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Sono Motors Sion (2023): Erste Fahrt im Sonnenwagen

Solarauto Sono Motors Sion (2023) Erste Fahrt im Sonnenwagen

Sono Motors will das E-Auto mit Solarzellen 2023 auf die Straße bringen. Wie es fährt, konnten wir schon vorher in einem Prototypen ausprobieren.

Laurin Hahn und Jona Christians, die Gründer von Sono Motors, waren schon vor dem Studium sicher: Einfach umstellen auf Elektroantrieb wird das Klima nicht retten, wenn wir den Strom dafür gedankenlos aus der Steckdose nehmen, uns weiter allein in unsere Fahrzeuge setzen und uns ständig neue kaufen, statt sie zu teilen, damit sie nicht 23 Stunden am Tag rumstehen.

Die Kraft der Sonne zum Teilen

Drum hat Sono Motors den Sion entwickelt: Der Kompaktwagen ist außen mit Kunststoff beplankt, in dem Solarzellen integriert sind. Das gibt es so nur bei Sono, deren spezielle Machart in verschiedenen Layerschichten Biegungen und Wölbungen erlaubt, die man von handelsüblichen Dachpanelen nicht kennt. Außerdem sind die Leiterbahnen der Zellen auf der Rückseite angebracht, so dass sie die strahlungswirksame Solarfläche auf der Vorderseite nicht einschränken. Das verschafft den Solarzellen einen besseren Wirkungsgrad (21 bis 23 Prozent statt wie üblicherweise 17 bis 19 Prozent). Mit dem Tüfteln an biegsamen Solarzellen in der Polymer-Beplankung des Alu-Spaceframes sammelten die visionären Gründer Patente, die heute in die Bewertung des Unternehmens mit einfließen und ihm beispielsweise eine Kooperation mit MAN einbrachten, um den Elektro-Lkw eTGE mit einem Solardach auszustatten.

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Die Solarzellen auf dem Dach bringen am meisten.

Außerdem ist der Sion konsequent aufs Teilen ausgelegt: Er kann Strom mittels zweier zusätzlicher Buchsen (Typ 2 und Schuko-Steckdose) hinter einer Klappe zwischen den Scheinwerfern an andere E-Autos oder an Verbraucher im Haushalt abgeben. Er kann aber auch andere Mitglieder der Sono-Community mitnehmen (Ride Hailing) oder ihnen als Gefährt ohne seinen Besitzer dienen. Denn den Sion steuert eine App, die schon fleißig erprobt wird und die es erlaubt, den Sion einer vom Besitzer zu definierenden Gruppe zugänglich zu machen oder ihnen eben Mitfahrten auf seinen Wegen anzubieten.

Auch die Käufer des Sion wollen mehr Reichweite

Wie das Auto selbst aussehen soll, bestimmt bei Sono ebenfalls eine Community: 13.000 Menschen haben sich den Sion bereits für eine Anzahlung von durchschnittlich 3.000 Euro reserviert. Sie wünschten sich schon früh ein Anhängerkupplung und eine größere Batterie für mehr Reichweite auch ohne Sonne. Die soll pro Woche dank der 880 Watt Peakleistung der Solarzellen auf Dach, Haube und Seitenwänden 112 Kilometer bringen, der neue statt 35 jetzt 54 kWh große Akku allein 305 Kilometer. Gleichzeitig stieg die maximale Ladeleistung von 50 auf 75 kW. Und der CO2-Ausstoß bei der Produktion des Akkus, den Sono natürlich kompensiert, von 2,7 auf 4,1 Tonnen.

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Die Batterie hat jetzt 54 kWh - nur 4 kWh weniger als die mittlere des VW ID.3

In der Praxis ist CO2-Sparen auch nicht das einzige Ziel der Solarzellen; sie sollen das Stadtauto weniger oft an die Ladesäule zwingen. Sono meint, der Sion müsse in 8 Wochen nur einmal laden, E-Autos ohne Solarunterstützung hingegen 4 Mal. Wollten die ähnlich selten ans Kabel, bräuchten sie einen 180-kWh-Akku.

Nicht schön, aber praktisch

Aber von den Solarzellen abgesehen braucht der Sion auch die klassischen Qualitäten eines normalen E-Autos. Konsequenterweise hat sich Sono zuletzt mit erfahrenen Automotive-Managern verstärkt. CTO Markus Volmer etwa war bei Daimler und zuletzt beim chinesischen Lkw-Bauer Foton, dem auch Borgward gehört. Volmer ist Fachmann für Qualität und Zuverlässigkeit. Die hat er bei den Chinesen – freilich auch mit ettlichen "Low Hanging Fruits" wie er zugibt – um 40 Prozent gesteigert. So einer dürfte Sono helfen – schließlich ist das Start-up, was den klassischen Fahrzeugbau angeht, eher unerfahren.

Die riesigen Fugen zwischen den Teilen der Sion-Karosse sind nur bedingt ein Qualitätsthema. Volmer verspricht, dass sie in der Serie erheblich unauffälliger werden, aber auf das Niveau herkömmlich Blechkarossen wird die des Sion nicht kommen: Auf dem Spaceframe aus Alu sitzen ähnlich wie beim e.go Life Kunststoffplatten, in die eben die Solarzellen eingebettet sind. Mit der Lack-Qualität wird der Sion nie Probleme haben: Die Polymer-Außenhaut ist durchgefärbt und kann jede Farbe haben – Hauptsache es ist Schwarz. Das passt freilich am besten zu den Solarzellen. Das matte Finish könnte man auch als coole Folierung durchgehen lassen. Das würde allerdings nicht zur pragmatischen Form des Sion passen, die hinten und von der Seite an einen aufgeblasenen Lancia Y der ersten Generation erinnert und von vorne ein wenig nach der zweiten Mercedes A-Klasse.

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Ein Continental Motor mit 163 PS Spitzenleistung treibt die 16-Zoll-Vorderreifen mit Continental-Reifen an, die Ladeklappe sitzt zwischen den Scheinwerfern.

Das Interieur passt – bis auf den frisch-grünen Moosfilter zur Reinigung der Innenraumluft unter der Instrumententafel – farblich zum Exterieur und wirkt sehr aufgeräumt, fast spartanisch. Neben den Schaltern für die Fensterheber und die Spiegelverstellung im Türgriff, gibt es eigentlich nur noch einen für den Warnblinker auf der Mittelkonsole und den prototypspezifischen Notausknopf. Der Serien-Sion soll aber einen echten Start-Stopp-Knopf kriegen – Wunsch der Community. Den Rest bedient der Fahrer des Solarautos per App oder über ein großes Display in der Mitte. Ein zweites vor dem Lenkrad trägt die digitalen Instrumente.

Bequem und geräumig

Der Fahrersitz ist weich gepolstert und bequem, die Position passt, der Ausblick auch. Nur die Corona-Folie ums schmucklose Lenkrad fühlt sich seltsam an – aber dafür kann der Sion-Prototyp nichts. Losfahren ist wie in den meisten E-Autos problemlos. Der erste Kreis in der dunklen Halle offenbart eine eher träge, wenig direkte Lenkung – aber das kann sich noch ändern. An den Abstimmungen der Komponenten namhafter Zulieferer arbeitet Sono noch. Der Continental-Motor lässt auf dem glatten Hallenboden die Vorderreifen pfeifen, obwohl die Leistung im Prototyp noch reduziert ist. Markus Volmer hätte die Maschine deshalb lieber hinten und hofft, sie bei einer ersten Überarbeitung dort einbauen zu können. Das würde Traktion und Gewichtsverteilung verbessern, die Crashsicherheit einfacher und einen vorderen Kofferraum etwa fürs Ladekabel möglich machen. Als wir aus der Halle über frostgeschädigten Belag surren, fällt auf, dass der Prototyp mit den für ein E-Auto kleinen 16-Zöllern ziemlich komfortabel federt (sowie ein bisschen knarzt) und als er aus dem Schatten des Gebäudes rollt, begeistert sich Vollmer für die Leistungsangabe der Solarpanele auf dem Zentraldisplay, die auf fast 400 Watt schießt. Durchziehende Wolken lassen den Wert allerdings zwischenzeitlich auch mal auf 100 Watt sinken. Beim Parken heißt es also aufgepasst: Carports und enge Häuserschluchten sind schlecht für die Solarstromerzeugung.

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Der Ausblick ist gut. Vor allem auf das Zentraldisplay, wenn die Sonne scheint. Dort lässt sich ablesen, welche Solarzellen am Auto wie viel Leistung bringen.

Beim Fahren hingegen ist alles easy, selbst die Passagiere hinten sind im geräumigen Fond gut untergebracht. Die Rückbank ist allerdings recht tief eingebaut und bietet wenig Auflage für die Oberschenkel. Dafür macht das Umklappen der Lehnen (im Verhältnis 1:3 geteilt) aus dem standardmäßig 650 Liter großen Kofferraum ein riesiges Gepäckabteil mit ebenem Boden – auch weil hinten ein herausnehmbarer Deckel über einem großen Fach darunter liegt. Auf der Unterkante der Laderaumöffnung sitzt deswegen eine Art Rahmen, der den doppelten Boden trägt, aber die Ladehöhe leicht einschränkt. Eine Waschmaschine soll trotzdem reinpassen.

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Die LED-Rückleuchten am Steilheck stehen senkrecht und geben der Heckklappe viel Breite.

Dann wäre schon jetzt ein E-Motor hinten. Und der Sion könnte ihn sogar mit Strom versorgen: Über die Schuko-Steckdose hinter der Ladeklappe.

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Sind Solarzellen auf dem Auto die Mühe wert?
Ja, wenn man Solarenergie einfangen kann, sollte man es tun, egal wo.
Nein, zu viel Aufwand, zu wenig Ertrag.

Fazit

Es sieht so aus, als würde aus der Vision vom E-Auto mit eigenen Solarzellen ein technisch konventionelles, aber sehr praktisches E-Auto mit einer Batteriekapazität, die auch im grauen Alltag ohne Sonne für genug Reichweite sorgt. Maximal 75 kW Ladeleistung an der Säule ermöglichen zudem angstfreie, sagen wir, Mittelstreckentauglichkeit. Und wer seinen Sion teilen bzw. verleihen will, profitiert nicht nur von den Solarzellen, sondern auch von der Unempfindlichkeit des Kunststoffs, in den sie eingebunden sind: Leichte Parkrempler soll er ohne bleibende Verformungen überstehen.

Technische Daten

Sono Motors Sion
Grundpreis 25.500 €
Außenmaße 4470 x 1660 mm
Kofferraumvolumen 650 bis 1250 l
Höchstgeschwindigkeit 140 km/h
Alle technischen Daten anzeigen
Sono Motors Sion
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