Skoda Felicia Fun, Exterieur Hans-Dieter Seufert
Skoda Felicia Fun, Exterieur
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Skoda Felicia Fun, Interieur 11 Bilder

Skoda Felicia Fun aus den 1990er-Jahren

Originelles Sondermodell des kleinen Pickups

Nun mag Skoda nicht dafür berühmt sein, der unbekümmerten Heiterkeit zuzuneigen. Aber wie hätte ohne sie ein Auto wie der Felicia Fun 4.016 Mal gebaut werden können – ein Pickup mit Schwiegermuttersitz für die wichtigsten Abenteuer des Lebens: die kleinen nämlich.

Mitunter sind Legenden allzu gut, um sie durch übermotiviertes und besserwisserisches Herumgestöber in der Geschichte zu gefährden. Also lassen wir das sein und erzählen lieber, wie es sich zugetragen haben soll im März 1997 auf dem 66. Salon International de l’Automobile et Accessoires, um den Genfer Salon aus Gründen der Mondänität beim offiziellen Namen zu nennen. Da schlendern VW-Chef Ferdinand Piëch und seine Gattin Ursula über die Stände aller Konzernmarken, um zu würdigen oder zu maßregeln. Wobei Piëch die Kunst perfektioniert hat, lediglich wenige Worte – oder auch nur eine streng emporgezogene Augenbraue – zu benötigen, um Karrieren zu befördern oder zu beenden.

Man darf also annehmen, dass Peter Sudeck, Ingenieur bei Skoda, mit gespannter Erwartung neben dem Konzept des Felicia Fun steht. Piëch geht voraus, wirft einen patriarchischen Blick auf den Wagen, dreht sich zu seiner Frau um und fragt, wie sie dieses Kraftfahrzeug denn finde. Die Zweisilbigkeit ihrer Antwort – "pfiffig" – nimmt Piëch zum Anlass, Sudeck auf die Schulter zu klopfen und mit drei Worten die Serienfertigung zu veranlassen: "Bauen Sie den." So sei es; da es der Hofstaat vernommen hat, ist die Sache offiziell.

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Hans-Dieter Seufert
All die Möglichkeiten, welche der Fun eröffnet! Einen Platz an der Sonne. Oder ein Stand-up-Paddle-Board mitzunehmen, mit dem es leicht gelingt, in Seenot zu geraten.

Es dauert dennoch ein weiteres Jahr, bis März 1998, bis der erste Felicia Fun vom Band in Vrchlabí läuft. Schließlich gilt es, für diese besondere Variante des Pickups 1.187 Teile neu zu entwickeln oder zu modifizieren. So bekommt der Fun einen Rammbügel an den Bug, Kotflügel- und Schwellerverbreiterungen, 13-Zoll-Alus und auf die Ladeklappe einen Heckspoiler. Dessen vornehmste Aufgabe allerdings besteht eher darin, der dritten Bremsleuchte eine prominente Positionierung zu ermöglichen, als die Belange der Aerodynamik entscheidend mitzugestalten. Die durchaus bemerkenswerteste Konstruktion am Fun ist jedoch die Schwiegermutter-Sitzbank. Um sie aufzustellen, lässt sich die Rückwand der Kabine samt Scheibe nach hinten klappen. Das verkürzt die nutzbare Länge der mit Fichtenholzleisten ausgelegten Ladefläche zwar von 137 auf 85 Zentimeter, ermöglicht es aber, zwei weitere Passagiere mitzunehmen und dabei gleich an die frische Luft zu setzen.

Aber bitte mit Plane?

Sollte darunter auch eine Schwiegermutter sein, so darf man darauf vertrauen, dass der gnädige Fahrtwind ihre Worte hinwegwehen wird. Denn ein Verdeck, eine Plane oder andere Überdachung ist nicht vorgesehen. Doch kümmern sich bald findige Konstrukteure um Nachrüstmöglichkeiten – von wuchtigen Dachkuppeln bis flatterigen Planen. Wobei es sich für die Nutzung all jener Konstrukte durchaus empfiehlt, über vertiefte Kenntnisse im Bereich des Jurtenbaus sowie über eine gewisse Unerschrockenheit gegenüber Eleganzeinschränkungen und Wassereinbruch zu verfügen.

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Die Umbaumaßnahmen erfordern eine exakte Choreografie und wegen der 80 Kilo schweren Rückwand trotz Hebehilfe durchaus auch Kraft.

Da die vergnügliche Konstruktion der Klappsitzeinrichtung Bedenkenträgerei bei den inländischen Zulassungsbehörden auslöst, wendet sich Skoda zur Homologation an eine ausländische Macht. Windigen Ideen und kleinen Bosheiten gegenüber Schwiegermüttern oder kontinentaleuropäischen EU-Behörden traditionell nie abgeneigt, erteilt das Vereinigte Königreich von Großbritannien dafür nur zu gerne die Erlaubnis.

Keine Umstände macht sich Skoda bei der Farbpalette: Bei uns gibt es den Felicia Fun nur in Gelb mit ockergelben Anbauteilen – und mit dem 75 PS starken 1,6-Liter-Vierzylinder. Ihn starten wir nun. Es ist ein allürenfreier, wenngleich unternehmungslustiger Motor, der – verkuppelt mit einem kurz übersetzten Fünfganggetriebe – die Vorderräder antreibt. Obwohl der Fun fast zwei Zentner mehr wiegt als der normale Pickup, zieht er munter voran, drückt wacker aus niedrigen Drehzahlen empor. So dauert es nicht lange, und wir sind über der Wupper, die sich an den Hügeln des Bergischen Landes vorbeischlängelt. Der Wind struwwelt mild nach vorn, und es fühlt sich so gemütlich an, als wehe da die verheißungsvolle Sommerfrische durch die offene Verandatür herein.

Ein Fest im Paddel und dann volle Tanne

Dazu verbessert das ausgeklappte Separee die Gewichtsverteilung, bringt es doch etwas Gewicht auf die Hinterachse. Daher biegt der Fun vergnüglicher und weniger buglastig in Kurven, bleibt länger neutral, weil er später in besonnenes Untersteuern schubbert. Überdies lassen sich die Schraubenfedern an der Hinterachse durch das Gewicht dazu erweichen, ihrer Aufgabe etwas umgänglicher nachzukommen. Und wie nett das erst da hinten auf den Klappsitzen ist. Also ehrlich, gäbe es tatsächlich so etwas wie garstige Schwiegermütter, wäre das Vergnügen der Rücksitze an sie verschwendet. Da hinten reist du wie auf einer Hollywoodschaukel, die an einer sonnigen, doch lauschig-sturmgeschützten Stelle im Garten steht.

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Für unsere Testkompetenz bekannt, haben wir den Klappsitz geprüft. Und können alle Schwiegermütter beruhigen: Ist schön da hinten.

So geht es weiter, mal dem Lauf der Sonne nach, mal dem der Wupper. Als die an einer Stelle zwischen flachen Ufern fließt, ist das ein guter Ort, um anzuhalten, das Stand-up-Board von der Ladefläche zu holen, aufzupumpen und einen wackeligen Versuch zu starten, wie lange es dauert, bis man über der Wupper ist. Danach stelle ich einen Liegestuhl auf die Pritsche, spanne den Sonnenschirm auf. Man könnte glauben, die Pritsche sei eine Ladefläche, dabei ist sie ein Sonnendeck.

Oder eben Ladebett, denke ich mir, als die Sonne sich langsam hinter den Horizont duckt. Ich packe die anderen Sachen zusammen und folge der Straße, die sich sacht übers Land bis zur Bevertalsperre hügelt. An ihrem Südzipfel, kurz vor dem Deich, da gäbe es einen Campingplatz. Doch ich fahre am Ufer der Talsperre weiter nach Norden, wo sich die Strecke unter dichte Tannen duckt. Ab und zu blitzt die späte Sonne durch die Kronen, Lichtstreifen stroboskopen über die Motorhaube. Ein paar Abzweige führen den Weg noch tiefer in den Wald, die Luft kühlt ab, und außer dem sachten Motorgrollen, das in der Stille des Forstes verebbt, ist nichts zu hören.

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Hans-Dieter Seufert
Die Pritsche kann sich doch nicht ohne Grund "Ladebett" nennen, dachte sich Seb, schüttelte Bedenken ab und den Schlafsack auf.

Es braucht gar nicht mal viel Mühe, sich zu verirren, denke ich, als ich einen kleinen Weg finde, der durch hohe Bäume zu einer Lichtung führt. Im Gegensatz zum ersten Konzept hat die Serienversion des Fun keine erhöhte Bodenfreiheit, was die Talente der Abseitsfahrt durchaus begrenzt. Deshalb fahre ich nur ein kleines Stück den Weg hinein, klappe die Rückbank nach vorn und die Heckklappe runter. So passen die Maße der Ladefläche exakt für eine Matratze. Die habe ich auch dabei – hat ja alles Platz im Pickup. Ich klettere auf die Ladefläche und in den Schlafsack. Als sich die klare Nacht über den Sommertag legt, schaue ich hoch zu den Sternen und denke: War eh klar – Legende gut, alles gut.

Skoda Felicia
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