Carlos Sainz - Ferrari - Formel 1 - GP Monaco - 20. Mai 2021 Motorsport Images
Sebastian Vettel - Aston Martin - Formel 1 - GP Monaco - 20. Mai 2021
Charles Leclerc - Ferrari - Formel 1 - GP Monaco - 20. Mai 2021
Mick Schumacher - Haas F1 - Formel 1 - GP Monaco - 20. Mai 2021
Fernando Alonso - Alpine - Formel 1 - GP Monaco - 20. Mai 2021 51 Bilder

GP Monaco 2021 - Analyse Training & Longrun-Zeiten

Trainingsanalyse GP Monaco 2021 Ist Ferrari der Favoritenschreck?

GP Monaco

Ferrari schockte die Konkurrenz mit einem Doppelsieg. Stempeln überlegene Bestzeiten Charles Leclerc und Carlos Sainz jetzt zum Favoritenschreck? Mercedes und Red Bull haben Ferrari jedenfalls auf der Rechnung.

Dieser Grand Prix läuft nach eigenen Maßstäben ab. Das zeigt schon das Ergebnis der beiden Trainingsläufe. Die erste Sitzung gewann Sergio Perez vor Carlos Sainz und Max Verstappen. Die zweite sah einen Ferrari-Doppelsieg mit Charles Leclerc vor Carlos Sainz und Lewis Hamilton. Ferraris Vorsprung war gemessen an den sonst eher minimalen Zeitabständen signifikant. Fast vier Zehntel sind in Monte Carlo eine Hausnummer.

Die GPS-Analysen lassen zwar vermuten, dass Ferrari und Red Bull mit etwas mehr Power als Mercedes unterwegs waren, doch selbst wenn man das abzieht, ist Ferrari ein echter Siegkandidat. Zwischen Red Bull und Mercedes geht es wieder um Hundertstel und Tausendstel. Die Fahrzeugabstimmung setzte den Ton. Während die Red Bull-Piloten und Valtteri Bottas über zu starkes Untersteuern klagten, war Lewis Hamilton halbwegs zufrieden mit seinem Auto.

Normalerweise bieten wir ihnen in unserer Analyse vom ersten Trainingstag Longrun-Zeiten an. Diesmal verzichten wir darauf. Die verkürzten Trainingszeiten am ersten Tag brachten mit sich, dass der Verkehr auf der Strecke noch stärker war als sonst. Es gab kaum zwei, drei Runden am Stück mit freier Fahrt. Die Rundenzeiten waren ein ständiges Auf und ab. Hier als Beispiel die letzte Longrun-Sequenz der beiden WM-Favoriten. Verstappen: 1.21,535 min – 1.15,043 min – 1.15,069 min – 1.29,372 min – 1.25,389 min. Und Hamilton: 1.26,005 min – 1.17,154 min (gestrichen) – 1.34,020 min – 1.44,056 min – 1.24,485 min.

In Monte Carlo dreht sich alles um den Samstag. Deshalb haben die Bestwerte des Donnerstagstraining ausnahmsweise einmal mehr Bedeutung als vermeintliche Rennsimulationen. Und da lässt sich nach 120 Minuten Stadtrundfahrt eines mit Sicherheit sagen. Die Jagd nach der Pole Position wird ein Sechskampf zwischen je zwei Mercedes, Red Bull und Ferrari.

Max Verstappen - Red Bull - Formel 1 - GP Monaco - 20. Mai 2021
xpb
Der Kampf um die Pole-Position wird ein Sechskampf.

Sechs Dinge, die Sie wissen müssen

Ist Ferrari wirklich ein Geheimfavorit ?

Red Bull-Sportdirektor Helmut Marko warnte schon vor dem Training: "Passt mir auf Ferrari auf." Als ihm Carlos Sainz vor der zweiten Trainingssitzung über den Weg lief, fragte er den Spanier: "Ich hoffe, du hast nur wenig Sprit an Bord gehabt." Sainz gab zurück: "Das seht ihr dann am Samstag." Red Bull und Mercedes bekamen schon wenig später einen Vorgeschmack, was ihnen in der Qualifikation blühen könnte. Charles Leclerc und Carlos Sainz führten die Rangliste an.

Wann hat man das zuletzt gesehen? Zwei Ferrari ganz vorne. Der Vorsprung auf Mercedes betrug stolze 0,390 Sekunden, der auf Red Bull sieben Tausendstel mehr. Charles Leclerc fuhr seine Bestzeit von 1.11,684 Minuten in seiner siebten Runde mit den Soft-Reifen. Seine ideale Runde wäre mit 1.11,566 Minuten noch schneller gewesen. Carlos Sainz holte schon in der dritten Runde das Maximum aus Pirellis weichster Reifenmischung heraus. Ihm fehlten 0,112 Sekunden auf den Teamkollegen. Auch bei der Konkurrenz boten die Reifen erst mit Verzögerung maximalen Grip. Bei Verstappen in der dritten Runde, bei Bottas in der vierten und bei Hamilton erst in der neunten.

Das Overlay der Runden von Leclerc, Verstappen und Hamilton verrät, dass der Ferrari um 10 bis 15 km/h schneller den Berg hoch zum Casino schießt als Verstappen und Hamilton. Im Tunnel schrumpft sein Speed-Vorteil auf zwei km/h. Leclerc verliert Zeit auf seine Konkurrenten in Ste.Dévote, Hamilton in der zweiten Schwimmbad-Schikane. Im Ferrari-internen Vergleich ist Leclerc in der oberen Portier-Kurve, der Hafenschikane, der Tabak-Kurve und Rascasse schneller, Sainz in Ste.Dévote und in der Schwimmbad-Passage.

Red Bull-Teamchef Christian Horner urteilte: "Wir müssen Ferrari auf jeden Fall auf der Rechnung haben. Auch wenn Ferrari und Alfa Romeo am ersten Trainingstag der Erfahrung nach in Relation zu uns immer etwas schneller fährt." So sieht es auch Mercedes-Chefingenieur Andrew Shovlin: "Man muss die Zeiten gar nicht lange studieren um herauszufinden, dass Ferrari hier ernsthaft schnell und ein Siegkandidat ist." Lando Norris entpuppte sich als Hellseher: "Ich habe Anfang der Woche Carlos getextet: Du wirst das Rennen gewinnen."

Carlos Sainz - Ferrari - Formel 1 - GP Monaco - 20. Mai 2021
xpb
Hat Norris Recht und Sainz gewinnt das Rennen?

Wer liegt im Duell Mercedes gegen Red Bull vorne?

Es bleibt eng zwischen Mercedes und Red Bull. Am Morgen hatte Max Verstappen mit einem Vorsprung 0,389 Sekunden die Nase vor seinem WM-Rivalen. Beide auf Medium-Reifen. Am Nachmittag drehte Hamilton den Spieß um und verwies Verstappen um 0,007 Sekunden auf Rang 4. Trotzdem war man bei Red Bull nicht ganz zufrieden. "Wir haben mit dem Setup verwachst und wären besser bei der Abstimmung geblieben, die wir am Morgen gefahren sind", meinte Sportdirektor Helmut Marko.

Die Red Bull-Piloten klagten im zweiten Training über Untersteuern. Das behinderte Max Verstappen und Sergio Perez besonders auf der Jagd nach der schnellsten Runde. "Ich fühle mich noch nicht wohl in meinem Auto. Das ist mir in diesem Jahr zum ersten Mal passiert. Wir müssen schneller werden", forderte Verstappen. Perez pflichtete bei: "Wir haben zwischen erstem und zweitem Training einen Schritt rückwärts gemacht."

Auf den Longruns sah es besser aus. Die sind allerdings wegen des starken Verkehrs auf der Strecke ziemlich bedeutungslos. Red Bull und Ferrari lagen in der Sequenz der Rundenzeiten vor Mercedes, was aber nicht viel heißen muss. Weil es im Rennen nur auf die Position auf der Strecke ankommt und einem das Tempo vom Vordermann aufgezwungen wird. Außerdem fühlte sich Hamilton zu Beginn des Medium-Longruns nicht so wohl auf diesem Reifentyp.

Im Vergleich zu Bottas gewinnt der Weltmeister in den ersten beiden Sektoren, büßt aber viel Zeit im dritten Abschnitt ein. Bottas braucht zu lange seine Vorderreifen in das Arbeitsfenster zu bringen. Als sie endlich da waren, war es zu spät, Hamilton noch zu überholen. Es ist das altbekannte Lied. Für die optimale Monaco-Runde braucht man einen Vorderreifen, der sofort auf Temperatur ist und einen Hinterreifen, der vor den letzten Kurven nicht überhitzt.

Während sich Verstappen bei der Reifenwahl an Mercedes orientierte, durfte Sorgenkind Perez schon am Morgen einen Satz Soft verheizen. "Als vertrauensbildende Maßnahme", erklärte Marko. Die Bestzeit tat der Seele gut. Der Mexikaner soll sich in seinem Auto möglichst wohl fühlen, damit er am Samstag in die ersten beiden Startreihen fährt.

Sergio Perez - Red Bull - Formel 1 - GP Monaco - 20. Mai 2021
Motorsport Images
Sergio Perez durfte seinen weichen Satz Reifen schon eher nutzen.

McLaren oder Alpha Tauri?

McLaren ging mit gemischten Gefühlen aus dem ersten Trainingstag. Lando Norris landete auf Platz 6 im Bereich der Möglichkeiten des Autos. "Ich habe mich von der ersten Runde an wohlgefühlt. Wir stehen, wo wir stehen müssen. Vor uns sind die Autos, die wir vor uns erwarten mussten." Ferraris Höhenflug ist für Norris keine Überraschung: "Ich habe immer gesagt, dass Ferrari in den Kurven unheimlich stark ist."

Daniel Ricciardo verstand auf Platz 15 mit neun Zehnteln Rückstand auf Teamkollege Norris die Welt nicht mehr. "Die Runden fühlten sich eigentlich ganz ordentlich an. Doch dann siehst du auf der Zeitentabelle, dass du nur Zwölfter, Fünfzehnter oder Siebzehnter bist und du fragst dich, wo die ganze Zeit verloren geht. Ich habe jetzt zum Glück einen ganzen Tag Zeit die Daten zu studieren." Ricciardos Befürchtung scheint sich immer mehr zu verfestigen: "Du brauchst einen ganz bestimmten Fahrstil, um mit diesem Auto schnell zu sein." Es ist offensichtlich nicht Ricciardos Fahrstil.

Alpha Tauri ist nach zwei negativen Ausreißern wieder zurück in der Schlacht um die besten Plätze hinter den Topteams. Pierre Gasly überzeugte mit den Plätzen 4 und 7. "Sie sind wieder dort, wo sie hingehören", kommentierte Marko. Das trifft nur auf Gasly zu. Der Franzose jubelte: "Ich fühle mich wohl im Auto und kann voll attackierten."

Yuki Tsunoda machte im zweiten Training wieder mal Kontakt mit den Leitplanken. Nach elf Runden war das Training für den Japaner beendet. Marko grimmig: "Wir haben ihm tausend Mal gesagt, dass es in Monte Carlo nur eines gibt: Fahren, fahren, fahren. Er muss lernen, sich zu disziplinieren."

Yuki Tsunoda - Alpha Tauri - Formel 1 - GP Monaco - 20. Mai 2021
xpb
Tsunoda musste Kritik von Dr. Helmut Marko einstecken.

Wie stehen die Chancen von Sebastian Vettel?

So gut lief es für Sebastian Vettel am ersten Trainingstag noch nie, seit er für Aston Martin fährt. Dabei lief es eigentlich schlecht. Im ersten Teil der Nachmittagssitzung bekam der Aston Martin-Pilot Probleme mit seinem linken Auge. "Es ist irgendetwas reingeraten. Danach hat das Auge getränt und ich musste dauernd blinzeln. Das ist auf einer Strecke wie Monte Carlo nicht ideal. Trotzdem landete der zweifache Monaco-Sieger auf den Plätzen 8 und 10. "Ich habe schnell Vertrauen in mein Auto gefasst."

Aston Martin kreuzte auch in Monte Carlo mit neuen Teilen am Unterboden auf. Sie sollten uns in langsamen Kurven etwas helfen", hofft Teamchef Otmar Szafnauer. Vettel sieht zum ersten Mal eine Chance im vorderen Mittelfeld mitzukämpfen. "Dafür muss am Samstag alles passen. Und wir brauchen ein bisschen Glück mit dem Verkehr auf der Strecke."

Warum war Alpine so schwach?

Alpine trat mit dem festen Ziel in Monte Carlo an, beide Autos in das Q3 und in die Punkteränge zu bringen. Wo doch langsame Kurven das Revier des Alpinem sein sollen. Umso größer die Enttäuschung nach dem ersten Tag. Keiner der beiden Piloten schaffte es ins Top Ten. Fernando Alonso lag im schnelleren der beiden Trikolore-Autos mit 1,491 Sekunden Rückstand auf den 12.Platz. "Wir sind schlecht in das Training reingekommen, haben uns am Nachmittag verbessert, aber leider nicht genug", gab Technikchef Marcin Budkowski zu.

Seine Analyse: "Zu wenig Grip, zu viel untersteuern, zu viel Zeit um die Reifen anzuzünden. Unter den Umständen ist es schwierig, das Timing für die schnelle Runde zu finden. Wir werden das Setup für Samstag noch einmal umbauen." Die beiden Alpine A521 kamen mit neuen Leitblechen vor den Seitenkästen nach Monte Carlo. "Da gibt es noch einiges zu verstehen", räumte Alonso ein, der in 64 Runden versuchte Vertrauen in sein Auto zu fassen und die Strecke nach zwei Jahren Pause neu zu lernen. Am Morgen beschädigte der Spanier sein Auto in der Zielkurve. Der Frontflügel und ein Querlenker nahmen Schaden.

Esteban Ocon - Alpine - Formel 1 - GP Monaco - 20. Mai 2021
Motorsport Images
Bei Alpine ging am Donnerstag nicht viel.

Warum war Mazepin schneller als Schumacher?

Mick Schumachers Training endete mit einem Unfall in der Massenet-Kurve. Rechts hinten gingen Reifen und Aufhängung zu Bruch. "Mick hat hinter Perez Abtrieb verloren und ist leicht an der Mauer angeschlagen", erklärte Teamchef Guenther Steiner. Der Schaden war gering. Schumachers Unfall 4.35 Minuten vor Ende des zweiten Trainings löste einen Abbruch aus. Damit ging für alle gleich viel Zeit auf der Strecke verloren. Neu war, dass Nikita Mazepin in beiden Trainingssitzungen vor seinem deutschen Teamkollegen stand. Am Morgen mit 0,185 Sekunden Vorsprung, am Nachmittag mit 0,009 Sekunden.

Steiner will nicht zu viel in die Rundenzeiten hineininterpretieren. "Einmal ist immer das erste Mal. Beide sind nicht ihre Idealzeiten gefahren. Es kam darauf an, wie frei die Strecke war, als sie ihre schnellsten Runden gefahren sind. Da kannst du nie von gleichen Bedingungen sprechen." Tatsache aber ist, dass Mazepin diesmal schneller Vertrauen in sein Auto gefasst hat als sonst. Das Team hat fleißig mitgeholfen. Beide Fahrer wurden von Beginn an mit den weichen Reifen losgeschickt, um ihnen gleich ein gutes Gefühl zu geben und sich so schnell wie möglich an die Strecke zu gewöhnen. In Barcelona haben wir den Fehler gemacht, mit harten Reifen zu beginnen. Da hat sich Nikita überhaupt nicht wohl gefühlt", berichtet Steiner.

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