Formel 1: FIA verbietet Auspuff-Trick - Ferrari durch neue Regeln benachteiligt?

FIA verbietet Auspuff-Trick
Ferrari durch neue Regeln benachteiligt?

ArtikeldatumVeröffentlicht am 02.07.2026
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Ferrari - Technik - Bahrain-Test - Formel 1 - 2026
Foto: xpb

Das Formel-1-Reglement befindet sich in einem stetigen Wandel. Erst vor der aktuellen Saison mussten die Ingenieure komplett neue Autos konstruieren. Doch zufrieden waren die Regelhüter der FIA damit nicht. Die Teams schafften es, mehr Abtrieb als zuvor berechnet aus ihren Paketen zu holen. Damit kam es zu höheren Kurvengeschwindigkeiten. Den Piloten blieb weniger Zeit für die Rekuperation elektrischer Energie.

Um die Autos in den Kurven wieder etwas einzubremsen, haben die Verantwortlichen frühzeitig angekündigt, mehrere Maßnahmen zu ergreifen. So soll der Abtrieb insgesamt um 20 bis 30 Punkte gesenkt werden. Erreicht werden soll diese Ziel durch einfachere Flügel, weniger Winglets in verschiedenen Bereichen, einen weniger komplexen Unterboden und mehr Restriktionen am Diffusor.

Eine weitere Regeländerung betrifft den Auspuff. Künftig ist es den Teams nicht mehr erlaubt, kleine Winglets hinter dem Endrohr zu montieren. Ferrari hatte diese Idee im Rahmen der Wintertests in Bahrain als erstes Team aus dem Hut gezaubert. Bei ansteigenden Drehzahlen treffen die heißen Abgase hier mit hohem Tempo auf eine kleine Rampe auf der hinteren Crashstruktur. Das steigert den Anpressdruck im Heck.

Williams - Auspuff - Formel-1-Technik - GP Miami 2026
ams

FIA stopft Regellücke beim Auspuff

Ferrari hatte sein Getriebe und die Hinterradaufhängung des SF-26 so clever konstruiert, dass hinter dem Endrohr besonders viel Platz für die Rampe blieb. Die definierten Legalitätsboxen in diesem Bereich verhinderten, dass die Konkurrenz den Trick eins zu eins nachbauen konnte. Um zumindest einen kleinen Effekt zu erzielen, sah man nach wenigen Rennen aber an allen anderen Autos kleine Winglets, die teilweise direkt an das Endrohr geschweißt wurden.

Damit soll 2027 endgültig Schluss sein. Die FIA kündigte an, dem Treiben einen Riegel vorzuschieben. Die Entscheidung wurde nicht nur getroffen, um den Abtrieb zu senken, sondern auch, um extremere Auswüchse und hohe Investitionen in diesem Bereich zu verhindern. Die Regelhüter befürchteten eine kostspielige Entwicklungsspirale.

Das neue Formel-1-Reglement für 2027 definiert den Bereich rund um den Auspuff komplett neu. Innerhalb eines festgelegten Zylinders um das Endrohr dürfen, mit Ausnahme des Auspuffs selbst, künftig keine anderen Fahrzeugteile mehr liegen. Damit verschwindet die rechtliche Grauzone, die Ferraris Konzept überhaupt erst ermöglicht hatte.

Ferrari - Auspuff - Formel-1-Technik - GP Miami 2026
ams

Kein Auspuff-Flügel in Spa und Monza?

Die Scuderia-Ingenieure können ihren bestehenden Wissensvorsprung also nur noch bis zum Saisonende nutzen. Schon in der Frühphase der Saison hatte Ferrari in diesem Bereich viel optimiert. Eine erste Überarbeitung debütierte bereits in Miami. In Barcelona wurde direkt ein zweites Upgrade nachgelegt.

Wie die Ferrari-Experten der italienischen Webseite autoracer.it berichten, sollen künftig je nach Rennstrecke unterschiedliche Spezifikationen zum Einsatz kommen. In Spa-Francorchamps und Monza, wo Abtrieb nicht so entscheidend ist, könnte das kleine Flügelprofil vor dem Auspuff sogar komplett entfallen.

Darüber hinaus soll Ferrari an einer weiterentwickelten Version des sogenannten Macarena-Heckflügels arbeiten, der zusammen mit einem modifizierten Diffusor den Abtriebsverlust ausgleichen soll.

Ferrari - Heckflügel - GP China 2026
xpb

Ferrari verschiebt Aero-Ressourcen

Was die aerodynamische Entwicklung angeht, beginnt für Ferrari in der zweiten Saisonhälfte eine neue Zeitrechnung. Die Windkanal-Stunden sind bekanntlich streng limitiert und richten sich nach der Position in der WM-Wertung. Bei der Zuteilung der Ressourcen im ersten Halbjahr galt noch der vierte Platz aus dem Vorjahr.

Mittlerweile hat sich die Scuderia auf Platz zwei nach vorne gearbeitet. Für das zweite Halbjahr muss damit nur Spitzenreiter Mercedes mit noch weniger Runs im Windkanal und in den CFD-Simulationen auskommen.

Vor dem Hintergrund der begrenzten Möglichkeiten hatte Ferrari laut autoracer.it bereits entschieden, die Weiterentwicklung des Auspuff-Flügels einzustellen. Die verfügbaren Entwicklungsressourcen werden stattdessen auf andere Bereiche des 2026er-Autos konzentriert. Diese Entscheidung wäre auch ohne das offizielle FIA-Verbot getroffen wurden. Von einem Wissensvorsprung hätte Ferrari 2027 also nicht mehr zehren können.

Fazit