Es ist schon fast ein Running-Gag, über den Nico Hülkenberg wohl nur bedingt lachen kann. Der Rheinländer hat den elften Platz dieses Jahr quasi im Abonnement gebucht. Rechnet man alle Quali-Sessions für die fünf Grands Prix und die drei Sprints zusammen, dann gab es in acht Versuchen jetzt schon sechs Mal Rang elf. Ein Einzug in das Top-Ten-Finale blieb dem Blondschopf bisher verwehrt. In Montreal fehlten nur 29 Tausendstel.
Trotzdem durfte Hülkenberg mit seiner Leistung in der Kanada-Quali zufrieden sein. Dass man überhaupt so nah am Einzug in die letzte K.O.-Runde dran war, konnte man vor dem Wochenende nicht unbedingt erwarten. Auf der Highspeed-Strecke in Montreal zählt vor allem Motor-Power. Und hier hat das Triebwerk aus Neuburg bekanntlich ein spürbares Defizit zu den Antriebspaketen der Konkurrenz.
Umso überraschender war der Blick auf die Top-Speed-Tabelle. Gabriel Bortoleto flog mit 329,4 km/h durch die Lichtschranke am Ende der langen Geraden. Damit lag der Brasilianer in der Tempo-Wertung ganz vorne. Wenig Leistung, hoher Top-Speed – wie passt das zusammen? Die Erklärung liegt im R26-Chassis, das mit seinen ultraschmalen Seitenkästen extrem wenig Luftwiderstand bietet.

In der Top-Speed-Tabelle belegte Gabriel Bortoleto den ersten Platz.
Jagd nach den ersten WM-Punkten
Weil es aber beim Abtrieb und der Fahrbarkeit noch Luft nach oben gibt, reicht das windschlüpfrige Auto alleine nicht aus, um endlich den Q3-Fluch zu besiegen. Die Frage lautet auch, wie sich der Mangel an Anpressdruck bei feuchten Bedingungen auswirkt, die für den Rennsonntag erwartet werden. Bisher haben die beiden Audi-Piloten noch gar keine schnellen Runden mit Regenreifen gedreht. Hier gilt es, sich schnell zu akklimatisieren.
Trotz der regelmäßigen Startplätze in Top-Ten-Nähe gab es für Hülkenberg dieses Jahr noch keine WM-Punkte. Das Wochenende in Kanada zeigte erneut, dass die Startphase nach wie vor die Achillesferse ist. Im Sprint wurden Bortoleto und Hülkenberg schon in der ersten Runde von Colapinto aufgeschnupft. Danach verhinderten die bekannten Probleme mit der Fahrbarkeit eine mögliche Aufholjagd.

Der neue Audi R26 kam bisher noch nicht mit Regen in Berührung.
Chance dank Regen-Chaos?
Im Regen am Sonntag wird es aber nicht nur auf die reine Pace ankommen. Für fast alle Piloten wird die Fahrt mit den 2026er-Autos auf einer feuchten Piste zu einer ganz neuen Erfahrung. Wenig Abtrieb und viel Drehmoment sind eine gefährliche Mischung. Dazu dürfte es schwierig werden, die Pirelli-Reifen bei nasskalten Bedingungen auf Temperatur zu bringen und auch im Arbeitsfenster zu halten.
Der Circuit Gilles Villeneuve hat schon viele chaotische Regenschlachten gesehen. Wer die Zielflagge sieht, könnte schon eine gute Chance haben, mit WM-Punkten belohnt zu werden. Hülkenberg gilt als Spezialist für rutschige Bedingungen. Mit seiner Erfahrung und etwas Glück stehen die Chancen nicht schlecht, dass es endlich klappt mit den ersten Zählern des Jahres.












