Mini Cooper SE Bernhard Filser
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Mitfahrt im Mini Cooper SE: Alles bleibt anders

Mitfahrt im Mini Cooper SE Alles bleibt anders

Jetzt aber: Mini macht alles neu und bleibt doch ganz bei sich. Oder umgekehrt? Wir beifahren es im Cooper E jetzt schon raus, bevor Generation vier ab Ende 2023 an den Start geht.

Aktornahe Schlupfregelung. Klingt so interessant wie Abgabenordnung oder Verwaltungsakt. Beschreibt aber etwas ganz Feines: Nämlich die besonders schnelle und unauffällige Steuerung des Antriebsmoments beim Elektromotor. In diesem Fall dem des neuen Mini Cooper SE. Okay, neue Mini gab es schon einige, seit der Ablösung des Urtyps exakt drei. Und jetzt? Kommt der fantastische Vierer? Die Anlagen dazu hat er. Obwohl – oder weil – der Neue im Auftritt kein Revoluzzer, sondern ein Evoluzzer ist. Besser: wird, denn los geht es für ihn erst Ende 2023, der Verkauf der als Stromer und Benziner erhältlichen Familie startet 2024. Wir dürfen jetzt schonmal dran schnuppern, als Beifahrer auf eisiger nordschwedischer Teststrecke im noch nachhaltig getarnten elektrischen Cooper SE.

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Bis zu 400 Kilometer sollen mit einer Ladung möglich sein.

Kürzer, breiter, tiefer

Nachhaltig? Wer jetzt an handgeklöppelte Verkleidungsteile aus Erdnussschalen oder mundgeblasene Fischernetzteppiche denkt, der wird enttäuscht. Überhaupt: Dieser Mini ist weder Marketing-Blender noch frugales Feigenblatt, sondern (wieder) ein echter Mini. Bedeutet: außen kleiner, innen größer, leichter und dank rund drei Zentimeter längeren Radstands samt etwa vier Zentimeter breiterer Spur dynamischer. Auch optisch, die Überhänge schrumpfen um etwa drei Zentimeter. Vor allem an der Front ein echter Gewinn, der nicht zulasten des Fußgängerschutzes geht. Ebenso vielversprechend: Statt mit monströsen Motorleistungen samt hohem Strombedarf plus ausufernden Akkugrößen nach oben auszubüxen, bleiben sie bodennah. Unter anderem wegen des tieferen Schwerpunkts und des gegenüber dem 1.440 Kilogramm schweren Vorgängers reduzierten Gewichts. Selbst wer die beim bekannt flinken Cooper SE tendenziell frontlastige Gewichtsverteilung nicht bemerkte, dürfte sich über die (noch) bessere Balance freuen.

Unter einem Hut: zwei separate Plattformen

Bessere Balance? Liegt an der optimierten Platzierung des Akkus. Mini setzt nämlich zukünftig auf zwei separate Plattformen für Verbrenner und Elektro den gleichen Hut. So geht Effizienz. Der Verzicht auf Extra-Hilfsrahmen und andere Anpassungen hilft beim Gewichtsparen, ohne dass es dazu Askese oder teurer exotischer Werkstoffe bedürfte (Farewell BMW i3). Stattdessen Technik aufzutragen, bekommt der Neue was Neues samt mehr Leistung. Die Technik der Elektro-Plattform stammt aus einem Joint Venture mit dem chinesischen Hersteller Great Wall, wird in China entwickelt und produziert. Allerdings unter intensiver Beteiligung der Mini-Ingenieure, die für ausreichend MiniNess sorgen. Ablesbar unter anderem an der traditionellen Multilenker-Hinterachse, einzigartig im Segment.

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1.440 Kilogramm bringt der Mini auf die Waage.

Mehr Kapazität, Leistung und Tempo

Motoren und Akkus kommen also aus China, dort, wo der elektrische Mini auch produziert wird. Es gibt sie in je zwei Größen: Der künftige E leistet rund 135 kW, der SE rund 165 kW, gekoppelt mit Batterien mit Kapazitäten von jeweils circa 40 und 50 kWh, was Reichweiten bis 400 Kilometer ermöglichen soll. Also nix mehr mit Urban-Gefängnis. Aus dem man jetzt schneller fliehen kann, denn das selbst auferlegte Tempolimit des elektrischen Mini fällt. Ebenfalls einen Tick generöser fällt das Platzangebot aus, auch hinten. Reduzierter hingegen: die Designsprache, speziell im Cockpit. Den bisweilen schwulstigen Klassizismus wie die Kippschalter (Toggles) im Dach und den fetten Chromschmuck schmissen sie raus. Das runde Zentralinstrument überlebt, allerdings schmaler und freistehend. Entschlackt wie das ganze Auto, das die traditionellen Kippschalter für ausgesuchte Funktionen behalten darf. Neu: Schlaufen zur Lehnenverstellung. Für so etwas zahlt man bei Sportwagen-Herstellern richtig Aufpreis, deshalb nicht schimpfen. Nachhaltig ist halt das neue Premium.

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auto motor und sport-Redakteur Jörn Thomas durfte im Mini Cooper SE als Beifahrer erste Eindrücke sammeln.

Solides, komfortables Beifahrgefühl

Apropos Premium: das Beifahrgefühl des Neuen entspricht dem eines zukunftsfesten Mini, der sich schon in der Vorserie solide anfühlt, während er ohne Knarzen, Knistern (hallo New Mini eins) flüssig übers Eis kurvt. Flüssig auch wegen der aktornahen Schlupfregelung und mit – soweit sich das als Co beurteilen lässt – ausgewogener Agilität und Fahrsicherheit bei gutem Federungskomfort. Verstelldämpfer, wie beim Aktuellen? Mal sehen, sagen sie. Unser Exemplar nähert sich dem Thema Federungsabstimmung jedenfalls eher von sanft von unten an als knüppelhart von oben. Was einige Referenzrunden mit dem Vorgänger (Benziner) und dem ersten New Mini zeigen. An letzterem lässt sich der Fortschritt bei Komfort, Materialanmutung und Assistenz ebenso ablesen wie die Bewahrung der Tradition bei Agilität, Fahrspaß und Package. Denn das ist und bleibt einzigartig, obwohl das Unterzeug des elektrischen Mini weitgehend Chinesisch spricht, wenn auch mit ingeniösem bayerischem Akzent. Aber das mit fremder Sprache und bayerischem Akzent haben sie beim New Mini ja schonmal in den Griff bekommen.

Umfrage

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Sollen Elektroautos in Zukunft höhere Reichweiten haben als Autos mit Verbrennungsmotor?
Auf jeden Fall - nur so kann man die immer noch langen Ladezeiten und die nach wie vor viel zu niedrige Anzahl an Ladepunkten ausgleichen.
Nein - kleine aber schnell aufladbare Akkus sind die bessere Lösung.

Fazit

Auch wenn ein paar Beifahrer-Runden auf eisiger Piste nur limitierte Aussagekraft besitzen lassen sie doch intensiv ahnen, dass der neue Mini wieder ganz der Alte werden könnte. Mit neuartiger Plattform-Idee, chinesischem Joint Venture-Partner aber knuffigen Proportionen und entschlacktem Auftritt. Mehr Leistung und Reichweite beim Cooper SE gibt es obendrein. Wir sind jedenfalls gespannt auf die erste Fahrt hinterm Lenkrad.

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Vor allem im Cockpit sind die Maßnahmen zu erkennen.

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