Den ersten Warnschuss feuerte Mercedes im dritten Training ab. Andrea Kimi Antonelli fuhr nach einem eher mittelmäßigen Freitag wie aus dem Nichts die überlegene Bestzeit vor den beiden Ferrari. Drei Stunden später musste der WM-Spitzenreiter mehr zittern. Max Verstappen hatte mit einer Runde von 1.12,094 Minuten die bis dahin schnellste Zeit des Wochenendes vorgelegt. Antonelli unterbot sie 38 Sekunden später um 43 Tausendstel.
Der Schlüssel war Antonellis Auftritt im zweiten Sektor. Da machte der 19-jährige Italiener das Zehntel wieder wett, das ihm Verstappen im ersten Streckenabschnitt abgenommen hatte. Und er schaffte sich ein Polster für das Ende der Runde, das mit 0,045 Sekunden Vorsprung wieder an den Red-Bull-Piloten ging. Das Mittelstück der Strecke zwischen Mirabeau und Tabakkurve, in dem die Mercedes am ersten Trainingstag noch ihre Probleme hatten, wurde plötzlich zum Sahnestück.

Am Freitag ärgerte sich Teamchef Toto Wolff noch über die Defizite auf den Randsteinen. Seine Klage hat Gehör gefunden.
Ferrari im Rückwärtsgang
Der Umschwung war das Resultat des Umbaus der Fahrzeugabstimmung. Die Mercedes-Ingenieure spendierten ihren Fahrern mehr Federweg und optimierten die mechanische Balance. "Das Auto ging deutlich besser über die Randsteine und die Bodenwellen", berichtete Antonelli. Bei Ferrari lief es umgekehrt. Der Freitagskönig stürzte ab. Lewis Hamilton war froh, dass er es mit 0,228 Sekunden Rückstand noch auf den dritten Startplatz schaffte. Favorit Charles Leclerc unterliefen im entscheidenden Moment zu viele Fehler, allen voran ein harter Mauerkontakt.
Hamilton gab zu, dass die erste Startreihe außer Reichweite lag. "Meine Runde war das Maximum, das heute mit diesem Auto möglich war. Es fühlte sich im Vergleich zum Freitag wie verwandelt an. Hätten wir nach dem Q1 nicht große Änderungen am Frontflügel vorgenommen, wäre ich weiter hinten gelandet. Ich hatte den Eindruck, als hätten wir einen Schritt rückwärts genommen, Red Bull und Mercedes dafür einen Schritt vorwärts gemacht."

Lewis Hamilton konnte der Mercedes-Truppe nur Tribut zollen. Sie entwickelte sich schneller weiter als Ferrari.
Verstappen hat nichts hergeschenkt
Auch Red Bull überraschte. Da fand die Wende erst zwischen dem dritten Training und der Qualifikation statt. "Im dritten Training fehlten uns neun Zehntel, und wir dachten, dass wir mit einem Platz in den Top 5 zufrieden sein müssen", blickte Verstappen zurück. Die Red-Bull-Ingenieure konzentrierten sich daraufhin wie ihre Kollegen von Mercedes auf eine Verbesserung im zweiten Sektor. "Nach den Umbauten vor der Qualifikation ging das Auto viel besser über Randsteine und Bodenwellen", atmete der Ex-Champion auf. "Ich bin happy mit meiner Runde. Wir haben nichts verschenkt."
Dann richtete sich der Blick des Spitzen-Trios auf das Rennen. Antonelli und Verstappen hatten im Verlauf der Saison immer wieder Mühe mit ihren Starts. Dafür starten die Ferrari regelmäßig wie die Raketen. Antonelli macht sich überraschenderweise keine zu großen Sorgen: "Meine Starts in Montreal waren schon besser. Ich habe nur noch eine Position verloren." In Monte Carlo darf ihm das nicht passieren, denn Überholen ist auch mit kleineren und leichteren Autos und Überholmodus ein Kraftakt. Antonelli sieht das Streckenlayout auf seiner Seite. "Der Anlauf in die erste Kurve ist extrem kurz." Es sind exakt 115 Meter.












