nicht dem Markenbild – SUVs gab es bis dato nicht von Smart. Dass sie alle rein elektrisch fahren, machte es phasenweise nicht unbedingt einfacher, Strafzölle für das nun in China produzierende Unternehmen trieben die Preise.
Inzwischen wächst Smart mit dem E-Auto-Anteil bei den Neuzulassungen, die E-Auto-Förderung hilft zum Beispiel dem bisherigen Einstiegsmodell #1: 140 Prozent mehr Autos als im Vorjahr verkauften die bei Mercedes integrierten Smart-Händler etwa im Mai 2026.
Spätes Revival fürs Kernmodell
Und doch macht erst der #2 die Marke komplett und bringt ihr ein Einstiegsmodell mit zumindest absolut gesehen niedrigen Preisen, auch wenn die Konkurrenz in diesem Segment gerade rasant zunimmt und meist zwei oder gar drei Sitzplätze mehr bietet.
Das ficht Smart nicht an, denn die überschaubaren Abmessungen sollen dabei nicht Ausdruck von Verzicht und Sparsamkeit sein oder Signal für einen niedrigen Preis. Vielmehr ist der einst als City-Coupé gestartete Kleinstwagen auf ein sehr spezifisches Nutzungsprofil ausgerichtet: urbane Mobilität. Minimale Verkehrsfläche mit maximalem Raumkomfort für zwei, eingebauter Parkplatz dank geringer Außenlänge, maximale Wendigkeit, Übersichtlichkeit und Agilität.
Neu für Smart nach dem Restart: ein Modell mit Vorgänger
Damit hat der Smart Fortwo seit Ende der 90er-Jahre zahlreiche Kunden gefunden. Allein in Deutschland und Italien sind noch etwa 850.000 Autos der Vorgänger-Generationen unterwegs. Und weil der Fortwo seit 2024 nicht mehr neu zu kaufen ist, dürften zahlreiche aktuelle Besitzer die ersten Kunden des neuen #2 werden. Smart-Europa-Chef Wolfgang Ufer kennt persönlich zahlreiche Anfragen: "Die warten schon alle auf den Nachfolger", ist sich der Smart-Mann der ersten Stunde sicher.
Drum bleiben vom Vorgänger beim Neuen die um 8,5 Zentimeter gewachsene Kürze (2,78 Meter) und der charakteristisch kleine Wendekreis von 6,95 Meter dank eines Radstands von lediglich 1.875 Millimetern (plus 2 mm).
Electric-Only-Zweisitzer dank China-Technik
Allerdings steht der neue #2 auf einer eigens neu entwickelten Electric-Only-Architektur (ECA) für reinen E-Antrieb. Die Batterie ist im Fahrzeugboden unter den Sitzen untergebracht und soll 35,7 kWh groß sein, was bestenfalls für 300 Kilometer Reichweite sorgen soll. Obwohl die Batterie absolut wenig Kapazität hat, soll sie in weniger als 20 Minuten von 10 auf 80 Prozent aufladen können, was rechnerisch einer mittleren Ladeleistung von etwa 75 kW entspricht.
Der Motor sitzt natürlich auf bzw. in der Hinterachse, der Inverter darüber sollte im Kofferraum ähnlich viel Volumen erlauben wie beim Vorgänger. Die aufwändig konstruierte Fünflenker-Hinterachse zeigt, dass Smart trotz aller Kürze ein erwachsenes Fahrwerk anstrebt, das Federungskomfort und Straßenlage kombiniert. Erinnerungen an im Winter auf der Heckklappe landenden Fortwos der ersten Generation ohne ESP können in der Mottenkiste bleiben, zumal der Schleuderschutz inzwischen ohnehin obligatorisch ist.

Fünflenker-Hinterachse, Motor hinten, Inverter darüber, Batterie in der Mitte: neue Smart-#2-Plattform.
Neue Architektur ermöglicht Modellfamilie
Der Radstand kann bei der neuen Architektur auf 2,50 Meter wachsen und mit ihm könnte auch die Batterie größer werden, sodass eine ganze Modellfamilie entstehen kann – und soll. Möglich also, dass auch der Forfour ebenfalls einen Nachfolger bekommt. Als Typbezeichnung böte sich #4 an und weil Smart bislang nur ungerade Ziffern verwendet hat, bliebe auch die Chance auf einen #6. Größer als der #5 wird er aber trotz der größeren Ziffer sicher nicht, die Architektur dürfte unterhalb der bisherigen rangieren. Dessen kleinstes Modell ist der #1 mit 4,27 Meter Außenlänge und einem Radstand von 2,75 Meter.
Apropos Sicherheit: Dass die passiv in Relation zur Fahrzeuggröße beim Vorgänger herausragend war, erwies sich auch anhand von Tests als stilbildendes Charakteristikum des Fortwo. Deshalb bekommt der #2 wieder eine Tridion-Sicherheitszelle, selbst wenn die optisch von außen nicht mehr wahrnehmbar sein soll.
Der Innenraum mit Platz für zwei Personen mit Gepäck orientiert sich ebenfalls am Vorgänger: Das Cockpit-Design folgt dem S-Form-Prinzip und soll den gebotenen Raum besonders effizient nutzen. Trotz der kompakten Außenmaße soll das Raumgefühl wieder besonders großzügig sein. Bei Materialien und Gestaltung will Smart zeigen, dass man sich als Premiummarke versteht.
Die zwei Sitze werden zur Bank
Neu am kommenden Smart #2 ist eine durchgehende Sitzbank. Sie ist nicht nur ein Designelement und wirke "großzügig, offen und einladend". Die Passagiere können aber die Sitze einzeln verstellen. Trotzdem soll die Möglichkeit "durchzurutschen" zum Beispiel beim Aussteigen in der Stadt auf der Gehsteigseite praktische und Sicherheitsvorteile bieten.
Die S-förmige Armaturentafel wollen die Entwickler und Designer auf intuitive Bedienung, klare Orientierung und maximale Raumeffizienz ausgelegt haben. Ein erstes Modell vom Innenraum lässt das nachvollziehbar erscheinen. Viel Stoff als Bespannung für Oberflächen macht vorstellbar, dass das Interieur auch in Serie wohnlich wirkt.

Die geschwungene Linie bringt Lenkrad und Beifahrerairbag auf eine ähnliche Tiefe.
Großer Bildschirm und wohl gute Ergonomie
Der große Touchscreen in der Mitte dürfte die Infotainment- und Connectivity-Features bieten, wie man sie aus den größeren Smart-Modellen kennt. Vor dem Lenkrad gibt ein kleineres Display Auskunft über die wichtigsten Fahrdaten.
Was die Sitzkiste nicht wirklich wiedergeben konnte, sind die genauen Maße und die Einstellmöglichkeiten für Sitze und Lenkrad. Angesichts der kaum veränderten Abmessungen darf man aber davon ausgehen, dass Ergonomie und Übersichtlichkeit auch beim neuen Zweisitzer-Smart besonders gut sein werden.
Marktstart und Preise
Der Smart #2 feiert seine Weltpremiere im Oktober. Dann erfahren wir auch den Preis. Nach bisherigen Informationen wird dieser näher an 20.000 als an 25.000 Euro liegen, also unter 22.500 Euro. Der Marktstart dürfte dann im zweiten Quartal 2027 erfolgen. China ist interessanterweise vor Europa dran.












